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Beitrag vom 8. Juli 2015 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Literaturblogger: Büchner-Preis für Rainald Goetz

Rainald Goetz 2013 bei seiner Dankesrede zum Schillerpreis in Stuttgart

Rainald Goetz 2013 bei seiner Dankesrede zum Schillerpreis in Stuttgart (Foto: Tischer)

»Haben Sie von dem schon mal was gelesen?«, fragte die eine schwäbische Besucherin die andere, als Rainald Goetz im November 2013 in Stuttgart aus den Händen von Winfried Kretschmann den Schiller-Gedächtnispreis erhielt.

Keine der beiden hatte, aber man wollte. Doch spätestens jetzt sollten sie, denn Rainald Goetz erhält 2015 auch den Georg-Büchner-Preis.

Und der galt ja in den letzten Jahren immer mehr als Preis für alte Männer – Sibylle Lewitscharoff eingeschlossen. Dabei ist Georg Büchner selbst nur 23 geworden.

Jetzt bekommt den Preis also einer verliehen, der oft in Turnschuhen unterwegs war, der als Autor beschrieben wird, der die Gegenwartskultur eingefangen habe, der unter anderem in und über Technoclubs schrieb und las.

Goetz hat das Internet literaturfähig gemacht

Der junge Rainald Goetz also. Ein Literaturblogger, der Ende der 1998 mit »Abfall für alle« Texte in dieses Internet schrieb, als es noch gar keine Blogs gab. Schon damals ein großartiger Titel, der all das Absondern von Text weniger ernst nahm als mancher Facebook-Nutzer heutzutage. Es muss halt raus. Doch bei Goetz war es Literatur. Oder doch Klatsch und Tratsch? Oft beides. Rainald Goetz habe das Internet literaturfähig gemacht, hieß es 2013 in der Stuttgarter Laudatio.

Rainald Goetz ist drahtig, ist hibbelig, wirkt oft wie unter Strom oder Drogen. Goetz, der als Quasi-Referenz gilt, wenn wieder einmal in diesem Jahr beim Bachmannpreis darüber diskutiert wird, welche Rolle die Performance spiele.

Husch - und schon vorbei: Rainald Goetz

Husch – und schon vorbei: Rainald Goetz

Es war befremdlich, ein wenig mutig – aber gut, dass Rainald Goetz 2013 den Schiller-Gedächtnispreis erhielt. Es ist großartig und fast schon weniger befremdlich, dass er 2015 den Büchner-Preis erhält.

Der junge Mann mit den Turnschuhen – der auch schon 61 geworden ist.

Herzlichen Glückwunsch!

Wolfgang Tischer

Rainald Goetz: Abfall für alle: Roman eines Jahres (suhrkamp taschenbuch). Taschenbuch. 2003. Suhrkamp Verlag. ISBN/EAN: 9783518455425. EUR 19,50 » Bestellen bei Amazon.de

1 Kommentar zu diesem Beitrag lesen

  1. Eva Jancak schrieb am 9. Juli 2015 um 10:39 Uhr

    Ja, das Surhkamp-Bändchen “Abfall für Alle” aus dem Jahr 1999, habe ich mir einmal um einen Euro gekauft und das werde, habe ich vor, jetzt lesen, aber auf meiner Leseliste steht ja noch Jürgen Beckers “Aus der Geschichte der Trennungen” und der war der Preisträger vom Vorjahr, sowie Sibylle Lewitscharoffs “Blumenberg” und noch einiges andere.
    Ich habe mich auch schon gefragt, wer das heuer gewinnen wird und natürlich werden die Rebellen und Selbstverletzer von früher, älter, gesetzter bekommen die großen Preise, manche wahrscheinlich nur und tragen Anzüge. Alles gute kann ich aber auch wünschen und das Lesen empfehlen, denn daß man von ihm das noch nicht hat, das habe ich seit gestern schon öfter gehört.

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