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Gwen Ha Du - Schwarz und Weiß
Impressionen der Bretagne im September 2002
von Rainer Schlüter genannt Thesing

Zweimal gepflügt ist einmal zuviel
Erlebnisse in der Bretagne
von Brigitte Gaschler

Freundlich, offen und hilfsbereit sind die Bretonen, aber manchmal meinen sie es zu gut…
     Mein Mann und ich wollten einen Teil unseres Grundstücks als Gemüsegarten und als Kartoffelfeld nutzen. Wir erzählten unseren Nachbarn Marcel und André unabhängig voneinander von unseren Plänen. Marcel bot uns sofort an, mithilfe seines Traktors die Erde umzupflügen. Dieses Angebot nahmen wir dankbar an. Schon am nächsten Tag wurde ein großes Stück der Wiese von dem an Marcels Traktor angehängten Pflug »umgedreht«, wie die Franzosen sagen. Mein Mann war glücklich und fragte Marcel nach dem Preis für seine Arbeit. Der lachte nur und meinte: »Un coup de rouge, si tu veux«. Ein coup de rouge ist umgangprachlich ein Schluck Rotwein, wobei der Schluck in der Regel ein kleines Wasserglas füllt. So saßen wir denn alle drei in unserer Küche und ließen den Rotwein die durstigen Kehlen hinunterrinnen. Marcel nahm auch noch einen zweiten Schluck.. Dann startete er seinen Traktor und fuhr nach Hause, nicht ohne unseren aufrichtigen Dank »Merci beaucoup!« entgegengenommen zu haben.
     Hier auf dem Land wird nicht jede tatkrätige Hilfe bezahlt. Man hilft sich aber natürlich gegenseitig. Gibt es mehr zu tun, wie beispielsweise Schafe und Federvieh während einer längeren Abwesenheit der Besitzer zu versorgen, dann lädt man später gerne zu einem hausgemachten ausgedehnten Vier-Gänge-Menü ein.
     Mein Mann präparierte nun den größten Teil der umgepflügten Erde für die Kartoffelpflanzung und dann legten wir voller Hoffnung auf eine gute Ernte, die Kartoffeln, schön in Reih‘ und Glied, hinein. Den kleineren Teil des Ackers wollten wir als Gemüse- und Kräutergarten nutzen.
     Am darauf folgenden Samstag verbrachten mein Mann und ich mehrere Stunden in der Stadt Vitré. Ihr mittelalterlicher Stadtkern und das wehrhafte Schloss sind sehenswert. Als wir in unser kleines ländliches Paradies zurückkehrten, sahen wir schon von weitem ein Gefährt auf unserem Kartoffelacker. » Wer ist das denn?« fragte mich mein Mann Unheil witternd. Als wir näher kamen, erkannten wir den Traktor unseres Nachbarn André. Das kleine, drahtige Bäuerlein war selbstzufrieden damit beschäftigt , die bereits gepflügte Erde noch einmal gründlich »umzudrehen«.
     Das darf doch nicht wahr sein!
     Wir stellten unser Auto im Hof ab, eilten energischen Schrittes auf den Acker und signalisierten André Halt, indem wir heftig unsere Arme schwenkten. Mein Mann sammelte einige der hervorgekommenen Kartoffeln auf und hielt sie André unter die Nase. »Was machst du denn da? Hast du nicht gesehen, dass die Kartoffeln bereits in der Erde sind?« fragte er aufgebracht.
     André schaute verdutzt auf die Kartoffeln, nahm seine speckige Baskenmütze ab und kratzte sich verlegen den Kopf. »Désolé…«, entschuldigte er sich sichtlich erschrocken. Mehr fiel ihm dazu nicht ein. Aber mit dem einen Wort aus seinem Mund schlug uns eine ziemliche Schnapsfahne entgegen. »Eau-de-vie«- Wasser des Lebens - heißt sinnigerweise das »hochkarätige« bretonische Teufelszeug. Offensichtlich hatte es dem guten André ordentlich das Hirn vernebelt. Wir mussten schließlich doch lachen ob dieser gut gemeinten aber schlecht geratenen Sache. André trollte sich schuldbewusst mit seinem Traktor von dannen.
     Am nächsten Tag kam Marcel vorbei. »Hast du die Kartoffeln schon in der Erde?« fragte er meinen Mann. »Die waren drin und sind schon wieder draußen«, antwortete mein Mann lakonisch. Als Marcel sich die Geschichte angehört hatte, schlug er die Hände über dem Kopf zusammen : »Une catastrophe!«
     Gewöhnlich bekommen Marcel und seine Frau Marie alles mit, was hier in unserem Siebenseelen-Dorf so geschieht, aber am Samstag waren sie auch nicht hier, sondern bei ihren Kindern in Rennes. So hatte André freie Bahn.
     Wir verbuddelten die hochgekommenen Kartoffeln wieder so gut es ging in der Erde. Einige Wochen später zeugte das kreuz und quer hervorsprießende grüne Kartoffelkraut davon, dass die pommes de terres Fuß gefasst hatten.
     Dank Marie und Marcel machte die Geschichte schnell die Runde. Viele Leute sprachen uns daraufhin an und amüsierten sich köstlich. Wochen später musste ich mit unserem Hund den Tierarzt im 12 Kilometer entfernten Rougé aufsuchen. Im Wartezimmer kam ich mit den anderen »Herrchen« und »Frauchen« ins Gespräch. »Ach dort wohnen Sie, da hatte doch der André…« So hatte der gute André ungewollt für wochenlangen heiteren Gesprächsstoff gesorgt. C’est la vie! - mit eau-de-vie.

