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»Lisa« von Thomas Glavinic: Webradio und Drogen für alle

Tom nimmt Drogen und betreibt ein Internet-Radio. Mit seinem Sohn hat er sich in einem einsamen Ferienhaus in den Bergen verschanzt. Tom ist überzeugt davon, dass ihn die brutale Serienmörderin Lisa umbringen will. Das Webradio ist sein einseitiger Kontakt zur Außenwelt.

»Lisa« ist ein irrer Radio-Monolog und der neue Roman von Thomas Glavinic, der sich erneut in die dunklen und gruseligen Randgebiete des Alltäglichen begibt.

literaturcafe.de hat Toms Webradio Wirklichkeit werden lassen. Man kann es auf der eigenen Website einbinden – mit einer markanten und bekannten Stimme, die Ihnen sehr bekannt sein dürfte.

»Internet muss selbst mitgebracht werden«

Der Österreicher Thomas Glavinic [1] ist der wandlungsfähigste deutschsprachige Autor. Ständig versucht er, sich und seine Leser mit Neuem zu überraschen. In »Das bin doch ich [2]« beschriebt er mit viel Selbstironie das Leben eines Autors, der zufällig Thomas Glavinic heißt. Das Buch war 2009 auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis. In seinem letzten Roman »Das Leben der Wünsche [3]« entgleitet der Hauptperson das eigene Leben nach einer denkwürdigen Begegnung mit einem Unbekannten, und in »Die Arbeit der Nacht« wacht Jonas eines morgen auf, um festzustellen, dass er der einzig verbliebene Mensch auf der Welt ist.

Lisa von Thomas GlavinicJetzt also Tom. Zumindest gibt sich die Hauptfigur selbst diesen Namen. Seinen wirklichen Namen und seinen Aufenthaltsort darf er nicht verraten. Nur so viel ist klar: Tom hat sich in ein Ferienhaus in den Bergen zurückgezogen, in dem »Internet selbst mitzubringen ist«.

Tom fürchtet um sein Leben. Die Serienmörderin Lisa, die in ganz Europa grausame Verbrechen begangen hat, ist hinter ihm her.

Tom spricht von seinem Sohn, der mit ihm im Haus ist. Tom erzählt den Hörerinnen und Hörern auch von seiner Frau, die aber offenbar nicht bei ihm ist. Hinzu kommen große Mengen an Alkohol und Kokain. Die Situation wird immer bedrohlicher und beklemmender. Was ist real? Was ist eingebildet? Und was redet Tom da alles?

Thomas Glavinic legt den Roman als einzigen Monolog des Webradio-Sprechers an. Tom wendet sich an seine Hörer, von denen er nicht weiß, wie viele es sind, und gleichzeitig an die Leser.

Die Handlung und »was bisher geschah« wird durch die Erzählungen und Rückblicke Toms deutlich. Er berichtet von seinem Leben im Ferienhaus und den eingebildeten oder realen Bedrohungen. Alles wird durch Toms Blick betrachtet, der durch den Drogenkonsum gelegentlich etwas eingetrübt ist. Eine beklemmende und gruselige Atmosphäre entsteht.

Dazwischen sind Betrachtungen und Kommentare zu allem Möglichen eingebaut, zu Fußballfans, Taxifahrern und Facebook. Und immer wieder schildert Tom die grausamen Verbrechen Lisas.

Eine bekanntere und markantere Stimme hätte Tom nicht bekommen können

Glavinic hat eine süchtig machende Mischung zusammengestellt. Zum einen möchte man wissen, wie’s weitergeht, obwohl einigen Lesern die Geschichte mit dem DNA-Phantom »Lisa« bekannt vorkommen dürfte. Gab es da im realen Leben nicht einen ähnlichen Fall in Heilbronn? [4]

Zum anderen amüsiert man sich über die oft verqueren Betrachtungen Toms über Menschen und Dinge. Oft möchte man ihm beipflichten, dann wiederum kann man nur den Kopf schütteln über manche krude These.

Und dann gibt es diese gruseligen Momente, in denen man zusammen mit Tom den Atem anhält und horcht, ob da nicht doch eine Mörderin ums Haus schleicht.

»Lisa« erscheint parallel als (gekürztes) Hörbuch. Gelesen wird es von »The Voice« Christian Brückner [6]. Eine bekanntere und markantere Stimme hätte Tom nicht bekommen können. Und natürlich ist es kein Hörbuch der klinisch-sauberen Sorte, denn das hätte nicht gepasst. Nur Text vorlesen ist hier nicht angesagt, das muss schon fast zum Hörspiel werden. Oft wünscht man sich beim Hören mehr Pausen, um Toms Gedanken folgen zu können.

Der Hanser Verlag hat uns gefragt, was man zu »Lisa« auf der Website thomas-glavinic.de [7] machen könnte. Der Agentur-Bereich des literaturcafe.de betreut die offizielle Websites des Autors für den Hanser Verlag schon seit Jahren.

Die Antwort lag auf der Hand: Wir machen ein Webradio! Wir erfinden nichts hinzu, sondern bauen auf dem auf, was da ist: Wir nehmen Glavinic’ Text, Brückners Stimme und das Design des Covers. Kleiner Bonus: Jede und jeder soll die Möglichkeit haben, den Radio-Player auf der eigenen Website oder im Blog einzubinden.

Und für einen kurzen Moment schaffen wir die Illusion, als gäbe es Toms Radiosender wirklich. Denn wer auf den Player klickt, der landet auf einer Website [8], die den Charme des Selbstgebastelten ausströmen soll, bevor klar wird, dass es eine Website zum Buch ist.

Hanser Verlag stiftet Buchpakete für virtuelle Sendemasten

Echt oder nicht? Die Website zu "Toms Webradio" [8]

Echt oder nicht? Die Website zu “Toms Webradio”

In Zeiten von YouTube weiß jeder, wie man einen Player ins eigene Blog oder die eigene Website einbaut. Daher setzen wir beim Toms Webradio auf das gleiche Prinzip. Es gilt, lediglich einen kleinen Codeschnipsel einzubauen [9], und schon ist Toms Webradio auf der eigenen Site platziert und man kann seinerseits die eigenen Besucher etwas irritieren, was es denn mit »Webradio Lisa« auf sich hat. Für Glavinic-Fans ein Muss!

Um Toms Sendegebiet rascher zu vergrößern, stiftet der Hanser Verlag fünf Buchpakete im Wert von je 75 Euro [9]. Alle, die den Player eingebunden haben, können bei der Verlosung mitmachen, indem sie dem Hanser Verlag die URL ihrer Website mitteilen. Was genau zu tun ist und wie der Player eingebunden wird, ist auf thomas-glavinic.de genau erklärt [9].

So wird durch alle die Illusion vergrößert, dass Tom tatsächlich irgendwo dort oben in den Bergen sitzt, in sein Mikrofon mit Wackelkontakt spricht und hofft, dass Lisa ihn nicht findet. Doch warum hält dort mitten in der Nacht ein Auto vor dem Haus?

Links ins Web

Thomas Glavinic: Lisa: Roman. Gebundene Ausgabe. 2011. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG. ISBN/EAN: 9783446236363. EUR 17,90 » Bestellen bei Amazon.de [10]

Hinweis: Wie im Artikel erwähnt, hat der Agenturbereich des literaturcafe.de die Website des Autors Thomas Glavinic im Auftrag des Hanser Verlags gestaltet und die Webradio-Kampagne zu »Lisa« entworfen.