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Beitrag vom 27. März 2012 | Rubrik: Buchmesse-Podcast Leipzig 2012, Leipziger Buchmesse 2012, Podcast

Jürgen Reimer und Vito von Eichborn: »Abgeschriebene Wirklichkeiten sind langweilig« – Buchmesse-Podcast Leipzig 2012

Jürgen Reimer (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Jürgen Reimer (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

»Sie warfen Feuer auf die Stadt« lautet der Titel des Buches, in dem Jürgen Reimer die Erlebnisse seiner Kindheit während der Nazi-Diktatur verarbeitet hat. Gerade ältere Menschen wollen oftmals ihr Leben aufschreiben. Es entstehen sehr persönliche Bücher, die jedoch literarisch nicht weit tragen und außerhalb der eigenen Familie niemanden interessieren.

Nicht so bei Jürgen Reimers Buch, denn Vito von Eichborn hat das Werk in seine Edition aufgenommen, weil es für ihn deutlich aus der Masse der Kriegserinnerungen herausragt. Warum? Das erzählen der Autor und der Herausgeber in dieser Podcast-Folge.

»Ich hasse abgeschriebene Wirklichkeiten«, sagt der Mann, der seinerzeit den Eichborn Verlag mitgegründet hat. Wenn es ein Autor oder eine Autorin nicht schaffe, eine Überhöhung in die Geschichte hineinzubringen, dann lege er als Leser das Buch weg, dann sei er gelangweilt.

Jürgen Reimer erzählt, wie er den eigenen Erinnerungen begegnet und wie er sie mithilfe zweier Erzählebenen ungewöhnlich verschränkt hat. Denn es sei ein Problem, wenn man die eigene Geschichte für einen Roman verwende: man wisse, wie es weiterging. Daher müsse man für den Leser Spannung schaffen und nicht einfach das Geschehene linear heruntererzählen.

Den Autor selbst beschäftigt es noch heute, wie nah oft Leben und Tod beieinanderliegen und wie sehr es eine Frage von Glück und Zufall sei, auf welcher Seite man stehe.

Vito von Eichborn (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Vito von Eichborn (Foto: Birgit-Cathrin Duval)

Das verweist auf ein weiteres Problem gerade von Geschichten, die während der Kriegstage spielen: Oft neigen die Verfasser solcher Geschichten zum Moralisieren. Herausgeber Vito von Eichborn mag auch das gar nicht und steht mit dieser Meinung sicher nicht alleine da: »Ich lasse mich nicht belehren. Wenn ich merke, ein Autor erhebt seinen Zeigefinger, dann lege ich das Buch beiseite. Ich lerne freiwillig und ich lasse mir von Autoren nicht in mein Leben und in meinen Kopf hineinpfuschen.« Es müsse einem guten Autor gelingen, dass man sich freiwillig Gedanken mache, weil Geschichte und Sprache faszinieren.

War es Absicht, dass Jürgen Reimer oft brutale und erschreckende Szenen in einer nüchternen und klaren Sprache beschreibt, um einen Kontrast zu schaffen? »Nein«, gibt der Autor offen zu. Der Gegensatz beruhe allein darauf, dass er aus der Perspektive eines Kindes erzähle, das viele Dinge ganz anders wahrnimmt.

Die Sprache, meint Eichborn, müsse zudem auch zum Genre des Romans passen und sollte daran gemessen werden.

Was das mit einer »Käseprobe« zu tun hat, das hören Sie in dieser Podcast-Folge. Viel Spaß beim Anhören und Probieren!

Jürgen Reimer, Vito von Eichborn: Sie warfen Feuer auf die Stadt: Fast ein Roman. Taschenbuch. 2009. Books on Demand. ISBN/EAN: 9783837022575. EUR 14,80 (Bestellen bei Amazon.de)
Jürgen Reimer, Vito von Eichborn: Sie warfen Feuer auf die Stadt: Fast ein Roman (Edition BoD). Kindle Edition. 2010. Books on Demand (Herunterladen bei Amazon.de)

Offenlegung: Das Buch ist bei BoD erschienen. BoD ist Sponsor des Buchmesse-Podcast. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass BoD keinen Einfluss auf den Inhalt dieser Podcast-Folge genommen hat.

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