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Beitrag vom 10. Mai 2015 | Rubrik: E-Books

Literarischer Spieletipp »Lifeline«: Notruf aus dem All

Lifeline iPhone App

Manche Ideen sind nicht neu – aber gut in die Neuzeit gebracht. Die kleine Spieleschmeide 3 Minute Games kombiniert das gute alte Textadventure der 1980er-Jahre mit Tamagotchi und Mobiltelefon. Eine weitere wichtige Zutat: die Zeit.

Und plötzlich erhält man auf seinem Smartphone Nachrichten von Taylor. Er (oder sie?) ist bei einer Weltraummission auf einem fernen Planeten abgestürzt. Die einzige Verbindung zur Erde besteht zu Ihrem Mobiltelefon! Und so blickt man auf sein Smartphone und wartet ungeduldig auf Nachrichten von Tayler. Kann man ihr oder ihm helfen zu überleben?

Textadventures entstanden in den 1970ern und erlebten in den 1980ern auf Commodore 64 und Co. ihre Hoch-Zeit, als die grafischen Möglichkeiten der Computer begrenzt waren. Die Spielumgebung konnte man nur im eigenen Kopf sehen, denn sie wurde lediglich mit Worten beschrieben. Genauso konnte man nur mit Textbefehlen antworten, ob man an der Weggabelung im verwunschenen Tal rechts oder links weiter marschieren, ob man mit den Trollen kämpfen oder lieber davonrennen möchte.

Im Grunde genommen waren Textadventures interaktive Bücher. Der Spieler musste lesen, aber er konnte mit dieser beschriebenen Welt interagieren.

Ähnlich simpel ist die Spieloberfläche von »Lifeline« aufgebaut. Man erhält kurze Textnachrichten und kann darauf unterschiedlich reagieren. Im Prinzip muss man dazu die Software gar nicht aufrufen, sondern kann direkt im Sperrbildschirm des Handys antworten bzw. spielen. Sogar die neue Apple Watch wird unterstützt, die Taylors Nachrichten auch am Handgelenk anzeigt.

Lifeline jetzt auch auf Deutsch

Denn das ist die erste der Besonderheiten: Nicht der Spieler handelt und ist in einer fernen Welt, sondern Taylor. Das Forschungsraumschiff, in dem Taylor studentischer Labormitarbeiter war, ist auf einem fernen Planeten abgestürzt. Taylor, der (oder die?) auf einen solchen Notfall nicht vorbereitet war, beschreibt dem Spieler die Situation und bittet um Hilfe bei Entscheidungen. So entsteht die Illusion, dass man tatsächlich mit Taylor kommuniziert.

Verstärkt wird diese durch den zweiten Kunstgriff: die Echtzeit. Wenn man Taylor empfiehlt, am besten zu den rauchenden und weit entfernt liegenden Wrackteilen des Raumschiffs zu laufen, dann macht er (oder sie?) sich auf den Weg – und man hört eine gute Stunde lang nichts, bis Taylor schließlich angekommen ist und die Situation vor Ort beschreibt. Empfiehlt man Taylor einen Schlafplatz (besser am noch warmen, aber atomar verstrahlten Raketenantrieb oder besser unverstrahlt in der Kälte?), so wünscht Taylor eine gute Nacht. Stundenlang hört man nun nichts, man blickt auf das Mobiltelefon und wartet auf ein Lebenszeichen. Hoffentlich war die Empfehlung richtig und Taylor erwacht gesund aus dem Schlaf.

Video: Der Beginn von Lifeline vorgestellt

Vorschaubild

Vorgestellt: Lifeline – Textadventure für iOS und Android

Die Spielewelt von »Lifeline« ist nicht sehr komplex. Die Möglichkeiten der Interaktion sind sehr einfach. Sofern man Tylor nicht einen falschen Ratschlag gibt, begleitete man ihn (oder sie?) für etwa drei Tage. Und dennoch begeistert einen diese Spielidee, denn man kann sich der Illusion hingeben, dass man dort draußen im unendlichen Weltall einem gestrandeten Astronauten hilft und dass man wissen will, ob es ihm (oder ihr?) noch gut geht.

Man darf gespannt sein, ob es Nachfolger oder Nachahmer geben wird, die dann vielleicht mit komplexeren Strukturen und Interaktionen aufwarten.

Bis dahin warten wir auf neue Nachrichten von Taylor.

Wolfgang Tischer

Hinweis: Lifeline ist seit dem 17. Juni 2015 auch auf Deutsch verfügbar.

Lifeline...
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Preis: 1,99 €
Lifeline
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Entwickler: 3 Minute Games
Preis: 1,99 €+

3 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Brad Roderick schrieb am 4. Juni 2015 um 21:17 Uhr

    Sehr interessant, würde ähnliche Konzepte gerne auch am PC sehen. Werde vielleicht selbst mal was in die Richtung entwickeln.

  2. Akira Tsubaki schrieb am 27. Oktober 2015 um 16:08 Uhr

    Ich habe das Spiel schon etwas länger und es ist wirklich sehr interessant. Ab und zu, mehrere Wochen, sogar Monate, später, schau ich mal rein und versuche Taylor aus seiner Situation mit meinen Ratschlägen zu befreien. Jedoch ist dies mir immer noch nicht gelungen. Das Geld ist es wert, man konnte es auch kostenlos bei Amazon App Shop bekommen. Ich gleub bei Amazon Underground ist es immer noch kostenlos (actually free).
    Es ist spannend, mal was neues im AppShop, PlayStore, und ein toller Zeitvertreib.

  3. Taylor schrieb am 1. Februar 2016 um 20:22 Uhr

    Ich liebe dich Taylor <3

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