Brigitte Gaschler

Das Abenteuer beginnt

Abends gegen 20.00 Uhr fahre ich Richtung Venlo. Vor mir liegen 1.100 km fast ausschließlich Autobahnfahrt. Da ich den Autoverkehr rund um Paris kenne, möchte ich diese Metropole nachts passieren, so erhoffe ich mir mehr Zeit, mich im Autobahndschungel zu orientieren. Und so ist es dann auch, Paris umfahren, Chartres und Le Mans passiert und hinter Rennes beginnt die herrliche Landschaft der Bretagne. Dieses westlichste Zipfel Frankreichs ist ca. 27.000 qkm groß. Die Region wird von drei Seiten, Norden, Westen und Süden, durch den Atlantik begrenzt. Die östliche Grenze verläuft auf einer gedachten Linie westlich des Mont Saint- Michel bis Nantes. Die Symbole der Bretagne sind die schwarz und weiß gestreift Flagge, die sich Gwen ha Du nennt, das Triskell, das von den Kelten abstammt, und das Hermelin. Das Wappen der Herzöge der Bretagne zeigte eine Fülle von Hermelinen und trug das lateinische Motto potius mori quam foedari (lieber sterben als besudelt werden). Triskell und Hermelin stellen heute die Bretagne dar.

Kleine DörferRiesige Felder, immer wieder unterbrochen von großen Mischwaldflächen, ziehen sich entlang des Weges. Kleine Dörfer, manchmal nur aus ein paar Häusern bestehend, unterbrechen diese Idylle. Hinter Lorient verlasse ich in Quimperle die Autobahn und bewege mich in Richtung Moelan sur Mer.
     Gegen 10.00 Uhr erreiche ich mein Ziel, Kerfany-les-pins. Vierzehn Stunden bin ich nun unterwegs gewesen. Natürlich hätte ich auch die Landstraßen, die oftmals parallel zur Autobahn liegen, benutzen können. Dadurch wären die Nutzungsgebühren für die Autobahnen nicht zu entrichten gewesen, leider hat mich das mittlerweile hohe Verkehrsaufkommen vor allem durch LKW abgeschreckt und ich wählte die kürzeste Strecke. In Kerfany-les-pins ist dann plötzlich die Straße zu Ende, vor mir erstreckt sich der Atlantik und der zu meiner Unterkunft gehörende Strand. Die Unterkunft selber liegt auf einer Anhöhe, ich habe in meinem Appartement einen herrlichen Blick auf das Meer. In den kommenden Tagen werde ich viel unterwegs sein, so habe ich bereits zu Hause einige Ziele festgelegt, die ich unbedingt anfahren möchte, bin jedoch auch nicht dem abgeneigt, was sich vielleicht vor Ort so alles bieten wird.

