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Beitrag vom 1. Januar 2008 | Rubrik: Literarisches Leben

Wir wünschen Ihnen alles Gute für 2008 mit unserem Jahresrückblick 2007

2007: Bilder eines JahresMit einem ganz persönlichen literarischen Jahresrückblick auf 2007 begrüßen wir Sie im neuen Jahr.

Das literaturcafe.de wünscht Ihnen für 2008 alles Gute und vor allen Dingen Glück, Zufriedenheit und Gesundheit!

Von einigen Dingen und Leuten wird man sicher auch in diesem Jahr noch einiges hören, doch blicken und linken wir zurück, auf das was uns 2007 bewegt hat. Aufgeteilt haben wir den Rückblick nach Monaten, auch wenn mache Dinge im vergangenen Jahr durchaus länger Thema waren.

Januar

Fee Katrin Kanzler am Tübinger NeckaruferFür den deutschen Buchhandel beginnt das Jahr mit einer wesentlichen Änderung: Die Internationale Standard-Buchnummer (ISBN) wird von 10 auf 13 Stellen erweitert, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Außerdem ist die Nummer, mit der Bücher identifiziert werden können, nun der internationalen Artikelnummer angepasst, die schon länger 13-stellig war.

Eine andere Zahl hat sich hingegen nicht geändert: Obwohl zum Jahresanfang der Mehrwertsteuersatz erhöht wurde, bleibt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Bücher weiterhin bei 7%.

Im Januar zeichnet sich auch die zweite Runde im Kampf der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und der Süddeutschen Zeitung gegen den Perlentaucher ab. Die beiden gedruckten Medien aus alten Tagen wollen verhindern, dass der Perlentaucher ihre Buchrezensionen im Internet zusammenfasst und weiterverkauft. In keiner Weise journalistisch ausgewogen, sondern reichlich polemisch berichtet insbesondere die FAZ über den Perlentaucher. Erst im Dezember 2007 sollte das Gerichtsurteil in zweiter Instanz gesprochen werden, und der Perlentaucher siegt erneut gegen die gedruckten Blätter. Nicht auszuschließen, dass die Auseinandersetzung 2008 in eine weitere Runde geht.

Im literaturcafe.de porträtieren wir Fee Katrin Kanzler und das Jahr sollte sich ausgesprochen erfolgreich für sie gestalten. Im Juni ist sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses und im Dezember erhält sie den mit 2.500 Euro dotierten Förderpreis der Stadt Ulm für junge Künstlerinnen und Künstler.

Das Berliner Zimmer schließt leider endgültig seine Pforten. Die Literaturszene im Internet ist um eine gute Website ärmer geworden.

Februar

Seit langem verstorben: literaturportal.deNoch oft werden wir in diesem Jahr daran erinnern, dass das seinerzeit vom Bundesminister groß angekündigte und mit sage und schreibe 150.000 Euro geförderte literaturportal.de tot ist – ja, eigentlich hat es nie gelebt. Auch die Stuttgarter Zeitung hat schließlich unsere Kritik aufgenommen, doch die Sache nicht weiter verfolgt.

Im Februar startet die Federwelt, die Zeitschrift für Autorinnen und Autoren, ihren Literaturwettbewerb Die Feder, der im Jahre 2007 zweimal durchgeführt werden sollte. Das literaturcafe.de als Kooperationspartner hat die beiden Gewinnerbeiträge »Schweiß« und »Kaiser« vertont, was uns eine lobende Erwähnung der Zeitschrift TV Movie multimedia einbrachte.

Die digitale 3D-Welt Second Life war ohne Frage die größte mediale Luftnummer des Jahres. Ein Hype ohnegleichen, von dem nicht viel geblieben ist und bleiben wird. Zwar war auch das literaturcafe.de mit einigen gut besuchten Veranstaltungen dort präsent, doch haben wir – im Gegensatz zu manch großen Firmen – dort kein Geld versenkt. Von Anfang an sahen wir das Engagement einiger Firmen auch aus der Verlagswelt eher kritisch, was sich im Verlaufe des Jahres auch bewahrheiten sollte. Am Ende stehen die digitalen Hallen leer.

