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Uatsch - Der Mord an Q
von Manuela Schulz

Als der Kommissar die Tagungsteilnehmer befragte, sagten alle übereinstimmend aus, Q sei bester Laune gewesen.
     A hatte noch gesehen, wie Q, fröhlich mit seinem Schwänzchen wedelnd, die Hoteltreppe runter hopste. J traf Q dann an der Bar. J witzelte darüber, dass sie beide ja nicht zur »alphabetischen Führungsriege« gehören, wie E und N, die zu fast allem ihren Senf dazu geben müssen. Q lächelte dazu nur geistesabwesend abwesend und meinte dann, er wolle sich noch schnell frisch machen. K sah Q dann in der Toilette, genauer gesagt, er machte Q im Zentrum einer Parfümwolke aus. F wusste auch, warum Q sich so einduftete. Schon lange ging das Gerücht um, dass Q in F verknallt war. Auf der Fachtagung würden die beiden nebeneinander sitzen, was ja im normalen Leben nicht vorkam. Klar, das Q alle Register zog.
     Dann ging alles ganz schnell. L sprach die Begrüßungsrede und N wollte zum Einführungsvortrag anheben, als Q plötzlich laut stöhnend zusammensackte und vom Stuhl kippte. Sein Schwänzchen zuckte noch ein paar Mal. Dann war Q tot.
     Die Obduktion ergab eine Vergiftung. Erste Ermittlungen erbrachten nur, dass Q als   unauffällig, beinahe unscheinbar galt. Das Q Feinde hatte, war schwer vorstellbar. Also die übliche Routineermittlung. Zu wem hatte Q enge Beziehungen, wer profitierte von seinem Tod? Zuerst wurde O befragt, Q's Zwilling, wenngleich auch kein Eineiniger. O schien von der Tragödie sichtlich mitgenommen, obwohl er immer noch sauer war, dass P sich zwischen die beiden gedrängt, und Q nicht das Geringste dagegen unternommen hatte. Der Kommissar horchte auf. Gab es etwas zwischen P und Q? P konnte dazu nur müde lächeln. Er und Q? Niemals! P, das ist Pistole und Pitbull! Wie sollte das mit Quark und Quitten zusammenpassen? Aber P wusste von Q ?s Schwärmerei für F, diesen flauen Fliederbusch! Als der Kommissar F daraufhin befragte, fiel F aus Wolken. Q in ihn verliebt? Nein, F fühlte sich zwar geschmeichelt, aber da war nichts, jedenfalls nichts, von dem F. wusste. Aber der Kommissar sollte sich doch mal U vornehmen. Q hing doch ständig mit U zusammen. Es gab fast nichts, dass Q ohne U unternahm. Ständig hingen die beiden zusammen. Da war was dran. Der Kommissar fand U in der Bar. U war bereits so betrunken, dass er seine Form nicht mehr halten konnte. Er hing wie ein flüchtig dahin geschmiertes kleines M über dem Barhocker und heulte hemmungslos. Als der Kommissar ihn ansprach, raffte U sich zusammen. Schluchzend beschrieb er seine innige Freundschaft mit Q und wie er ihn immer begleitet habe, in guten wie in schlechten Worten. Es stammelte noch, wie ualvoll sein weiteres Leben ohne Q sein würde. Dann glitt U langsam am Tresen hinab, rollte sich am Boden zusammen wie ein O und schlief   ein. Der Kommissar wollte schon Hilfe holen, als ihm das Lächeln des Schläfers auffiel. Es wirkte irgendwie selig, zufrieden, entspannt. Da stimmte doch etwas nicht! Mit geübtem Griff langte er in die Innentasche von U ?s Jackett. Neben dem Pass, förderte er eine zusammengefaltete DIN A4 Seite zutage, auf der fein säuberlich in geordneter Reihenfolge alle Wörter von QUABBE bis QUOVADIS auftauchten, die Q und U miteinander verbunden hatten. Das Q war mit einem schwarzen Edding durchgestrichen. Ach was, nicht durchgestrichen, regelrecht ausgelöscht!
     Drei Tage später gestand U. Nein, es war keine Habgier. Er wollte ich nicht die paar Wörter, die Q besaß, aneignen. Es war etwas anderes ? so etwas wie Hass. Q hatte ihm zeitlebens am Rockzipfel gehangen, ständig gejammert. So gut wie kein verdammtes Wort konnte Q zustande bringen, ohne dass U da sein musste. Ständig rief Q U um Hilfe. »Ich kann ohne Dich nicht sein!« flehte Q, wenn U keine Zeit für Quark, Quoten oder Quallen hatte, weil er mit Unfällen, Untergängen oder Uebersinnlichem beschäftigt war.
     Und dann kam diese Fachtagung. In den Jahren davor hatten sich die Alphabetsmitglieder zu Themen versammelt wie »Neue Konsonantenkonstellationen vor dem Hintergrund des Unaussprechlichen« oder »Vokale ? die Macht der Minderheit«. Diesmal hieß das Thema: »Mehr Effizienz bei unterbeschäftigten Konsonanten« und Q war als Hauptredner vorgesehen.   Stolz hatte Q   U seinen Vortrag samt einer Liste von 1435 neuen Wortschöpfungen offeriert. Quotalquarliqual oder Quirloquilliqula waren nur zwei davon. Da waren U die Nerven durchgegangen. Er hatte etwas Quecksilber in Q's   Quittenquark gequirlt.
     U bekam lebenslänglich, wegen Mord aus niederen Beweggründen.
     Deshalb laufen wir auch nicht mehr, sonder joggen, kaufen nicht, sondern shoppen und die Schulkinder sind Skippies.

© 2003 by Manuela Schulz. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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