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Beitrag vom 8. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Virtuelle Film- und Buchtournee: Nessa Altura war zu Gast im literaturcafe.de

Das Buch: Die 13. Klasse - Roman von Nessa AlturaNach einem Erdbeben sind 17 Schülerinnen und Schüler, ihr Deutschlehrer und ein Referendar unter den Trümmern ihres Schulgebäudes begraben. Vier Schüler der Klasse gelten als vermisst, und man muss annehmen, dass sie tot sind. Die Schüler beginnen, sich Geschichten zu erzählen, um das Warten auf Rettung erträglicher zu machen. Eine Handlung, die natürlich nicht zufällig an Tausendundeine Nacht oder das Dekameron erinnert.

»Die 13. Klasse« heißt das Buch, das die Geschichte(n) der Schüler beinhaltet. »Ein Roman von Nessa Altura« lautet der Untertitel, und die mehrfach ausgezeichnete (Krimi-)Autorin Nessa Altura, begrüßten wir am 8. März 2007 im Rahmen ihrer virtuellen Buch- und Filmtournee im literaturcafe.de.

Das Café war ihre zweite Station, nachdem sie am Dienstag davor bei Bernd Röthlingshöfer zu Gast gewesen war. Dort kann man bereits einiges über die Autorin nachlesen, sodass wir hier nicht näher auf ihre Person eingeben müssen.

literaturcafe.de: Nessa Altura, herzlichen willkommen im literaturcafe.de!

Nessa Altura: Hallo.

literaturcafe.de: Viele Bücher und Filme tragen ja die Aufschrift »Nach einer wahren Begebenheit«. Wie wahr ist denn die Geschichte der 13. Klasse?

Nessa Altura: Das alles ist so nicht passiert, zum Glück, das habe ich mir ausgedacht. Dem Filmsplitter allerdings, den Sie im literaturcafe.de zeigen, liegt eine wahre Geschichte zugrunde. Sie hat sich in einer Pariser Vorstadt abgespielt, und ich habe den Prozess in den Zeitungen verfolgt.

literaturcafe.de: Dennoch versuchen Sie durch ein Weblog zum Buch und kleine Filme, die Sie auf Videoportale gestellt haben, den Eindruck zu erwecken, es gäbe die Schüler wirklich? Ein raffiniertes Spiel oder bloß ein Marketing-Gag?

Nessa Altura: Ein Spiel, dem der Umstand zupass kam, dass ein paar Schüler aus meiner Umgebung just zu der Zeit, als ich das Buch fertiggestellt hatte, auf der Suche nach Filmstoff waren, weil einer davon, Ian Otto, sich eine tolle Kamera zugelegt hatte. Da sind wir auf diese Idee gekommen. Heute, ein Dreivierteljahr später, machen die gleichen Schüler schon viel professionellere (und längere) Filme.

literaturcafe.de: Ist das Weblog unter der Adresse www.die-dreizehnte-klasse.de für Sie eine Ergänzung zum Buch oder soll es eher Nicht-Leser auf das Buch neugierig machen?

Das Weblog zum Buch: www.die-dreizehnte-klasse.deNessa Altura: Ich glaube, es ist ein arabisches Sprichwort, das sinngemäß so lautet: Hast du ein Buch in der Tasche, so hast du einen ganzen Garten für dich. Wenn man ein Buch liest, so macht man sich immerhin die Mühe, einen fremden Garten zu erforschen, und wenn man durchgegangen ist, ist man oft betrübt, dass er nicht größer ist und man nicht noch eine Weile drin bleiben kann. Manche Vorab-Leser des Buches waren ein wenig enttäuscht, dass man nicht noch mehr über die Einzelpersönlichkeiten der Schüler und Schülerinnen erfährt – diesem Wunsch habe ich entsprochen. Ich stelle mir vor, dass das Blog dazu ein Jahr lang fortgeführt werden wird – bis, um im Rahmen des Buches zu bleiben, das 13. Schuljahr herum ist und sie in die Welt entlassen werden. Eine Ergänzung also, aber natürlich wäre ich auch erfreut, wenn dadurch neue Leser zum Buch fänden.