Mousterlin und Umgebung

Im vergangenen Jahr hatte ich eine Unterkunft in der Nähe Mousterlins, ganz in der Nähe der Touristenhochburg Benodet. Schon damals war ich von den Stränden entlang der Küstenregion begeistert, keine Frage, das mein erster Weg dahin zurück führte. Nun, meine Fahrt führte über Pont-Aven, der Hafenstadt Concarneau und Fouesnant nach Mousterlin. Der Stand von Mousterlin erstreckt sich einerseits nach Nordwesten entlang der Lagune La Mer Blanche und nach Osten entlang einer wilden Dünenlandschaft. Zwischen beiden Strandteilen, die etwa fünf Kilometer lang sind, liegt der Pointe de Mousterlin. Hier kann man in einer sternenklaren Nacht das Licht des in 24 Km entfernten Leuchtturms Eckmühl sehen.
     Wie auch bereits im vergangenen Jahr bin ich wieder von dem kristallklaren Wasser beeindruckt, das Wasser ist zwar nur 18°C kalt, aber herrlich zum Schwimmen.

Stand von MousterlinSpontan beschließe ich, an diesem Platz den Tag zu verbringen und so konnte ich noch einen tollen Sonnenuntergang erleben. Auf dem Weg zurück komme ich an einer Apfelplantage vorbei, eine von vielen in diesem Landstrich, denn diese Gegend ist weit über seinen Grenzen für die gute Qualität seines Apfelweins, hier Cidre genannt, bekannt. Auf den meisten Plantagen gibt es einen kleinen Hofverkauf, so auch hier, ich erwerbe einige Flasche Cidre, wobei sich der Verkauf ziemlich lustig erweist.

Sonnenuntergang am StandMein Gegenüber merkt, das ich kein Französisch spreche und verstehe, das hält ihn aber keineswegs davon ab, mir seine verschiedenen Weine anzupreisen, irgendwann deute ich auf eine bestimmte Flasche, zeige mit den Fingern, wie viele Flaschen ich davon kaufen möchte. Scheinbar habe ich eine gute Wahl getroffen, er trägt die Flaschen sogar noch zum Auto und verabschiedet sich per Handschlag von mir.

Concarneau und Ville Close

Die Hafenstadt Concarneau war heute mein Ziel, sie erreichte ich über Pont-Aven. Concarneau, hier ist an zwei Tagen in der Woche Markt, ein für Touristen interessantes Durcheinander von Obst, Gemüse, Gebäck, Kleidung und allem möglichen. Wer dem nicht gewachsen ist, kann die angrenzende Markthalle benutzen, hier gibt es jedoch nur Lebensmittel zu erwerben, und vor allem Fisch. Einer der Verkäufer an den vielen verschiedenen Ständen sieht mich neugierig das Angebot betrachten. Ehe ich auch nur reagieren kann, spricht er mich an. Auch er stört sich nicht daran, das ich ihn nicht verstehe, er nimmt eine offene Auster in die Hand, hält mir diese an die Unterlippe, schlägt leicht auf meinen Rücken und etwas glitschiges, sehr salzig schmeckendes Etwas gleitet meine Speiseröhre hinunter. Mein Gesichtsausdruck quittieren die anderen Verkäufer mit Gelächter. Da ich ohnehin Fisch kaufen wollte, habe ich hier meinen Stand gefunden.
     Dem Markt gegenüber liegt die Halbinsel Ville Close, ein unbedingtes Muss für Besucher und Touristen. Auf dieser Halbinsel gründeten Mönche in früheren Zeiten ein Kloster. Heute zieren historische Gassen und Befestigungsanlagen die Ville Close, neben Andenken- und Souvenirläden finden sich hier gemütliche Bistros und Cafes, in denen sich das Verweilen lohnt. Vor allem im Sommer sind die engen Gassen mit Scharen von Touristen gefüllt, jetzt im September, sitzen nur noch wenige Leute in den Bistros, die Saison ist fast vorbei.
An der Küste     Zurück bin ich über Benodet und Pont-l-Abbe nach Penhors an die Küste gefahren. Hier fand ich hier weitestgehend einen Steinstrand vor, der zwar zum Spazieren einlud, jedoch nicht zum Schwimmen. Kurz vor Kerfany-les-pins wurde ich auf ein Straßenschild aufmerksam, das zu einem Plage de Tonez hinwies. Tatsächlich handelte es sich hier um einen verhältnismäßig kleinen Sandstrand mit toller Bademöglichkeit, die ich dann auch sofort ausnutzte.