März

Im März startet ein weiterer Literaturpreis, an dem sich das literaturcafe.de als Partner beteiligte: der Jokers Lyrik-Preis. Auch 2008 wird er wieder stattfinden und natürlich wird er vom Café wieder unterstützt.

Während Second Life floppte, entwickelt sich MySpace durchaus auch zur Literaturplattform. Über das Jahr haben wir dort fast 600 neue Freunde gewonnen.

Lesebühne mit KlorollenWeb 2.0 und User Generated Content waren weitere Schlagworte in diesem Jahr. Doch nicht alle Weblogs waren erfolgreich und der englische Penguin-Verlag musst sein groß angekündigtes Mitschreibprojekt »A Million Penguins« rasch wieder einstellen, weil die Nutzerbeteiligung doch in ganz andere Richtungen ging. Erfolgreicher ist da schon eine Live-Lesung deutscher Blogger, und im literaturcafe.de begrüßen wir die Autorin Nessa Altura auf einer virtuellen Film- und Buchtournee.

Der Buchhandel beginnt im März, seine Kunden als potenzielle Kriminelle zu sehen. So wie unser Bundesinnenminister in seiner Paranoia in jedem von uns einen Terroristen sieht und daher seit Jahresanfang 2008 alle unsere Kommunikationsdaten aufgezeichnet werden müssen, sieht die Arbeitsgruppe »Piraterie« des Deutschen Buchhandels in jedem von uns ein Raubkopierer. Nicht nur das Logo der Kampagne ist ekelhaft: Ein Rabe hackt den Kopf eines Menschen auf und frisst Teile des Gehirns. Macht man sich so bei seinen Kunden beliebt?

April

Die peinlichste Person des Jahres 2007 ist mir Sicherheit Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger. Während er im Wahlkampf die Bild-Zeitung mit Homestorys einer angeblich glücklichen Ehe versorgte, wunderte er sich später, warum dieses Medium sich genauso intim für das Scheitern der Ehe interessierte. Doch selbst wer Nazis zu Widerstandskämpfern macht, darf weiterregieren. Wir empfahlen Herrn Oettinger sich diesbezüglich weiterzubilden.

Von April bis August ist im literaturcafe.de jeden Tag eine Folge des Fortsetzungsroman »AlmTraum – Wer entführt schon eine Lektorin?« von Helmut Beckmann zu lesen und auch Elfriede Jelinek veröffentlicht ihr neuestes Werk im Internet.

Der im Jahr 2007 am häufigsten kommentierte Artikel ist der zu den wichtigsten Tipps eines Verlagslektors. Als sich dann auch noch der ehemalige Verleger Vito von Eichborn in die Diskussion einmischt, geht es rund.

Martin Auer (Foto: Wolfgang Tischer)»Link-Bating« heißt der englische Fachbegriff für das Erbetteln von Links. Indem er auf die Naivität und Ruhmessucht vieler kleiner Bloggerinnen und Blogger setzt, gelingt dem Anbieter Hitflip ein großer Coup. Man erfindet einen Blog-Wettbewerb, den man großspurig »Superblogs« nennt und nominiert hierfür einfach mehr oder weniger sämtliche kleinen und größeren Kultur-Weblogs. Die halten einen Wettbewerb mit diesem Namen für wirklich bedeutend und verkünden ihre Nominierung samt Link stolz in ihrem Weblog. Die Rechnung geht für Hitflip voll auf, denn deren Weblog landet tatsächlich – zumindest kurzzeitig – in den Deutschen Blogcharts. Zum Glück müssen die Blogger ihren Preis nicht mit Geld bezahlen. Da sollte zum Jahresende ein ganz andere auf den Plan treten und den Versuch antreten, die Naivität der Web-Autoren in klingende Münze umzusetzen.

Im April sind wir bei einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Podcaster Martin Auer in Wien zu Gast. Ebenfalls ist Wolfgang Tischer nach Berlin eingeladen, wo er beim Deutschlandradio über Literatur und Internet spricht.

