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Nach Elke Heidenreich jetzt auch Börsenblatt des Deutschen Buchhandels von Zuschussverlag instrumentalisiert [Nachtrag]

Bericht auf boersenblatt.netDie kurze Meldung, die das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels am vergangene Freitag in seiner Online-Ausgabe boersenblatt.net in der Rubrik »Hintergrund Recht & Gesetz« verbreitet, klingt edel und gutmütig. Dort ist zu lesen [1]:

»Nachdem bekannt wurde, dass die ‘FAZ’ die Rechte an Texten von Elke Heidenreich gegen Ihren Willen veräußert hat, hat sich die Deutsche Literaturgesellschaft dazu entschlossen, das Buch “Bücher könnte ich lassen, Oper nie!” freiwillig vom Markt zu nehmen.«

Das klingt wahrlich nobel von dieser Deutschen Literaturgesellschaft. Dort arbeiten offenbar noch Menschen mit Anstand. Allen voran deren Geschäfsführer Jörgen Ellenrieder, der laut Börsenblatt verkündet: »Es ist nicht in unserem Interesse, gegen den Willen unserer Autoren zu publizieren. Wir konnten nicht davon ausgehen, dass die ‘FAZ’ ohne Rücksprache mit Elke Heidenreich und gegen ihren Willen die Rechte an uns vermittelt hat.«

Mit dem Satz »Die Rechte wurden von der ‘FAZ’ lizenziert, wie Verlagsrechte aller großen Verlage weltweit üblicherweise gehandelt werden« endet die kurze Meldung des Börsenblattes. Quelle des Textfragmentes: Die Pressemitteilung der Deutschen Literaturgesellschaft, deren Anfang das Börsenblatt ohne jeglichen journalistischen Ehrgeiz 1:1 übernommen hat und das so den wahren Hintergrund der Deutschen Literaturgesellschaft verschweigt.

Nach Elke Heidenreich ist nun also auch das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels ein Opfer der »Werbemaßnahmen« eines Zuschussverlages geworden.

Die Pressemitteilung, die die Deutsche Literaturgesellschaft über den nicht ganz billigen Bezahldienst »news aktuell« der dpa verbreiten lässt [2], geht indes noch weiter und nimmt einen deutlichen Trauerton an. Oder sollte man in diesem Zusammenhang besser von einer Opernschmonzette reden?

Dort heißt es nämlich: »Gerade weil es so ein schönes Buch über die Liebe zur Oper geworden ist, sind wir natürlich traurig, dass mehr über die Form als über den Inhalt gesprochen wird.«

Und in der Selbstdarstellung der Deutschen Literaturgesellschaft am Ende der Meldung liest man: »Die Deutsche Literaturgesellschaft veröffentlicht Bücher bekannter und neuer Schriftsteller. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Förderung noch unbekannter Autoren.«

Da ist, so dürfte es der unbedarfte Leser heraushören, einer engagierten Gesellschaft von der FAZ ein übler Streich gespielt worden, und nur wegen irgendwelcher kleinkrämerischen juristischen Spitzfindigkeiten ist die Welt um ein Kleinod der Literatur ärmer geworden.

Man möchte in die Tauentzienstraße 9-11 nach Berlin fahren, wo die Deutsche Literaturgesellschaft ihren Sitz hat und Herrn Ellenrieder unter Tränen für so viel nobles Gutmenschentum danken.

Freilich wird man ihn dort aber wahrscheinlich eher nicht antreffen. Selbst telefonisch war es der literaturcafe.de-Redaktion nicht möglich, ihn dort zu erreichen. Ob es daran liegen mag, dass praktisch jedermann sich die wohlklingende Adresse im Berliner Europa-Center von der Firma Dussmann-Office kaufen kann [3], um so etwas Ähnliches wie eine Briefkastenfirma zu betreiben? Dussman selbst nennt es »virtuelles Büro [4]«.

Und auch von den folgenden Dingen ist weder in der Pressemitteilung der Deutschen Literaturgesellschaft noch im Artikel des Börsenblattes zu lesen:

Es versteht sich von selbst, dass die Deutsche Literaturgesellschaft all diese Punkte in ihrer Pressemeldung verschweigt. Allerdings hätte man beim Börsenblatt-Bericht gerne einige davon gelesen, um die Pressemeldung und die Deutsche Literaturgesellschaft deutlich in ein anderes Licht zu rücken. Durch die unbearbeitete Übernahme des Pressetextes muss sich das Börsenblatt so jedoch den Vorwurf gefallen lassen, dass es sich durch die journalistische Nachlässigkeit unbeabsichtigt von der Deutschen Literaturgesellschaft zu Werbezwecken missbrauchen lassen kann, da potenziellen »Kunden« der Gesellschaft die wahren Hintergründe nicht bekannt werden. Im Gegenteil: Die Deutsche Literaturgesellschaft könnte sogar problemlos und werbewirksam in einer Presseschau auf den Börsenblatt Artikel verweisen, da nach der Lektüre niemand etwas Böses ahnen würde.

Es bleibt zu hoffen, dass eine baldige Ergänzung oder Richtigstellung im Börsenblatt erfolgt.

Außerdem ist festzustellen, dass durch den Missbrauch von Elke Heidenreich und Marcel Reich-Ranicki – dank dem legalen Erwerb von Abdruckrechten und der erfolgten Uminterpretation per »news aktuell«-Pressemeldung – die Werbung der Zuschussverlage um Autoren und deren »Zuschüsse« in neue Dimensionen vorgestoßen ist. Es sind Mittel und Wege, die man als dreist und unverfroren bezeichnen könnte, die jedoch – und auch das muss nüchtern festhalten werden – gerade in ihrer Dreistigkeit unglaublich clever und raffiniert sind.

Nachtrag vom 13. Juli 2009:
Das Börsenblatt hat den Artikel leicht abgeändert und berichtet nun [1], dass die Deutsche Literaturgesellschaft in dieser Sache abgemahnt worden sei. Seit den Mittagsstunden des heutigen Tages sind nun auch die Bilder von Frau Heidenreich von der Website der Deutschen Literaturgesellschaft verschwunden und sie taucht nicht mehr in der Liste der Autoren auf. Bei Amazon ist der Titel noch gelistet [18], aber als mittlerweile nicht mehr lieferbar gekennzeichnet.