Guidel-Plages und Converte de Kercodonner

In meinem Reiseführer hatte ich von den tollen Sandstränden von Guidel bis Lamor gelesen. Von Kerfany über Clohars, Herrlicher SandstrandCarmeot nach Guidel zu den Guidel-Plages ein Weg von ca. fünfundvierzig Minuten. Nachdem ich einige Zeit an einem an der Küstenstraße liegenden Strandabschnitt verweilt hatte, fuhr ich weiter Richtung Lamor. Nach einigen Kilometern passierte ich das Fort Bloque, eine ehemalige Befestigungsanlage, die zu besichtigen ist. Da gerade Ebbe herrschte, nutzte ich die Möglichkeit, eine ausgiebige Wattwanderung zu unternehmen, wobei das Watt dem der Nordsee sehr ähnlich war. Dann weiter die Küste entlang und zwischen Kerharn und le Coure’gant fand ich dann einen Traumstrand mit wunderbarem weichen, sandigen Boden und kristallklarem Wasser, das an den Strand brandete. Hier war das Schwimmen einfach ein Muss und der sich erstreckende lange Sandstrand lud zum Spazieren ein.

FelsenstrandUngefähr 200 Meter südlich meiner Position lief der Strand in eine für die Bretagne typische Felsformation aus, Felsen, in welche die See Tausende kleiner Tümpel geschaffen hat, in denen jede Menge Pflanzen, Steine und Muscheln zu bestaunen sind. Ich habe lange an diesem Ort verweilt, die Ruhe genossen, die einzigen Geräusche waren die des Meeres. Diesen Platz kann man nur empfehlen.

Auf der Rückfahrt nach Moelan-sur-Mer fiel mir ein Hinweis auf, der auf einen Gangdolmen mit Menhir hinwies. Die Bedeutung dieser Gangdolmen reicht von Grab- bis Opferstätten, ist jedoch bis heute nicht wissenschaftlich geklärt. Auch die Bedeutung der Menhire, hier handelt es sich um riesige Steine, die eine phallische Form haben, ist ebenfalls ungeklärt. Es gibt jedoch Aussagen, das noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts Jungvermählte ihre Bäuche an Menhiren rieben, um mit der Kraft des GangdolmenMenhirs Nachkommen zu zeugen.
     Der von mir besuchte Ort, die Allee Converte de Kercordonner, befand sich kurz vor dem Ort Brigneau. Mitten auf einem bewirtschafteten Acker konnte ich einen Gangdolmen, der aus mehreren Trage -und Deckensteinen bestand, bewundern. Etwas daneben befand sich ein ca. 3m hoher Menhir. Nachdem ich ein paar Fotos gemacht hatte, öffnete sich die Tür eines Bauerhauses am Ende des Feldes, heraus trat ein laut schimpfender Mann, der anscheinend sehr wütend war. Seinen Gesten nach zu urteilen, hatte er wohl langsam genug von Touristen, die sein Feld zertrampelten, dementsprechend sah ich zu, das ich weiterkam.

