Buch
Tasse
Das Literatur-Café
Der literarische Treffpunkt im Internet - seit 1996
Beitrag vom 25. April 2008

Künstler fordern verstärkte Kriminalisierung von Fans und Kunden

Offener Brief an die BundeskanzlerinAnlässlich des morgigen Tags des Geistigen Eigentums fordern zahlreiche, zum Teil bekannte Musiker, Schriftsteller und Verleger, die Kriminalisierung ihrer Fans und Kunden von staatlicher Seite weiter voranzutreiben. In einer ganzseitigen Anzeige, die heute in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der tageszeitung erschienen ist, fordern sie von der Bundeskanzlerin indirekt eine Lockerung des staatlichen Gewaltmonopols und des Datenschutzes, um mithilfe privater Ermittler schneller die Nutzer von Tauschbörsen und illegaler Downloadsites juristisch zu verfolgen. Vorbild soll hier das französische Modell sein, bei dem Rechteinhaber die Nutzerdaten recht einfach durch die Provider erhalten können oder der Netzzugang zensiert wird.

In den Anzeigen wird zudem nicht zwischen gewerblichen und privaten Nutzern unterschieden, sodass die von staatlicher Seite bislang verneinte »Kriminalisierung der Schulhöfe« (Kulturstaatsminister Neumann) weiter vorangetrieben werden sollte.

Zu lange schauten Musikindustrie und Verleger dem Treiben auf den illegalen Tauschbörsen zu, ohne legale Alternativen anzubieten oder Preis- und Produktpolitik zu ändern. Erst innovative und zunächst brachenfremde Unternehmen wie Apple mussten der Verwertungsindustrie Alternativen aufzeigen.

Nur langsam scheinen Künstler und Rechteverwerter zu begreifen, wie das Internet ihre Branche verändert. Der Ruf nach härterer Strafverfolgung und Bestrafung drückt dennoch weiterhin deren Hilflosigkeit aus, denn diese Maßnahmen richten sich – trotz illegalem Treiben – in erster Linie gegen Fans und Kunden.

Dass dieser Ruf per Anzeige in gedruckten Tageszeitungen erschallt, die ebenfalls zu spät auf die Umwälzungen durch das Internet reagiert haben und reagieren, darf durchaus als weiteres Menetekel gewertet werden.

Lese- und Linktipp zum Thema:

Ähnliche Beiträge, die Sie interessieren könnten:

Link zu diesem Beitrag mit anderen teilen:
  • Facebook
  • Twitter
  • Posterous
  • MisterWong.DE
  • del.icio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • MySpace
  • StumbleUpon
  • Webnews.de
  • Yigg
  • LinkedIn
  • FriendFeed
  • PDF

Kommentare

  1. susanna schrieb:

    Ich hielt das ja erst einmal für einen verspäteten Aprilscherz…

  2. K R schrieb:

    der schäuble wird sich über diese arschlöcher bestimmt freuen. darum geht es ja im endeffekt: die kleinen scheißer dran zu kriegen. lockerung des datenschutzes, eine sauberer begriff.

  3. theiresias schrieb:

    Ich habe mir gerade die Mühe gemacht, die Liste der Unterzeichner durchzusehen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Enttäuschung und Ratlosigkeit. Ratlosigkeit: Ich kenne sehr viele dieser Stars und Sternchen nicht. Will sie ab heute auch nicht mehr kennen lernen. Enttäuschung: Von diversen Leuten auf dieser Liste hätte ich etwas mehr Verstand, Weitblick und Innovationswille erwartet. Außerdem haben diese Verdrehungs-Künstler mich beleidigt. Ich oder ein anderes Mitglied meiner Familie hat ihr geistiges Eigentum damals mit sauber verdientem Geld erstanden, von einem besitze ich sogar alle Musikproduktionen, die auf CompactDisc bis jetzt erschienen sind. Ich benutze aber auch Technologieen wie BitTorrent, um ein gänzlich freies Betriebssystem zu beziehen. Diese Technik, stellen die “Künstler” nun unter Generalverdacht. Noch schlimmer, sie stellen das Internet unter Generalverdacht.

  4. klaus schrieb:

    So richtig ist das alles nicht zu verstehen. Zwar ist klar, dass die Künstler Geld verdienen wollen und müssen, sie brauchen es zum leben wie jeder Mensch. Aber wenn das mitschneiden von Internet-Radiosendern legal ist darf man sich doch seine eigenen Musik-Zusammenstellungen machen. Wo ist der Unterschied zu Downloads? Niemand hat sich aufgeregt, wenn früher Tonbandmitschnitte gemacht wurden. Was ist neu, außer der Technik?
    Dazu kommt doch, dass höchsten 5% der aufgenommenen Musik gekauft würde. Die CD-Preise steigen, die Einkünfte sinken! In den 70er/80er Jahren, also zu Zeiten als gut verdient wurde, kostete eine LP 12-15 DM. Heute kostet eine CD 15-20 EUR, also etwa das 3fache. Und die Einkünfte? Oft geringer wie vor 30 Jahren!

  5. Achim schrieb:

    Fans fordern Lizenz zum Klauen

Links zu diesem Beitrag in Weblogs

  1. Tag des Urheberrechts Schutz der Künstler oder der Industrie? « LastGunmans Kurzgeschichten-Blog am 26. April 2008 um 10:44 Uhr

Schreiben Sie einen Kommentar zu diesem Beitrag

Ihre eMail-Adresse wird nicht mit dem Kommentar veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind gekennzeichnet mit *

*

*

*

*
Bitte geben Sie als Spamschutz die folgenden Ziffern unten in das Feld ein.
Klicken Sie auf den blauen Pfeil, falls Sie das aktuelle Bild nicht lesen können.

Anti-Spam-Bild

Empfehlen Sie diesen Beitrag weiter
  1. benötigt
  2. gültige eMail-Adresse
  3. benötigt
  4. gültige eMail-Adresse
  5. benötigt
  6. Captcha
 

cforms contact form by delicious:days