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satz-für-satz für hermann mensing

 

Und die Wolken kamen durch das offene Fenster geflogen und der Himmel war weit, weit genug um zu sagen: Nimm mich mit.

Satz von Cornelia Travnicek, Traismauer, Oesterreich

 

 

Die Geschichte zum Satz:

Stattdessen kam ihr der Himmel zuvor. "Höre", sagte er. "Statt Worte in die Stratosphäre zu jagen, solltest du erst einmal dein Zimmer aufräumen." "Wie bitte?" rief sie entsetzt, herausgerissen aus ihren Träumen, heruntergeholt vom Thron der großen, entsetzlichen Schicksale. "Wie - was schlägst du da vor?" "Nun", sprach der Himmel, "zunächst wäre es wichtig, das Fenster zu schließen. Mit all den Woken im Zimmer wirst du doch kaum noch etwas sehen können." "Ganz wie du meinst!", sagte sie, schloss das Fenster und bekreuzigte sich. "Gut so", sagte der Himmel. "Und nun sprich mir nach..." "Ja?" sagte sie atemlos. "Ich...", sagte der Himmel. "Ich...", sagte sie. "Ich verspreche hiermit..." "Ich verspreche hiermit...". "Ich verspreche hiermit, dass ich..." "Ich verspreche hiermit, dass ich..." "...dass ich gleich morgen früh losgehen werde, um mir einen schlechten Roman zu kaufen. Es soll ein Roman sein, der ohne jedes Niveau ist, ein Roman, dessen Charaktere denen eines Dieter Bohlen, eines RTL-Fernsehspiels oder der politischen Führer der mächtigsten Nationen gleichen. Ein Roman, in dem keine Wolken durch offene Fenster fliegen, ein Roman, dessen Urheber das Wort "Poesie" in den Bereich der Fantastereien ansiedelt, so einen Roman kaufst du dir (Bücherliste bei MRR anfordern), liest ihn, und morgen Abend, wenn die Sonne untergegangen ist, was bei dir ja schon Stunden früher der Fall sein dürfte, als anderswo, morgen Abend also setzt du dich noch einmal, ein letztes Mal, ans offene Fenster und erstattest mir Bericht. Wenn du die Fragen, die ich mir noch ausdenken werde, beantworten kannst, werde ich dich mitnehmen. Ansonsten überlasse ich dich deinem Schicksal und hoffe, nie wieder von dir zu hören. "Jawohl", sagte sie. Der Himmel war von tiefen, taubenblauen Wolken gefüllt, ein Fass, das jeden Augenblick überzulaufen drohte.

 

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über den Autor Hermann Mensing
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