Cap Sizun

Die Halbinsel Cap Sizun mit der berühmten Landspitze La Pointe du Raz ist ein absolutes Muss für Bretagnereisende. Ich wählte jedoch nicht den direkten Weg über Quimper und Audierne, sondern von Quimper aus nach Dounarenez und von dort über die D7 Richtung Westen.
     So erhielt ich die Möglichkeit, den nördlichen Teil der Halbinsel mit seinen vielfältigen Aussichtspunkten kennen zu lernen. Stellvertretend für alle Aussichtspunkte sei hier der Pointe de Penharn erwähnt. Von der D7 in einen kleinen Weg abbiegend, erreicht man einen provisorisch angelegten Parkplatz, von dort aus sind die letzten 100 Meter zu Fuß zu bewältigen. Die Aussicht ist einfach riesig. Rings herum erstrecken sich begrünte Klippen inmitten einer herrlichen Heidelandschaft und 80 Meter unterhalb des eigenen Standpunktes bricht die See an die zerklüfteten Felsen. Das Meer erstreckt sich bis zum Horizont, es ist ein schönes Gefühl, sich den Wind um die Nase wehen und die Gedanken schweifen zu lassen.
     Nächster Halt dann der Pointe de Van mit der 350 Jahre alten Kapelle St. They. Dieser Pointe ist einer der hauptsächlichen Ziele der jährlichen anreisenden Touristen. Leider hat der Strom der Besucher zu immensen Schäden an der Vegetation geführt, daher hat die Gemeinde befestigte Wege angelegt, auf denen sich der Besucher zu bewegen hat.
     Auf dem Weg zum Hauptziel des Tages, liegt die Baie des Trepasses, einem sehr schönen Sandstrand, wo in grauer Vorzeit der Legende nach die Seelen der Verstorbenen auf die Todesbarke warteten, um ins Paradies hinter dem Horizont gebracht zu werden.
     Dann ist der Pointe du Raz erreicht. Wo sonst in der Hauptreisezeit unzählige Fahrzeuge parken, geht es jetzt ruhig zu. Auch hier hat der Zustrom der Besucher unerwünschte Spuren hinterlassen, so das der Zugang reglementiert werden musste. Nachdem man den Kommerzkomplex (Andenken, Speisen, Getränke) passiert Die Leuchttürme La Ville und La Platehat, ist noch ein Weg von ca. 1,8 km zu bewältigen, entweder mit einem Shuttle oder zu Fuß. Auch von diesem Pointe ist die Aussicht herrlich. Zwischen Felsen im Wasser und der Klippe tobt das Wasser und man kann sich auch als Laie vorstellen, das das Navigieren in diesen Gewässern seine Tücken hat.
     Seit einigen Öltankerkatastrophen im Ärmelkanal dürfen Schiffe ab 90 Meter Länge hier nicht mehr fahren. Ansonsten lohnt sich eine Kletterpartie durch die zerklüfteten Felsen, das Kap wird jedoch immer schmaler und nach ca. 45 Minuten bis man am Wasser steht mit Blick auf die Leuchttürme La Ville und La Plate.

Das Ende der ErdeSpätestens hier wird deutlich, Boote am letzten Liegeplatzwoher dieses Departement den Namen Finistere, das Ende der Erde hat, denn hier endete für die frühgeschichtlichen Vorfahren die Erde. Danach kam nur noch das Meer.

Zurück führt mein Weg über Audierne und Pont-l’Abbe Richtung Concarneau. An der Ortsausfahrt der Stadt Audierne stieß ich durch Zufall auf eine heute noch im Betrieb befindliche Schiffsbauanlage. Hier wurden und werden Holzschiffe gebaut, die vor allem für den Thunfischfang verwendet werden. Während in den Hallen gebaut wird, haben ausgediente Boote ihren letzten Liegeplatz erreicht. Sie vermodern in unmittelbarer Nähe.

Halbinsel Crozon

Heute ist mein Geburtstag, den ich zum ersten Mal in meinem Leben alleine verbringen werde. Zur Feier des Tages besuche ich heute die Halbinsel Crozon. Am schnellsten zu erreichen über die N 165 bis Herrliche RastplätzeChâteaulin, dann über die landschaftlich sehr interessante D 887 bis zur Stadt Crozon. Dort wendete ich mich nordwärts über die D 355 und fuhr entlang einer wunderbaren Heidelandschaft mit den für die Küste so typischen Krüppelkiefern zum Pointe de Espagnols. 80 Meter über dem Meer ist die Hafeneinfahrt des Hafens Brest, zwei Kilometer gegenüber dem eigenen Standpunkt, zu erkennen. Vom nördlichsten Punkt der Halbinsel geht die Fahrt weiter Richtung Süden. In regelmäßigen Abständen führen kleine Wege in die Heidelandschaft Richtung Meer, die mit dem Auto problemlos zu befahren sind. Auch diese Aussichtspunkte laden zum Verweilen ein, zumindest sind es herrliche Rastplätze.

Sandstrand unterhalb der SteilklippenWeiter geht es in Richtung Camaret bis zum Pointe de Penhir, einem weiteren Touristenschwerpunkt. Ähnlich wie am Pointe du Raz wälzen sich hier in der Saison kilometerlange Autoschlangen jeden Tag heran. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt befinden sich nur etwa eine Hand voll Besucher am Pointe, die Aussicht ist auch von hier oben, ca. 80 Meter über dem Meer, atemberaubend. Wenn man Richtung Süden blickt, so ist der Pointe du Raz zu erkennen, sieht man nach Norden, so erblickt man das Festland um Brest. Auf dem Pointe stehend, fiel mir ein Sandstrand unterhalb der Steilklippen auf. Kurz nach Verlassen des Pointe führt eine kleine Straße dorthin.

