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Nach Goodreads-Übernahme: Amazon kürzt Autorenhonorare auf 40% [April! April!]

Amazon Autoren erhalten statt 70% nur noch 50% TantimeDer folgende Artikel war unser Aprilscherz 2013 – wenngleich auch nicht alles erfunden war. Näheres zu den realen Hintergründen gibt’s im Nachtrag [1].

Es waren zwei faule Ostereier, die Amazon Lesern und Autoren ins Nest legte. Kurz vor Ostern wurde bekannt, dass der US-Konzern mit Goodreads [2] einer der größten unabhängigen Buchbewertungsportale übernommen hat [3]. Es wird von einem Kaufpreis von 150 Millionen Dollar gemunkelt [4].

Das Geld scheint sich Amazon nun von den Selfpublishern zu holen. In einer Pressemeldung [5] gab der Konzern heute bekannt, dass Amazon ab sofort die Autoren-Tantiemen für Selbstverleger von bislang 70% auf 40% kürzt – zunächst jedoch nur in den USA. Doch es ist sehr wahrscheinlich, dass auch Autoren in Deutschland demnächst weniger einnehmen werden.

Amazon begründet diesen Schritt mit »verbesserten Marketinginstrumenten und einem erweiterten Informationsangebot für Selbstverleger«.

Autoren erfahren künftig mehr über ihre Leser

»Für freuen uns, dass wir unseren Autoren ab sofort ein besseres Serviceangebot bieten können«, wird in der Pressemeldung Amazon-Gründer Jeff Bezos zitiert. Autoren, die via Amazons KDP-Programm ihre E-Books selbst veröffentlichen [6], erhalten künftig detailliertere Angaben über das Leserverhalten. Amazon greift hierbei offensichtlich auf eingekaufte Technologien von Goodreads zurück.

Künftig können Autoren nicht nur erfahren, aus welchen Regionen ihre Käufer stammen, sondern Autoren erhalten einen detaillierten Lesebericht (»Goodreadsreport«). Laut Amazon können Autoren abfragen, ob ihre Leser das E-Book überhaupt zuende gelesen haben und wenn nicht, an welcher Seite die Lektüre abgebrochen wurde [7]. Ein neuer Algorithmus setzt diese Daten in Relation mit den Goodreads-Bewertungen.

»Autoren haben ab sofort gezielter die Möglichkeit, ihre Bücher an den Publikumsgeschmack anzupassen und zu verbessern. Dadurch steigern sich die Verkaufschancen enorm«, schreibt Amazon. Untersuchungen hätten ergeben, dass auf diese Weise optimierte E-Books bis zu dreimal mehr Käufer finden.

Die Konsequenz: Amazon kürzt die Autorenhonorare von bislang 70% auf 40%. Der US-Konzern behält nun den Großteil der Einnahmen. Nicht von den Kürzungen betroffen ist der Preisbereich, in dem Autoren auch bislang bereits nur 35% der Einnahmen erhielten [6].

Diese Nachricht wird für die Autoren jedoch positiv verpackt: Die gesteigerten Einnahmen durch die Optimierung der Leseerfahrung (»reading experience«) führe unter dem Strich trotz Tantiemenkürzung zu Mehreinnahmen, davon ist Amazon überzeugt.

Deutsche Autoren bislang noch nicht betroffen

Da sich die Goodreads-Daten schwerpunktmäßig auf den US-Markt beziehen, betrifft die Änderung bislang nur US-Autoren, da die erweiterte Lesedatenanalyse für nicht-englische Bücher derzeit kaum verfügbar ist.

Durch die Goodreads-Übernahme wird jedoch auch die Internationalisierung des Bewertungsportals vorangetrieben. Es wird also nur eine Frage der Zeit sein, bis auch deutsche Selfpublisher eine Tantiemenkürzung um 30 Prozentpunkte hinnehmen müssen.

