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Beitrag vom 19. Juli 2011 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Schreiben

John Locke: Wie ich eine Million E-Books in fünf Monaten verkauft habe

Ausschnitt aus dem E-Book-Cover: »How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!« von John LockeJohn Locke hat über eine Million E-Books via Amazon verkauft. Das Besondere: Er veröffentlicht seine Romane nicht bei einem Verlag. Locke ist Selbstverleger und hat seine Bücher selbst über Amazons KDP-Programm hochgeladen.

Jetzt gehört Locke zu den bislang nur acht Autoren in Amazons »Kindle Million Club«. Neben Locke stehen unter anderen Stieg Larsson, James Patterson und Nora Roberts auf der Liste.

»How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!« heißt sein neues E-Book, in dem er verrät, wie er das geschafft hat – auf den ersten Blick das typische amerikanische »Make-Money-fast«-Manifest. Doch es gibt einen Unterschied: Locke hat gezeigt, dass er es kann. Und er will für seine Geheimrezepte nicht Tausende von Dollars, sondern nur 2,50 Euro.

»To me, a great book is one that sells.«

Sieben Romane mit seiner Hauptperson Donovan Creed, einem ehemaligen CIA-Killer, hat Locke bislang veröffentlicht und außerdem noch zwei Western.

»How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!« ist sein erstes Sachbuch, in dem er sein Erfolgsrezept verrät und das unmittelbar auf den Markt kam, nachdem Amazon offiziell seine Mitgliedschaft im »Kindle Million Club« verkündet hatte.

Der Titel des E-Books erinnert an die TV-Werbefilme im amerikanischen Fernsehen. Meist laufen Menschen am Strand oder in anderen schönen Gegenden vor einer Kamera herum und erzählen von einer todsicheren Methode, die sie über Nacht zum Millionär gemacht hat. Und wenn man erfahren möchte, wie das geht, dann brauche man nur die folgende Nummer anzurufen …

Und tatsächlich besteht das gute erste Viertel des Lockeschen-Buches aus diesem Strandmotiv: Während man den Text liest, sieht man den Autor förmlich mit hochgekrempelten Hosenbeinen durch den Sand laufen. Er spricht den Leser direkt an und erzählt erst mal, was für ein toller Hecht er nicht nur als Autor ist und was er in seinem Leben schon alles erreicht hat. Locke war Versicherungsvertreter und kaufte dann eine eigene Versicherungsfirma, bevor er sie wieder gewinnbringend verkaufte. Eigentlich habe er ausgesorgt. Vor seinen jüngsten Erfolgen habe er nie Romane geschrieben. Und als er beschloss, Autor zu werden, da tat er das mit nur einem Ziel: Die Bücher müssen sich verkaufen, denn er wollte Geld verdienen. Sein Credo: »To me, a great book is one that sells.«

Das Stigma des Selbstverlegens

Da Locke offenbar über genug Kleingeld verfügt, hat er es über die herkömmlichen Methoden versucht, seine selbstverlegten Bücher bekannt zu machen: Klinkenputzen in Buchhandlungen, Pressemeldungen, Anzeigen, PR-Agentur und der Versuch, in den Medien besprochen zu werden.

Über 25.000 Dollar habe er hierfür erfolglos investiert. Den Selbstverlegern hafte ein Stigma an und Locke fragt sich, warum das Selbstverlegen das einzige Geschäftsfeld sei, bei dem die Eigenfinazierung als unwürdig erachtet werde. Die Antwort, dass man nun mal Talent oder Können nicht kaufen kann, gibt er jedoch nicht.

Nach seinen erfolglosen Versuchen hat Locke dann die Möglichkeiten des E-Book und elektronischen Vertriebswege entdeckt. Die Achillesferse der etablierten Autoren sei der Preis. Wurde zuvor die Frage gestellt, warum man das Buch eines unbekannten Autors dem eines bekannten Autors vorziehen solle, müssten bei einem Preis von 99 Cent nun die etablierten Autoren beweisen, warum ihre Bücher zehnmal so gut sind, um den zehnfach höheren Preis zu rechtfertigen.

Finde dein Nischenpublikum und schreibe dafür

Das Geheimrezept von John Locke ist im Grunde nichts Besonderes. Es ist das, was Marketingprofis (und auch Locke selbst) als »Target-Marketing« bezeichnen: Finde dein Nischenpublikum und schreibe dafür. Baue eine Marke auf, vornehmlich die deines immer gleichen Protagonisten. Richte deine Bücher, deine Blog-Beiträge und deinen Twitter-Account daraufhin aus. Du musst nicht der Masse gefallen, du musst deinem Nischenpublikum gefallen, das dir gewogen ist und sofort dein neues Buch kauft.

Essenziell für Locke ist der Aufbau eines E-Mail-Verteilers mit Empfängern, die zu 100% aus loyalen Buchkäufern bestehen. Werden sie angeschrieben, dann kaufen sie ein neues Buch sofort und empfehlen es weiter. Als Ergebnis ist das Buch sofort auf der Amazon-Bestsellerliste vertreten.

Interessant wird der Ratgeber immer dann, wenn Locke recht freimütig an sehr konkreten Beispielen erläutert, wie er sein Zielpublikum erreicht. Er setzt dabei auf einzelne, unregelmäßig erscheinende Blog-Beiträge – nicht mehr als 12 bis 15 pro Jahr – und einen Twitter-Account. Manche würden es vielleicht auch »Einschleimen beim Leser« nennen.

Nie, so Locke, solle man via Twitter von seinen eigenen Erfolgen berichten. Man müsse es da weitaus subtiler angehen.