Mai

Cornelia TravnicekIn der Schweiz fällt die Buchpreisbindung und anlässlich des 100. Geburtstages der Lyrikerin Mascha Kaléko schenken wir Ihnen zusammen mit dem Deutschen Taschenbuchverlag einige vertonte Gedichte von Mascha Kaléko.

Cornelia Travnicek beginnt ihren neunteiligen Praxisbericht »Bis Klagenfurt anruft«. Trotz ihres jungen Alters kennt sie den Literaturbetrieb sehr genau und ihr Bericht ist eine Bereicherung des literaturcafe.de, fasst sie doch so viele Dinge und Punkte zusammen, die auch uns immer wieder wichtig sind.

Juni

War irgendwie nicht viel los.

Juli

Das Harry-Potter-Bingo (hier klicken und Spielplan runterladen)Der letzte und 7. Potter-Band kommt in der englischen Ausgabe auf den Markt. Und da eigentlich nur der Inhalt wichtig ist, dieser jedoch medial nicht allzu gut zu vermitteln ist, griffen die Medien zu den immer gleichen Meldungen. Grund genug für uns, mit unseren Gästen das Harry-Potter-Bingo zu spielen.

Der Hörverlag, der eigentlich am Download-Portal claudio.de beteiligt ist, bietet seine Produkte nun auch beim Konkurrenten Audible an. Es zeichnet sich ab, dass der Download von Hörbüchern doch nicht so erfolgreich ist, wie von vielen Protagonisten verkündet wird. Im Dezember schließlich sollte es sich bewahrheiten, denn das Downloadportal claudio.de, das maßgeblich vom Burda-Verlag ins Leben gerufen wurde, existiert in seiner bisherigen Form nicht mehr und wird zum gewöhnlichen Shopping-Portal.

Kostenlos bietet hingegen die Riesenmaschine ihr Buch an, obwohl es auch gedruckt im Buchhandel erhältlich ist.

August

Jun ist unsere Literatin 2007Save oder delete? Über die Langzeitarchivierung von Webdokumenten und Online-Literaturzeitschriften schreibt Dr. Renate Giacomuzzi im literaturcafe.de. Ein Thema, dass uns auch künftig noch begleiten wird.

Von einer ganz anderen Art der Archivierung des literaturcafe.de erfahren wir erst im August: Es existiert seit einiger Zeit ein Wikipedia-Eintrag zum Café.

Das optische Jahreshighlight 2007 ist mit Sicherheit Jun, die unsere Literatin 2007 geworden ist und von der Fotografin Birgit-Cathrin Duval gekonnt in Szene gesetzt wurde. Und so viel können wir an dieser Stelle schon verraten: auch 2008 wird man viel von Jun hören, dann jedoch auf literarischem Parkett. Sie werden es im literaturcafe.de lesen – und nicht nur dort.

Mit »Willms’ Woche« starten wir eine neue wöchentliche Kolumne, in der Jennifer Willms auf literarische Geburtstage und Jahrestage hinweist. Außerdem zieht das literaturcafe.de auf einen leistungsstärkeren Server um und in Australien signiert ein bekannter Schriftsteller heimlich seine Bücher.

September

Betrachtet sich als zensiert: Das Autorenschrittmacher-BlogGoogle kann einem zum Verhängnis werden. Dort kann man manchen Fleck finden, der die reine Weste doch nicht so rein sein lässt. Rodja Smolny versucht im September, unliebsame Einträge aus seiner Vergangenheit als insolventer Verleger aus dem Netz verschwinden zu lassen. Gleichzeitig fragt er bei renommierten Literaturportalen nach Werbeplätzen für seine neue Literaturagentur Lindbergh & Well an. Wir beim Café antworten nicht auf seine Anfrage, da Google seine Vergangenheit offenbarte. Leider lassen sich andere Portale täuschen und so nimmt ein Unglück seinen Lauf, von dem im Dezember noch mehr zu lesen ist.

