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T und der Traum
von Arthur Schenk

T g?hnt, l?scht das Licht und schl?ft bald danach ein. Und irgendwann gegen Morgen tr?umt T:
     Er sieht sich selbst, wie in einem Film auf der Leinwand, das Traum-Restaurant betreten. Er sieht sich selbst beim W?hlen des Platzes, sich setzen und er beobachtet sich beim Betrachten der Speisekarte. Das preisg?nstige Tagtraum-Men?, Vorspeisentr?ume, Hauptspeisentr?ume, ein Traum von Nachspeise und - nat?rlich - die Traumgetr?nke... Tr?ume ? la carte.
     Und wie immer, wenn T sich selbst tr?umt, stellt sich die gleiche Frage: Was m?chte er gern tr?umen?
     Zum Beispiel einen leichten, hellblauen Traum als Vorspeise (beispielsweise einen Teller Erinnerung an gr?n-blaues Meer) ... hernach einen dunkelblauen (rauschende Wellen, salziger Geschmack auf den Lippen) ... zum Nachtisch etwas S??es (lange Haare, die im Wind fliegen ... jemand, der mit Armen umfangen und festgehalten werden will) ... und am Ende eines Vielleicht-Zwei-Sekunden-Traumessens noch einen Digestiv? (Dream Special, 2cl bet?render Duft von Parf?m am Hals derjenigen, die im Traum? umschlungen wurde, aufgef?llt mit Herzklopfen bis zum Hals und einem Schuss prickelnder Erotik)?
     Oder... doch einfach das Tagtraummen? (6er im Lotto, das ganze Gl?ck auf einmal, Karriere-Friede-Freude und das gr??te St?ck vom Eierkuchen)?
     Der Ober steht schon seit Hundertstelsekunden bereit - Block parat, Stift gez?ckt - und wippt auf den Zehenspitzen. T bestellt: Unter anderem leichten Traumwein und ganz bestimmt nicht die Kalorienbomben der Tagtr?ume. Nein, T will heute einen leichten, schwelgerischen Ein-Sekunden-Traum (kleiner Vorspeisenteller mit Urlaubssplitter), Traum Bleu (Romantik ?berbacken und gef?llt mit einem K?rper, der neben ihm am Strand liegt, praktisch auf der Zunge zergeht, als Nachtisch Eis mit einem Schuss Erinnerung an bet?rendes Parf?m) und den Dream Special.
     T kaut bed?chtig an den Szenen, Bissen f?r Bissen, Bild f?r Bild (er kaut das Meer und den Strand, die Brise, die ihr Haar fliegen l?sst, die Lippen, die sich zum Kuss anbieten, er kaut und h?lt ihren K?rper an sich gedr?ckt), und versucht dabei, den Geschmack zu ergr?nden.
     Wie schmeckt Traum eigentlich... ohne Zweifel lecker (immerhin ungef?hr zwei Sekunden lang, bevor er verlischt wie eine Kerze unter zuckendem Flattern der Augenlider - zwei Sekunden, in dem sich T selbst einen Wunsch erf?llt) und doch ?berschattet vom Gef?hl, eigentlich nicht satt geworden zu sein... leer... Geschmack von nichts greifbarem... Traumhaft in einem anderen Sinn...
     War der Herr zufrieden?
      ... was bleibt T ?brig, als ein taktisch-h?fliches Nicken... und das Bezahlen f?r den eigenen Traum... Trinkgeld nicht vergessen... man will schlie?lich in der n?chsten Nacht freundlich bedient werden und keine aufgew?rmten Albtr?ume von Gestern vorgesetzt bekommen.
     Also zahlt T, gibt reichlich Trinkgeld und verl?sst das Traum-Restaurant durch den Ausgang mit dem Hinweisschild RICHTUNG TAG.

? 2001 by Arthur Schenk. Unerlaubte Vervielf?ltigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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