literaturcafe.de: Die in die Rahmenhandlung eingebetteten Geschichten, die Sie im Buch den Schülern zuschreiben, sind in Wirklichkeit alles zum größten Teil von Ihnen bereits an unterschiedlichen Stellen veröffentlichte Storys. Unter den Texten ist auch die mit dem Glauser ausgezeichnete Geschichte »Der Burschl aus Tirol« und »Finale in Holzwickede«, eine Erzählung, die es auch hier im literaturcafe.de zum kostenlosen Download gibt. Wie entstand die Idee, diese Geschichten erneut zu veröffentlichen und mit der Rahmenhandlung des Erdbebens zu verweben?

Nessa Altura: Die Sache mit den Anthologien ist ja so, dass nur kleine Auflagen hergestellt und verkauft werden; danach sind die Geschichten, die dafür geschrieben wurden, gestorben. Da wollte ich ihr Leben einfach ein wenig verlängern … bei der Wiederdurchsicht war mir aufgefallen, dass sie alle grundsätzliche Lebensfragen beinhalten – deshalb habe ich sie in einen neuen, existentiellen Zusammenhang gestellt.

literaturcafe.de: Nun würde man erwarten, dass sich die Schüler in ihrer Notlage eher heitere Dinge oder Witze erzählen. Natürlich gibt es auch witzige oder gar erotische Beiträge im Buch, aber in den meisten Geschichten spielt der Tod und schreckliches Unrecht – bis hin zur Vergewaltigung – eine Rolle. Glauben Sie, dass man im Angesicht des eigenen Todes dazu neigt, vom Tod zu erzählen?

Nessa Altura: Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass man sich angesichts des Todes Witze erzählt. Ich denke eher, da packt man die Dinge aus, die man nicht bewältigt hat, die an einem nagen. Und ich denke, in einem dunklen Raum zusammengesperrt kann eine Vertraulichkeit aufkommen, die es im hellen Licht nicht gäbe.

literaturcafe.de: Eine weitere Parallele zu manchen Filmen ist das Nachwort, in dem Sie zu jeder Schülerin und jedem Schüler in zwei oder drei Sätzen berichten, wie ihr oder sein Leben nach der Katastrophe weiterging. Warum ist Ihnen das so wichtig?

Nessa Altura: Als Autor hängt man eben an seinen Figuren. Um beim Bild des Gartens zu bleiben – wen man da trifft, über den möchte man mehr wissen.

literaturcafe.de: Hatten Sie jemals daran gedacht, das Buch tatsächlich nicht unter ihrem Namen erscheinen zu lassen, um das fiktive Spiel länger aufrecht zu erhalten?

Nessa Altura: Ich schreibe ja sowieso schon unter einem Pseudonym. Und noch eines drauf – das wäre dann doch des Verwirrspiels zuviel gewesen.

literaturcafe.de: Nessa Altura, wir wünschen Ihnen und dem Buchprojekt »Die 13. Klasse« viel Erfolg und danken für den Besuch!

Nessa Altura: Auch ich danke, dass ich im literaturcafe.de zu Gast sein durfte.

literaturcafe.de: Selbstverständlich besteht jetzt noch in den Kommentaren die Möglichkeit, weitere Fragen an Sie zu stellen. Ansonsten geht Ihre Film- und Buchtournee weiter am Dienstag, 13. März 2007, im Weblog »selbst & ständig« von Elke Fleing.

Nessa Altura: Die 13. Klasse. Broschiert. Februar 2007. Books on Demand GmbH. ISBN 978-3833461606. EUR 15,00 (Bestellen bei Amazon.de).

Das Weblog zum Roman unter www.die-dreizehnte-klasse.de

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. www.best-practice-business.de/blog » Filmtournee 13. Klasse hält heute hier verlinkte am 20. März 2007 um 18:37 Uhr

    […] der mitmacht, zeigt dabei einen Filmsplitter. Bis jetzt haben Bernd Röthlingshöfer, das literaturcafe.de, Elke Fleing und die Ideentower-Jungs jeweils einen von 20 Filmsplittern gezeigt. Heute hält […]