Der Mediamarkt startet einen guten Hörbuch-Podcast – und hat es bis heute noch nicht geschafft, einen Feed zu implementieren, sodass man den Podcast nicht abonnieren kann. Bei iTunes erscheint er nicht. Vertanes Marketingpotenzial. Man sei sich des Problems bewusst, sagt man uns auf Anfrage. Bis heute ist es nicht gelöst.

Mit dem Podcast »Anna nicht vergessen« produziert das literaturcafe.de ein weiteres Hörangebot für den Hanser Verlag, das auch in iTunes verzeichnet ist. Wolfgang Tischer unterhält sich ausführlich mit dem Schriftsteller Arno Geiger, der 2005 den ersten Deutschen Buchpreis gewonnen hat.

Oktober

Buchmesse Podcast 2007 - präsentiert von literaturcafe.de und dem Börsenbaltt für den Deutschen BuchhandleEr stand wie bereits seit Jahren im Zeichen der Buchmesse. Mit der Online-Ausgabe des Börsenblattes für den Deutschen Buchhandel als Medienpartner und den Sponsoren BoD und Jokers führen wir auch in diesem Jahr wieder an die 30 Gespräche mit Autorinnen und Autoren, darunter Denis Scheck, Ulrich Wickert, Dieter Nuhr, Arno Geiger, Thomas Glavinic, Roger Willemsen, Sibylle Berg und viele, viele andere.

November

Das alte Thema eBook, an dem sich schon viele die Finger verbrannt haben, wird erneut von Amazon in die Hand genommen und ein neues eBook-Lesegerät mit Namen Kindle wird präsentiert. Die Resonanz ist verhalten. Wird das Kindle 2008 eine Rolle spielen? Wird es auch in Deutschland erhältlich sein?

Dezember

Die Bombe platzt und die Machenschaften Rodja Smolnys und der angeblich aus Schweden stammenden Literaturagentur Lindbergh & Well fliegen auf. Zu Hunderten hat er offenbar Autorinnen und Autoren angeschrieben und stellte ihnen die Vermittlung an einen Verlag in Aussicht, wenn diese schlappe 12.000 Euro für ein Lektorat zahlen. Der NDR deckte das Schwindelgebilde auf, und dass Smolny sowohl mit dem Verlag als auch mit dem Lektoratsservice in Verbindung stand. Es war sicherlich der dreisteste Abzockversuch unter unbedarften Autoren. Ohne Frage wird man 2008 noch einiges darüber hören.

http://www.youtube.com/watch?v=IJ49Bm-3N_s

Und auch die Podcast-Folgen von »Deutschland-Quiz« kann man noch im Jahr 2008 hören. Eric T. Hansen (Amerikaner aus Hawaii) und Wolfgang Tischer sind in Berlin unterwegs und erkunden die deutsche Kultur und deutsche Seele.

Wir sind neugierig und gespannt, was uns das Jahr 2008 bringen wird und freuen uns, wenn Sie einen Teil der Zeit im literaturcafe.de verbringen!

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Martin schrieb am 1. Januar 2008 um 02:15 Uhr

    Im Jahresrückblick wurde nicht erwähnt, dass im Dezember das Forum vom Netz ging. Das Forum war vermutlich nicht nur für mich die erste Anlaufstelle im LC.
    Ein frohes Neues…
    Martin(us)

  2. Birgit schrieb am 1. Januar 2008 um 15:25 Uhr

    Vielen Dank für den umfangreichen Jahresrückblick – übrigens der einzige, den ich gesehen bzw. gelesen habe. Und Kompliment für die tolle Seite, die fantastischen Podcasts, die von überzeugender Qualität sind und für das Engagement, immer wieder neu, die Lust auf Literatur zu wecken!

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  1. Die 13. Klasse » Blog Archiv » Das ist ja prima! verlinkte am 6. Januar 2008 um 17:46 Uhr

    […] reichhaltigen, informativen Jahresrückblick hat das Literaturcafé verfasst. Und was das Beste ist, sagt Elvira, wir sind auch dabei! Mit […]