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Beitrag vom 24. März 2008 | Rubrik: Literarisches Leben, Notizen, Zuschussverlage

Namhafte Schriftsteller fühlen sich durch Druckkostenzuschussverlagsgruppe getäuscht [Nachtrag]

Fühlt sich getäuscht: Ralph Giordano (Foto: Sabine Wirth)Druckkostenzuschussverlage, bei denen der Autor für eine Veröffentlichung ganz oder anteilig zahlt und die daher keine Verlage im engeren Sinne der Definition sind, werben gerne mit berühmten Namen. Meist sind es verstorbene literarische Größen wie Goethe, doch nicht selten weisen die Verlage darauf hin, dass auch berühmte lebende Schriftsteller in ihrem Hause veröffentlichen.

In einer aktuellen Stellungnahme betonen jetzt namhafte Schriftsteller wie Ralph Giordano, Alfred Grosser und Volker Neuhaus, dass ihre Namen von der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe missbraucht werden. Unter irreführendem Namen und Verhalten habe man die Schriftsteller im Goethejahr 1999 zu einem Anthologieband eingeladen, der noch heute als kostenlose Verlagsgabe verteilt werde. In einer Pressemeldung (PDF-Download) des Bundesverbandes junger Autoren und Autorinnen (BVjA) heißt es dazu: Viele Autoren stimmten zu, weil sie den Verlag in Verbindung mit der Internationalen Goethe-Gesellschaft Weimar brachten. Sie erkannten nicht, dass Goethes Name und die Nähe zum Goethehaus als »Lockmittel missbraucht« wurden, wie Jochen Golz, Präsident der Weimarer Nachlaßverwalter, das später formulierte.

Mittlerweile, so schreibt der BVjA weiter, habe die Verlagsgruppe auf die irreführende Bezeichnung »Goethe-Gesellschaft« verzichten müssen. Der BVjA zitiert den deutschfranzösischen Publizist Alfred Grosser mit den Worten: »Ich bin wie die anderen betrogen worden, denn ich glaubte natürlich, es handle sich um ein "offizielles" Sammelwerk für den 250sten Geburtstag [Goethes].«

Und ferner Ralph Giordano: »Falls ich damit jungen Kolleginnen und Kollegen Schaden zugefügt haben sollte, bedaure ich das. Umso wichtiger ist mir jetzt meine Klarstellung.« Warum diese Klarstellung allerdings erst neun Jahre nach der Veröffentlichung der Anthologie erfolgt, geht aus der Meldung nicht hervor.

Der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen weist in seiner Meldung ferner darauf hin, dass die »Verlagsgruppe des Verlagsgründers Dr. Markus Hänsel-Hohenhausen verschiedene "Imprintverlage" unterhalte mit den Namen: August von Goethe Literaturverlag, Cornelia Goethe Literaturverlag, Weimarer Schillerpresse, Fouqué Literaturverlag und Schweizer Bücherschiff«. Die Verlagsgruppe verlege ferner Autorenratgeber unter dem Namen »Frankfurter Taschenbuchverlag GmbH«. Außerdem unterhalte die zur Hänsel-Unternehmensgruppe zählende Brentano Gesellschaft Frankfurt/M. mbH das sogenannte "Haus-der-Literatur" (www.haus-der-literatur.de), das sich als »freies Portal für Autoren« gebe. Auf der Website selbst werde offen für die eigenen Verlage geworben, meint der BVjA.

Ob die Verlagsgruppe gegen die Anschuldigungen der Schriftsteller und der BVjA gerichtlich vorgehen wird, ist bislang nicht bekannt. Das Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, das in Ausgabe 12/2008 ebenfalls über die Vorwürfe berichtete, erhielt zunächst auf Anfrage keine Stellungnahme der Verlagsgruppe.

Nachtrag: Brentano-Gesellschaft weist die Kritik zurück

Wie die Online-Ausgabe des Börsenblatts boersenblatt.net am 28. März 2008 berichtet, habe die Brentano-Gesellschaft, die laut Börsenblatt im Umfeld der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG arbeite, die Kritik der Schriftsteller und des BVjA zurückgewiesen. boersenblatt.net schreibt wörtlich: Die Autoren hätten »ihren Beitrag auf Grund des Einladungsschreibens eingesandt, das jeden Zweifel über den Absender ausschloss«, teilte die Brentano-Gesellschaft mit.

Schnell gelöschte Pressemeldung greift den BVjA-Vorsitzenden an

Auf einigen freien Presseportalen tauchte zudem kurzzeitig eine Pressemitteilung auf, die offenbar dem Umkreis der Verlagsgruppe zuzuordnen ist. Darin wurde dem BVjA-Vorstandssprecher ein »betrügerisches Vorgehen« vorgeworfen. Die Meldung nannte Klarnamen, Beschäftigungsverhältnis und den Arbeitgeber des Vorstandssprechers. Auf den Portalen ist die Meldungen zwischenzeitlich gelöscht, jedoch ist diese nachwievor unter www.haus-der-literatur.de zu finden. In einer anderen Meldung, die unter www.haus-der-literatur.de zu finden ist, wirft die Verlagsgruppe ihrerseits dem BVjA vor, die Schriftsteller »genarrt« zu haben und aus wirtschaftlichen Gründen geben die Verlagsgruppe vorzugehen. Der BVjA wird zudem als »Verband von Hobbyautoren« und »Zuschussverlag« bezeichnet, der der Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe lediglich wirtschaftlich schaden wolle. Auch andere der z. T. oben zitierten Vorwürfe seien falsch. Die Verlagsgruppe werde den Vorstandssprecher »in jedem Fall auf Unterlassung der Verbreitung absichtlich falscher Behauptungen verklagen, die von einem hohen Aggressionspotential und von gefährlicher manipulativer Kraft zeugen«.

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Hinweis:
Es liegt nicht in der Absicht des Literatur-Cafés, dass die Verlagsgruppe durch subjektive Meinungsäußerungen von Lesern im Ruf geschädigt wird. Daher haben wir die Kommentarfunktion für diesen Beitrag geschlossen und einen Kommentar gelöscht.

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