Literaturagentur von Werneke: seriös oder nicht?

Gesucht wird der Literaturagent Friedr. Wilh. von Werneke. Der Mann mit den abgekürzten Vornamen betreibt scheinbar eine Literaturagentur in Berlin, und es existieren nachweislich eMails, die seinen Namen tragen. Es gibt sogar eine Homepage, auf der er um Autoren wirbt. Nur: das Büro in Berlin entpuppt sich bei näherem Hinsehen lediglich als gemieteter Briefkasten und fragt man bei einigen kleineren und größeren Verlagen nach, so ist dort ein Literaturagent mit Namen Werneke nicht bekannt.

Tatsächlich häufen sich in unserer Redaktion in letzter Zeit die Nachfragen besorgter Autoren nach der Seriosität der Literaturagentur Friedr. Wilh. von Werneke. Erst unlängst hatten wir eine Liste mit möglichen Kennzeichen unseriöser Agenturen veröffentlicht, und die adelige Berliner Agentur scheint diese Negativpunkte fast vollständig zu erfüllen. Freilich: diese Kennzeichen müssen nicht automatisch auf unseriöse Literaturagenten schließen lassen, allerdings ist erhöhte Vorsicht geboten!

Doch im Falle Werneke sind es nicht nur diese Negativpunkte, sondern eine ganze Reihe weiterer Indizien, die darauf schließen lassen, dass es dem Adelsmann lediglich darum geht, indirekt Geld von Autoren abzukassieren und man daher mit Herrn von Werneke – so er überhaupt existiert – besser keinen Kontakt aufnehmen sollte.

In der Tat sind die Parallelen zum Fall »Lindbergh & Well« bzw. Rodja Smolny mehr als deutlich. Ein kritischer Bericht des NDR beendete im Herbst 2007 die dubiosen Aktivitäten der deutschen Niederlassung der angeblich aus Schweden stammenden Literaturagentur (siehe auch weiterführende Links am Ende des Artikels).

Auch Werneke gibt zunächst vor, im Sinne der Autoren fair und kostenfrei zu vermitteln. Doch in allen uns bekannt gewordenen Fällen versucht er, den Interessenten vor der Vermittlung eine Lektorierung des Manuskripts auf Kosten des Autors als unabdingbar und branchenüblich zu verkaufen – interessanterweise beim gleichen Dienstleister wie seinerzeit der Literaturagent Rodja Smolny von Lindbergh & Well. Weigert sich ein Autor für diese Dienste zu zahlen oder hält er sie für überflüssig, so wird Werneke gerne mal pampig und wirft dem Autor Unprofessionalität vor. In der Regel geht es hier um den nicht geringen Betrag von knapp 4.000 Euro.

Eine ganze Reihe weiterer Indizien sprechen dafür, dass die Gemeinsamkeiten mit »Lindbergh & Well« alles andere als Zufall sind. So wird beispielsweise auch der Web-Auftritt Wernekes in Dänemark gehostet, und zur Pflege der Seiten wird das gleich System wie seinerzeit bei Lindbergh & Well eingesetzt.

Ansonsten bleibt Friedr. Wilh. von Werneke ein Phantom. Auf der Website der Agentur findet sich weder ein Foto des Inhabers, noch seine Vita und erst recht keine Referenzen. Eine Google-Suche liefert nur offenbar von der Agentur selbst erstellte Pressemitteilungen, in denen sich Werneke quasi selbst interviewt und seine Erfolge preist. Auch Rodja Smolny bewarb sich seinerzeit auf die gleiche Weise selbst.

Hinweise zur Literaturagentur von Werneke gesucht

Sollten Sie bereits Kontakt zur Literaturagentur Friedr. Wilh. von Werneke aufgenommen haben oder womöglich sogar einen Vertrag mit ihm unterzeichnet haben, so freuen wir uns über Ihre sachdienlichen Hinweise, die natürlich vertraulich behandelt werden. Schicken Sie uns einfach eine Mail an redaktion(at)literaturcafe.de.

Selbstverständlich wären wir erleichtert, wenn alle Belege und Indizien nur fälschlicherweise in die Richtung »Bauernfägerei« zeigen würden und wir demnächst Entwarnung geben und Herrn Werneke in höchsten Tönen loben könnten.

Allein uns fehlt der Glaube.