In den deutschsprachigen KDP-Foren wird die Entscheidung heftig diskutiert [9]. Viele Autoren kündigen an, ihre Bücher von der Amazon-Plattform zu nehmen, wenn es auch hierzulande zu Tantiemenkürzungen kommt. »Ich lasse mir doch von Amazon nicht diktieren, was ich in meinem Buch schreibe!«, meint eine erboste Autorin. Eine andere hält dagegen: »Wenn ich durch die erweiterten Daten meine Leser besser kennenlerne, dann finde ich die Abstriche bei der Kohle ok«.

Aufgrund des Osterfeiertages, war bei Amazon Deutschland heute niemand für eine Stellungsnahme erreichbar.

Nachtrag und Auflösung: April! April!

Die erweiterten Datendienste und das verminderte Autorenhonorar waren natürlich unser Aprilscherz 2013. Wie in den Jahren zuvor [10], haben wir wert auf ein realistisches Szenario gelegt.

Denn kein Scherz ist die erwähnte Übernahme des größten us-amerikanischen Buchbewertungsportals Goodreads durch Amazon kurz vor Ostern. Der (echten!) Pressemeldung zur Übernahme [11] ist zu entnehmen, dass Amazon die Buchbewertungs- und Buchdiskussionsplattform enger mit dem System Kindle verknüpfen will. Möglich wäre ein direkter Austausch mit anderen Lesern bei der Lektüre auf dem Gerät. Bislang zeigt Amazon lediglich, wenn eine gewisse Anzahl von Lesern eine Textpassage markiert hat und über kindle.amazon.com [12] kann man seine E-Books öffentlich machen. Mithilfe von Goodreads wären beispielsweise digitale Lesekreise denkbar.

Dass Amazon durch die Übernahme des Bewertungsportals Zensur ausüben will, ist weniger wahrscheinlich. In erster Linie geht es sicherlich auch darum, die Goodreads-Nutzer direkt zum Amazon-Bestelllink zu führen.

Kein Scherz ist auch, dass Amazon sehr gut weiß, wer welches E-Book in welcher Zeit liest, wer die Lektüre beendet und wer an welcher Seite abgebrochen hat. Ist das Gerät ans WLAN oder Mobilfunknetz angeschlossen, werden die aktuelle Lektüre und die Leseposition stets an Amazon übermittelt.

Amazon hat Daten, die viele Verlage und Autoren gerne hätten

Amazon hat also Daten, die sicherlich viele Verlage und Autoren gerne hätten. Dass diese dazu dienen können, die »Leseerfahrung« zu optimieren und beispielsweise eine Liebesgeschichte nochmals anzupassen, nachdem viele Leserinnen an der Stelle ausstiegen, an der eine beliebte Nebenfigur starb, ist durchaus denkbar. Denkbar ist auch, dass Amazon diese Daten zum Leseverhalten irgendwann Verlagen und Autoren als Serviceleistung gegen Geld anbieten könnte.

Die direkte Reduzierung des Autorenhonorars wie in unserem Aprilscherz wäre sicherlich zu plump. Dennoch würden ohne Frage viele Verlage und Autoren dafür zahlen, wenn sie erfahren, wie viele Leser ein E-Book nach dem Kauf wirklich gelesen haben und ob die Lektüre vollständig abgeschlossen wurde.

Unabhängig von diesen möglichen »Datendiensten« sollte unser »Scherz« auch deutlich machen, dass die derzeitigen 70%-Autorenhonorar nicht das Ergebnis einer Verhandlung sind, sondern eine mehr oder weniger willkürliche Festlegung von Amazon, die jederzeit geändert werden könnte – wie auch immer dies begründet wird und mit welchen Veränderungen dies verbunden sein könnte.

Die zum Teil deutlichen Reaktionen auf unseren Scherz zeigen, dass er durchaus gelungen, aber tatsächlich nicht witzig ist. Dazu erscheint das Szenario zu real.