Mit das Interessanteste am Buch sind John Lockes Analysen der Amazon-Rezensionen seiner Titel. Sofern die positiven Stimmen nicht deutlich überwiegen, bedeute das, dass noch zu viele Menschen außerhalb der Zielgruppe das Buch lesen. Das müsse vermieden werden. Wer seine Bücher schlecht bewerte, gehöre eindeutig nicht zu seiner Zielgruppe, und es wäre falsch, diese Menschen erreichen zu wollen.

Wer dein Buch nicht mag, gehört nicht zu deiner Zielgruppe

Bewertungen des Buches »Saving Rachel« auf amazon.com am 19.07.2011Locke lenkt daher Erstleser gezielt auf sein drittes Buch »Saving Rachel«. Eine Taktik, die er in »How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months!« ebenfalls praktiziert. Locke: Wer »Saving Rachel« mag, wird auch die anderen Romane kaufen. Daher sei es nur logisch, dass dieser Titel auf amazon.com ein fast ausgewogenes Verhältnis von positiven (4- und 5-Sterne-Wertungen) und negativen Stimmen habe (1- und 2-Sterne-Wertungen). Bei seinen anderen Büchern überwiegen die positiven Stimmen deutlich, denn diese würden dann nur noch von der Zielgruppe gekauft werden, die sie auch tatsächlich lesen will.

»Die, die das Buch hassen, werden ihm böse, verachtende Kritiken geben. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist, dass diese Menschen nie wieder eines deiner Bücher kaufen werden, sodass verärgerten Besprechungen ein Ende haben werden.« (John Locke)

Fazit: Ein Verkaufsratgeber und nichts für Schöngeister

Wenn man einigermaßen der englischen Sprache mächtig ist und einem der typische amerikanische Ratgeberstil nicht irgendwann auf den Keks geht, dann erhält man von Locke durchaus bedenkenswerte Verkaufsimpulse und Ideen. John Lockes Buch ist nichts für Menschen, die Schreiben als schöngeistige Beschäftigung verstehen, sondern es einzig und allein betreiben, um der Zielgruppe zu gefallen und Bücher zu verkaufen.

Nachtrag: John Locke kaufte sich Rezensionen

Was John Locke in seinem Buch nicht erwähnt, was er aber gegenüber einer Anfrage der New York Times im August 2012 zugibt, ist, dass er für Buchbesprechungen bezahlt hat. Die NYT zitiert aus einer E-Mail Lockes an einen entsprechenden Dienstleister für bezahlte Rezensionen: »Ich fange mal mit 50 [Besprechungen] für 1.000 Dollar an. Wenn das funktioniert und Sie meinen, dass Sie genügend Leser haben, dann würde ich mit Vergnügen auch viel mehr bestellen.«

Locke kaufte sich jedoch explizit keine positiven Besprechungen. »Wenn jemand mein Buch nicht mag, dann soll er das auch schreiben.« Locke legte aber Wert darauf, dass die bezahlten Rezensenten das Buch bei Amazon kaufen, damit die Besprechungen als »Von Amazon bestätigter Kauf« gekennzeichnet sind, was ihre Relevanz steigert.

Locke sagt gegenüber der Zeitung, dass es einfacher sei, Rezensionen zu kaufen, als sich langsam eine Leserschaft aufzubauen.

Manipulationen und bezahlte Kundenrezensionen sind leider Alltag bei Online-Händlern. Wer Locks Buch gelesen hat, den erstaunt sein »Rezensentenkauf« nicht, denn Locke sieht sich als Geschäftsmann und weniger als Autor.

Wolfgang Tischer

John Locke: How I Sold 1 Million eBooks in 5 Months! Kindle Edition. 2011. (Download bei Amazon)

5 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. LastGunman schrieb am 19. Juli 2011 um 20:58 Uhr

    Heißt der Herr wirklich so, oder hat er sich nach dem Philosophen, oder gar nach der Figur aus Lost – mit dem er sich den Frisurenstil teilt – benannt?

  2. Redaktion schrieb am 19. Juli 2011 um 21:23 Uhr

    Er heißt offenbar wirklich so, wird aber laut eigener Aussage sehr oft mit der Serienfigur verwechselt (anscheinend weniger mit dem Philosophen),

  3. Annorra schrieb am 28. Juli 2011 um 12:12 Uhr

    Man muss bei solchen Erfolgsmeldungen auch immer berücksichtigen, das sind englischsprachige Autoren. Dadurch haben sie weltweit höhere Chancen auf eine millionengroße Leserschaft als ein Autor mit einem deutschsprachigen Buch. Für ein Nischenpublikum zu schreiben, kann bei einem englischen Buch Millionen bringen, bei einem deutschen Buch ist die Nische (das Zielpublikum) dagegen nochmals beträchtlich kleiner. Der Autor mag zwar für eine Nische schreiben, aber in der Mainstream-SPRACHE.

  4. Caro schrieb am 1. August 2011 um 08:31 Uhr

    Ich schließe mich Annorra an. Außerdem glaube ich, dass unser Publikum in Deutschland ein wenig wählerischer und qualitätsbewusster ist. Oder ich hoffe es zumindest… :)

  5. Redaktion schrieb am 1. August 2011 um 09:31 Uhr

    Doch, Caro, genau so ist es. Nicht nur PDF-Dateien, sondern auch Websites (HTML) müssen bei der DNB abgeliefert werden, wenn sie keinen rein privaten Charakter haben. Näheres ist auf der Website der Deutschen Nationalbibliothek unter dem Menüpunkt »Netzpublikationen« nachzulesen.

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