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Beitrag vom 22. November 2014 | Rubrik: Leipziger Buchmesse 2015, Self-Publishing

Leipziger Buchmesse: Eigene Stände für Autoren [Nachtrag]

autoren@leipzig

Die Leipziger Buchmesse wertet im kommenden Jahr 2015 den Bereich autoren@leipzig in Halle 5 weiter auf. Erstmals können sich Self-Publisher und Selbstverleger günstig ein komplett bestücktes Standmodul mieten und ihre Bücher präsentieren. Dieses Standmodul wiederum ist Teil eines Autoren-Gemeinschaftsstandes. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Bücher gedruckt oder nur als E-Book erschienen sind.

Wir analysieren, welche Fallstricke und Bedingungen Sie beachten sollten und geben Tipps für potenzielle Aussteller.

Am Ende geht es um die Frage: Lohnt sich solch ein Messestand?

Die erste Hürde ist natürlich der Preis: 390,20 Euro verlangt die Buchmesse. Wer nur als Hobby schreibt und die Mehrwertsteuer nicht absetzen kann, für den kommen noch 74,14 an Steuern hinzu und der Gesamtpreis beträgt in diesem Fall inklusive Steuern 464,35 Euro.

Beispiel eines Autorenstands auf der Leipziger Buchmesse 2015

Beispiel eines Autorenstands auf der Leipziger Buchmesse 2015

Dafür gibt es aber ein komplett bestücktes Standmodul, das 2 mal 1 Meter misst, also 2 Quadratmeter groß ist. Beleuchtung, Buchträger und ein kleines Podest mit nicht abschließbarem Stauraum ist vorhanden. Im Prinzip muss man also nur erscheinen, seine Bücher positionieren, und man ist auf der Messe als Aussteller präsent. Vorne oben wird das Standmodul mit maximal 25 Buchstaben beschriftet – idealerweise mit dem Namen der Autorin oder des Autoren. Das Standmodul selbst ist wiederum Bestandteil eines größeren Autoren-Gemeinschaftsstandes. Damit dieser zustande kommt, muss sich eine Mindestanzahl an Autorinnen und Autoren anmelden. Wie hoch dieser Mindestzahl ist, darüber gibt es keine Infos.

Umgekehrt ist die Zahl der maximalen Standmodule begrenzt und der Anmeldeschluss ist bereits am 30. November 2014!

Die Messe verlangt zudem, dass während der gesamten Buchmesse (12. bis 15. März 2015) eine Betreuung des Standes gewährleistet sein muss. Es sollte also immer jemand da sein, der zu Buch und Autor Auskunft geben kann und die Bücher regelmäßig wieder gerade rückt. Einen Ausstellerausweis gibt es zum Standpaket mit dazu.

Noch wichtiger sind jedoch die folgenden Einschränkungen:

  • Der Autor muss mindestens ein aktuelles Buch präsentieren, das im Zeitraum April 2014 bis März 2015 erschienen sein muss. Dieses Buch darf nicht in einem Verlag veröffentlicht sein, sofern es kein Eigenverlag ist. Somit scheiden Bücher aus Zuschussverlagen aus. Weitere am Stand präsentierte Titel dürfen durchaus auch älter oder bei einem Verlag erschienen sein. Und: Jeder Autor nur ein Stand.
  • Es ist egal, ob das Buch als E-Book oder gedruckt erhältlich ist, aber es muss eine ISBN besitzen oder im VLB eingetragen sein. Somit scheiden Autoren aus, die ihr Werk als E-Book bei Amazons KDP-Programm veröffentlicht haben. Wer sein Buch über Amazon CreateSpace druckt, erfüllt jedoch diese Bedingungen, da er von Amazon eine ISBN erhält.

Theoretisch könnte man sich auch als E-Book-Autor eine ISBN und einen VLB-Eintrag kaufen. Eine ISBN kostet für Einzelautoren derzeit (November 2014) 90,98 Euro (inkl. Mehrwertsteuer). Ein Eintrag im VLB kostet jährlich mindestens 94 Euro (inkl. Mehrwertsteuer). Wer also nur für die Messeteilnahme ISBN oder VLB-Eintrag erwirbt, für den wird die Präsenz immer teurer.

Für E-Book-Autoren, die ihre Werke günstiger ausstellen wollen, ist der Weg über einen Distributor oder Print-on-Demand-Dienstleister günstiger. So kann man zum Beispiel die Druckausgabe seines Werk bei BoD veröffentlichen. Für einmalig 19 Euro bekommt man dort als »BoD Classic« ISBN und VLB-Eintrag – und man hat eine gedruckte Ausgabe, die man tatsächlich am Stand zeigen kann. Von E-Book-Distributoren wie zum Beispiel Neobooks oder Bookrix erhält man ebenfalls eine ISBN.

Doch ein E-Book am Stand auszustellen, erfordert schon wesentlich mehr Kreativität. Man könnte Postkarten mit dem Cover erstellen und auf der Rückseite einen QR-Code anbringen. Jedoch werden QR-Codes so gut wie nie genutzt. Werbematerial am Stand zu verteilen, ist erlaubt. An anderen Orten auf dem Messegelände jedoch nicht.

Ebenfalls möglich und im Standpreis enthalten ist die Eintragung einer Veranstaltung im Rahmen von »Leipzig liest«. Allerdings muss man sich selbst um einen Veranstaltungsort und Veranstalter in der Messestadt kümmern, denn Lesungen am eigenen Messestand sind nicht zugelassen. [Nachtrag: Wie uns die Leipziger Messe mitteilt, wird es im Zentrum des Autorenstandes eine Lesebühne geben, die speziell für Self-Publisher reserviert ist. Dort können sich ausstellende Self-Publisher eine Lesezeit reservieren, sodass man sich nicht selbst um einen Leseort kümmern muss.]

Weitere Einzelheiten – die man sich genau durchlesen sollte – sind in einer PDF-Datei nachzulesen, die man zum Download auf der Messesite findet.

Fazit: Lohnt sich ein Messestand in Leipzig?

390,20 Euro (Nettopreis) für einen komplett ausgerüsteten Stand für vier Messetage ist ein günstiges Angebot.

Kommt man jedoch nicht aus Leipzig oder der Region, so solle man bedenken, dass noch weitere Kosten für Fahrt und Übernachtungen hinzukommen – sofern man aktuell überhaupt noch ein Hotel findet. Wer die Miete eines Standes erwägt, sollte auf jeden Fall alle Kosten mit einbeziehen – auch die für Werbematerial.

Es wäre jedoch reichlich naiv, würde man als Autor davon ausgehen, dass dieses Geld durch gesteigerte Buchverkäufe aufgrund der Messepräsenz wieder reinkommt. Bücher dürfen am Messestand ohnehin nicht verkauft werden bzw. nur am letzten Messetag ab 15 Uhr.

Doch darum geht es bei einer Messepräsenz auch gar nicht. Stattdessen gilt es, als Autorin oder Autor Präsenz zu zeigen. Bereits im Vorfeld sollte man die Werbetrommel rühren und mit kreativen Aktionen Leser und Fans an den Stand locken.

Zudem ist zu erwarten, dass das mediale Interesse an den Selbstverlegern weiterhin sehr groß sein wird. Mit etwas Glück landen Sie als Autor mit Stand vielleicht sogar vor einer Fernsehkamera.

Link ins Web:

Korrekturhinweis: In der ersten Version dieses Artikels war zu lesen, dass ISBN und VLB-Eintrag vorhanden sein müssen. Stattdessen muss wahlweise nur ein Kriterium erfüllt sein.

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