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Beitrag vom 6. Mai 2017 | Rubrik: Literarisches Leben

Literarisches Quartett mit Peymann: Betongesichter im Publikum

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Claus Peymann erzählt ein Buch (Foto: ZDF)

Claus Peymann erzählt ein Buch (Foto: ZDF)

Versteinerte Mienen. Reglos rumsitzende Menschen. Entsetzen und Fassungslosigkeit in den Gesichtern. Das Publikum des Literarischen Quartetts sah aus, als hätte es gerade die unmittelbar davor laufende Sendung »Sketch History« durchleiden müssen.

Statt Buchdiskussionen folgte dann »ZDF History«, denn ein alter Mann erzählte von früher. Claus Peymann war zu Gast im eigenen Foyer.

Bereits am Dienstag wurde das Literarische Quartett wie immer im Vorraum des Berliner Ensembles aufgezeichnet. Bis zum Sommer 2017 ist dort noch Claus Peymann der Chef, der dann kurz nach seinem 80. Geburtstag abtreten wird. Peymann war also diesmal der Gast in der Runde, die wiederum zu Gast in seinem Theater war.

Es war zudem die Sendung 2 nach Biller. Thea Dorn beginnt immer mehr, die Gesprächsführung und -zeit an sich zu reißen. Leider ließ sie das ein klein wenig wie die Streberin aus der ersten Reihe wirken, die sich wohlwollend mit dem alten Lehrer aka Peymann battlet, während die anderen gelangweilt rumsitzen. Vom eigentlichen Gesprächsleiter Volker Weidermann war wenig zu hören, jedoch schien er die eigene Redezeit freiwillig zu begrenzen, um die Sendezeit einhalten zu können.

Peymann wirkte wie der Opa auf der Familienfeier, der erzählt, was er früher so alles gemacht hat und was für ein toller Hecht er doch war. Viel »Ich Ich Ich Ich« war da zu hören. Als Weidermann sinngemäß sagte, dass man aus jedem Buch schlechte Sätze rausziehen könne und das eine unfaire Methode der Kritik sei, wiederholte Peymann dies kurz darauf, als wäre es ihm gerade selbst eingefallen. Aber so ist Opi halt, er kann nicht mehr so richtig zuhören, sondern hört sich lieber selbst reden. Tatsächlich wollte Peymann dann auch noch mal grundsätzlich geklärt haben, welche Rolle die deutsche Literatur denn gerade spielt, so als säße man im Deutsch Leistungskurs.

Lohnt es sich, etwas über die Buchdiskussion zu schreiben? Eigentlich nicht. Die Diskussion über Tony Morrision hat man vor kurzem im Schweizer Literaturclub schon besser gehört. Peymann hat den Atwood-Titel nur gewählt, um ihn als Überleitung für seine Erzählung über die eigenen Inszenierungskünste zu nutzen, und merkte gar nicht, wie er fast die ganze Handlung des Buches preisgab. Aber das ist ja auch egal, wenn man erzählen kann, was man doch im Grunde genommen selbst für ein toller Hund ist.

Über Christoph Hein wurde etwas von oben herab geurteilt. Peymann erwähnte, dass er auch schon mal etwas von ihm inszeniert habe, und dann war da noch das Buch von Frau Westermann.

Wie Weidermann hatte sie in dieser Sendung nicht viel gesagt oder zu sagen. Christine Westermann hatte sich offenbar wieder was fürs Herz rausgesucht. Warum? Hatte sie gedacht, nachdem es für sie beim letzten Mal ohne Biller ganz gut lief, könne sie wieder mal einen Titel vorstellen, für den man sie im ZDF-Morgenmagazin gelobt hätte, weil sie die Herzen bestimmter Leserinnen höher schlagen lässt? Coelhohafte Sätze bescheinigte Weidermann, und auch Dorn fand die Dichte der Kalendersprüche in diesem Werk sehr hoch.

Und dann war die Sendung irgendwie auch schon wieder rum, und die Weidermannsche Zurückhaltung irritierte, so als würde das ZDF demnächst verkünden, dass er aussteige, um sich wieder mehr seinen redaktionellen Tätigkeiten beim SPIEGEL zu widmen, und seine Nachfolgerin würde Thea Dorn, die dann zur nächsten Sendung Martin Walser als Gast einlädt.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 05.05.2017 besprochenen Bücher:

3 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Lynkeus schrieb am 6. Mai 2017 um 14:19 Uhr

    Mit ihren Fragen an Frau Dorn, was “introspektiv” sei bzw. “Figurenprosa” hat sich m.E. auch Frau Weidermann endgültig für eine literarische Diskussionsrunde disqualifiziert. Man muss diese Begriffe nicht mal ad hoc übersetzen können, aber schon der Kontext machte die Bedeutung eigentlich klar.
    Schier unerträglich war auch Peymanns Bemerkung zum letzten Buch, er habe, nachdem er feststellte, dass die Handlungsstränge miteinander verbunden seien, gleich den Autor mal angerufen. Schön, wenn man sich wichtig ist. Mit Literatur hatte diese Sendung gestern aber nichts zu tun. Jede andere (“Druckfrisch”, “Literaturclub”, “Lesenswert”) ist besser.

  2. Zauberfee schrieb am 6. Mai 2017 um 18:46 Uhr

    Hey

    Literatur kann so schön sein, aber in so einem langweiligen Format ist das leider nicht prickelnd. Gut, dass das literaturcafe viel besser ist

    Zauberfee

  3. jörg franke schrieb am 19. Juni 2017 um 22:04 Uhr

    Ich hab Frau Westermann nur ertragen,weil ich mich auf die promte “Bestrafung” vom kleinen gerechten Teufel, Maxim Biller , gefreut habe…
    Seit M.B. nicht mehr dabei ist und der Rest des Teams in eine gewisse Duldungsbereitschaft verfällt,hat die Sendung etwas unangenehm Blockierendes…

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