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Beitrag vom 14. Februar 2017 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

narrativa: Tagung in Frankfurt beschäftigt sich mit dem Erzählen

narrativa: Tagung in Frankfurt beschäftigt sich mit dem Erzählen 1»narrativa« heißt eine Tagung für Autoren, Lektoren und Agenten, die zum ersten Mal am Samstag, 13. Mai 2017 in Frankfurt stattfinden wird. Sie beschäftigt sich mit »mit Aspekten, Techniken und neuen Formen des Erzählens«. Organisiert wird die Tagung durch die bekannte Autorenschule »Textmanufaktur«.

Wir haben mit dem Leiter und Organisator André Hille gesprochen.

literaturcafe.de: Herr Hille, warum veranstalten Sie eine Tagung für Autoren, Lektoren und Agenten?

André Hille: Es gibt einige Tagungen, die sich mit der Zukunft des Buches und des Publizierens oder mit Marketingaspekten usw. beschäftigen, aber meines Erachtens kommt dabei immer ein Aspekt zu kurz: das Erzählen als solches. Heutzutage wird manchmal der Eindruck erweckt, das Publizieren sei eigentlich nur noch eine Sache des (Selbst)-Marketings; und dem wollte ich eine Tagung entgegenstellen, auf der man sich wieder auf das Wesentliche konzentriert, das, was am Anfang und im Zentrum allen Erzählens steht: die Frage nach einem guten Text und welchen Einflüssen er heutzutage ausgesetzt ist.

André Hille, Leiter der Textmanufaktur und Veranstalter der narrativa (Foto: privat)

André Hille, Leiter der Textmanufaktur und Veranstalter der narrativa (Foto: privat)

literaturcafe.de: Warum sollte ich als Autor zu dieser Veranstaltung gehen? Wer ist die Zielgruppe?

André Hille: Im Kern sprechen wir schon die Autoren an, die sich auf der Tagung weiterbilden und vernetzen können. Aber meine Vision ist es, mit der Tagung all jene zusammenzubringen, die sich für das Erzählen interessieren oder beruflich damit beschäftigen – mit den Strukturen, Techniken, oder aktuellen Entwicklungen. Mich interessiert das auch persönlich: Verändern sich die Dramaturgien, mit denen wir erzählen, etwa durch die amerikanischen Quality-TV-Serien, durch das Internet? Wenn ja, in welcher Form? Oder bleibt das Erzählen in seinem Kern doch immer gleich? Solche Fragen finde ich spannend und diesen und ähnlichen Fragen werden wir versuchen, auf der narrativa auf den Grund gehen.

literaturcafe.de: Die Themen der Tagung sind sehr breit. So spricht die Literaturkritikerin Maike Feßmann über »Tendenzen gegenwärtigen Erzählens«, in einem anderen Vortrag geht es ganz konkret um das Präsens als Erzählzeit und wieder andere Vorträge widmen sich dem Erzählen in Computerspielen, bei Fanfiction und generell im Internet. Der Autor Andreas Maier spricht übers autobiografische Erzählen. Lässt sich all das im eigenen Autorenleben unter einen Hut bringen?

André Hille: Die Tagung soll ja als Inspiration verstanden werden, bestenfalls als produktive Überforderung – also man geht am Abend mit einem schwirrenden Kopf voller Gedanken und Eindrücke wieder nach Hause. Die Themen sind extra so vielfältig angelegt, sodass ich mir als Teilnehmer auch gezielt jene Themen heraussuchen kann, die mich stärker interessieren, während ich einen anderen Vortrag vielleicht auch mal auslassen und die Zeit zum Networking nutzen kann. Natürlich muss man bei einer solchen Tagung viele Vektoren unter einen Hut bringen, aber die erste Tagung in Frankfurt wird zeigen, wo das Hauptinteresse liegt und in welche Richtung wir die narrativa in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

literaturcafe.de: Gibt es so etwas wie Trends im Erzählen überhaupt? Was bringt es mir, wenn ich diese Trends als Autor aufgreife? Gerade Literaturagenten erzählen doch immer wieder, dass bei den Vorlaufzeiten der Verlage gar nicht klar ist, was in ein oder zwei Jahren noch Trend ist oder sein wird.

André Hille: Ja, das stimmt. Ich möchte auf der Tagung auch nicht auf so ganz kurzfristige Trends eingehen, à la „Hat der Regiokrimi seinen Zenit überschritten“. Mir geht es eher um Metatrends wie: Welche neue Narrationen entstehen im und durch das Internet? Die Professorin Christina Schachtner zum Beispiel hat Erzählungen von Bloggern untersucht und stieß auf hochinteressante neue Narrative, Geschichten von Vernetzung, Selbstinszenierung, Verwandlung oder Aufbruch. Das berührt im Kern unser aller Erzählen: Nämlich die Themen, um die es in Zukunft gehen wird, die eine Art Blaupause für die Romane der Zukunft bilden könnten.

literaturcafe.de: Welches Ziel erfolgen Sie selbst als Veranstalter der Tagung?

André Hille: Wir sind ein Weiterbildungsinstitut für Autoren. Für uns ist die Tagung ein neues Produkt, mit dem wir unser Angebot ausbauen, neue Zielgruppen ansprechen und uns selbst weiterentwickeln. Mich interessiert Innovation, sowohl inhaltlich, was das Erzählen anbelangt, als auch formal die Weiterentwicklung pädagogischer Formate.

literaturcafe.de: Als eine Art Bonbon können Autorinnen und Autoren ihre Texte auch Literaturagentinnen und Literaturagenten vorstellen (pitchen). Wie wird das aussehen? Wie sollte ich mich als Autorin oder Autor darauf vorbereiten?

André Hille: Wir bieten fünf bis sechs Pitching-Runden an, in denen die Autoren auf den Punkt in fünf Minuten ihr Projekt vorstellen können: Titel, Genre oder Gattung, Inhalt, USP. Die Agentin, die die Runde leitet, wird diesen Pitch dann kurz einordnen, die Erfolgsaussichten einschätzen und Hinweise geben. Im Idealfall finden Autor und Agentin vielleicht sogar zusammen.

literaturcafe.de: Ist geplant, die Tagung künftig regelmäßig durchzuführen?

André Hille: Ja, sofern die Tagung gut angenommen wird, wonach es momentan aussieht, soll sie jedes Jahr stattfinden und weiter ausgebaut werden.

literaturcafe.de: Herr Hille, wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei der ersten narrativa!

Die Tagung »narrativa« findet am 13. Mai 2017 auf dem Mediencampus Frankfurt statt. Am Abend des 12. Mai findet zudem ein optionales Get-Together statt. Moderiert wird sie vom bekannten Journalist, Autor und Schriftsteller Jörg Thadeusz.

Das Programm und alle Infos finden sich auf www.narrativa.info

Bei einer Anmeldung bis zum 28. Februar kostet die Teilnahme 179 Euro, danach 219 Euro.

Veranstaltet wird die Tagung, die sich mit Aspekten, Techniken und neuen Formen des Erzählens beschäftigt, von der Textmanufaktur.

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