Narrativa: Bettina Soller über Fanfiction und die Auflösung der Autorenschaft

Literaturwissenschaftlerin Bettina Soller auf der Narrativa (Foto: Tischer)

Im Netz entwickeln Fans das Universum von Büchern, Serien, Filmen oder Computerspielen weiter. Basierend auf dem Original werden Geschichten um Figuren, Plots oder andere Elemente geschrieben, gelesen und kommentiert. Das bekannteste Beispiel für den kommerziellen Erfolg solcher Satellitentexte ist »50 Shades of Grey«.

Die Literaturwissenschaftlerin Bettina Soller arbeitet an ihrer Dissertation zum Thema Fanfiction. Wolfgang Tischer und Fabian Neidhardt sprachen mit Bettina Soller nach ihrem Vortrag auf der Narrativa unter anderem darüber, warum Feminismus und Fanfiction eng zusammenhängen und ob sich die Rolle des Autors ändert oder gar auflöst.

Fanfiction, so Bettina Soller, sei ein populärkulturelles Phänomen, das sich im Internet abspielt. Anknüpfung an traditionelle Methoden sind zwar vorhanden – man denke an die Adaption von Volksmärchen –, doch erst die Werkzeuge im Netz und auch die sozialen Medien ermöglichen einen steten Austausch über die Texte aus dem Fan-Universum.

Interessant ist die Frage, ob aus Fan-Fiction-Schreibern auch etablierte Autoren werden können. E. L. James ist ein Beispiel dafür, dass sich Texte mehr oder weniger aus der Community lösen können und dass diese auch unabhängig von der Vorlage funktionieren. »50 Shades of Grey« war ursprünglich Fanfiction zu Stephenie Meyers Vampirsaga »Twilight« (»Bis(s) zum …«). Vor dem Übergang zum kommerziellen Massenerfolg wurden jedoch sämtliche übersinnlichen Bezüge zum Original entfernt.

Die Fans der Fanfiction-Szene sind auch für Verlage ein wichtiger Aspekt, wenn es um die Kommerzialisierung der Texte geht. Dies kann durchaus kritisch gesehen werden. Jedoch sorgt eine entsprechende Fan-Basis dafür, dass auch Bücher gut verkauft werden, die – objektiv betrachtet – nicht zu den besten Genre-Texten gehören.

Hören Sie das vollständige Gespräch mit Bettina Soller im Podcast des literaturcafe.de.

Links zu im Gespräch erwähnten Fanfiction-Websites: