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Nulla und Necken
von Heidi Hoppe

Es klappte alles ganz wunderbar. Annalein ghnte schon wie ein voll gefressener Lwe, als Omchen sie die Treppe hinaufschleppte. Oma lenkte das Muschen ab, beguckte dreimal hintereinander Annachens Lieblingsbilderbuch, sang dreimal den aufgegangenen Mond und kraulte diesem Bndel den Rcken, dass es nur so schnurrte. Oma versuchte, nicht an den Nulla zu denken, da sie wusste, dass Annamausi Gedanken lesen konnte.

Es war vollbracht. Anna lag wohlig in ihrem Kuschelreich mit geschlossenen Augen. Oma wartete noch einen Augenblick und schlich sich aus dem Zimmer. Sie hatte den Finger noch nicht ganz auf dem Schalter des Fernsehers, als es aus den oberen Regionen kreischte:

Oma, Nulla!

Nulla!

Wieder nichts mit der Tagesschau.

Nulla, aber nell!

Omi kroch durchs Wohnzimmer mit geschultem Blick unter smtliche Mbelstcke. Ein beliebter Platz fr dieses lebensnotwendige Nuckelteil, aber heute natrlich Fehlanzeige.

Gleich, mein Schtzchen, Omi sucht noch!

Schnell fingerte Omi smtliche Jackentaschen ab, vergeblich.

Der nchste Weg fhrte sie vor die Haustr. Sie erinnerte sich an Annas Aufforderung

Oma, Necken sammeln! und ging den Weg ab, den sie heute Nachmittag mit der kleinen Maus zurcklegte, um Nacktschnecken einzusammeln. Tatschlich, dort, neben der groen Wasserpftze lag der rote Nulla. Oma blickte zur Uhr: zwanzig Minuten waren bereits vergangen. In Windeseile ging sie ins Haus, horchte an der Treppe - Totenstille.

Wie jeden Abend. Die kleine Krte wusste, wie sie ihre liebste Omi um die Tagesschau bringen konnte.

2002 by Rther Hoppe. Unerlaubte Vervielfltigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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