Auch hier ist wie so oft an anderer Stelle ein kleiner Parkplatz angelegt, von dem man die restlichen 100 Meter zu Fuß bewältigen muss. Am Ufer stehend, ist das Umfeld grandios. Eingefasst inmitten hoher Klippen liegt Sandstrand unterhalb der Steilklippenein toller Sandstrand, der sehr flach ins Wasser läuft. Für Wanderer ist der feste Sandboden ein idealer Untergrund für ausgedehnte Spaziergänge. Für Höhlenfreunde sicherlich interessant sind die vielen größeren Öffnungen in den Steilklippen, die zum Erkunden einladen.

 Ich war von dieser Gegend so fasziniert, das ich den ganzen weiteren Tag hier am Strand sitzend und schwimmend verbrachte. Den südlichen Teil der Halbinsel konnte ich mir daher nicht mehr ansehen, weil einfach die Zeit fehlte. Von Crozon bis Kerfany sind es ca. zwei Stunden zu fahren, doch angesichts der landschaftlich sehr schönen Eindrücke die hier zu gewinnen sind, ist dieser Aufwand jederzeit gerechtfertigt.

Quimper

15 Kilometer von der bretonischen Südküste entfernt liegt die Stadt Quimper. Der Name der ältesten Stadt der Bretagne und ehemals Bischofssitz leitet sich aus dem Bretonischen »kemper« her, und steht für den Zusammenfluss der Flüsse Steir und Odet. Was an Quimper schnell auffällt, sind die vielen kleinen Brücken, die über den Odet führen. Im Sommer mit Geranienkästen geschmückt sind sie ein hübscher Blickpunkt. Was dem Besucher vor allem ins Auge fällt, ist die Kathedrale Saint-Corentin. Mit dem Bau 1240 begonnen, wurde er 1856 mit dem Errichten der Kirchturmspitze abgeschlossen. Die Kathedrale steht für Besucher offen und wer an kirchlicher Architektur interessiert ist, wird hier erfreut sein.
Gassen von Quimper     Weiter geht es in die angrenzende Altstadt. Weitestgehend verkehrsberuhigt schlendert man hier durch enge kopfsteingepflasterte Gassen, die Häuser entlang sind zum großen Teil mehrere Jahrhunderte alt. Zwar neu bemahlt, geben sie jedoch Auskunft über einen Teil bretonischer Geschichte. Natürlich haben sich in diesem Umfeld zahlreiche Geschäfte angesiedelt, hier ist von Speisen über Bekleidung und Andenken fast alles zu bekommen.
     Lohnenswert ist auch ein Besuch der Markthalle, in der hauptsächlich Obst, Gemüse, Backwaren und vor allem Fisch und nochmals Fisch zu erwerben ist. Um die Halle herum haben Händler, die Bücher und Bekleidung anbieten, ihre Stände aufgebaut. Es sind vor allem Afrikaner, die Kleidung im afrikanischen Stil hier zum Kauf anbieten. Ich habe mir hier eine afrikanische Jacke gekauft, doch wenn ich gedacht hatte, ich zeige auf die Jacke meiner Wahl, und der Kauf ist abgeschlossen, wurde ich eines Besseren belehrt. Nachdem ich mehrere Jacken anprobieren musste, mit dem Verkäufer in einem Gemisch aus Deutsch, Französisch, Englisch und seiner Landessprache die Vorzüge verschiedener Textilien beredet hatte, durfte ich schließlich die schon vorher ausgesuchte Jacke dann doch erwerben.

Back home

Entlang des HeimwegsMein letzter Tag in der Bretagne. Die Koffer sind gepackt und im Auto verstaut, ich verbringe den Vormittag am Plage de Tonez am Strand sitzend. Das Wetter beginnt sich zu ändern. Entlang des HeimwegsWährend meines gesamten Aufenthaltes war das Wetter ausgesprochen gut, es herrschten manchmal Temperaturen um die 30 °C. Auch die Wassertemperatur ist deutlich gesunken, es schwimmt kaum noch jemand im Wasser, der Winter naht.
     Ich habe in den vergangenen zwei Wochen sehr viel gesehen und erlebt. Die landschaftliche Schönheit dieser Gegend ist für mich immer wieder ein Erlebnis. Vor allem der Gegensatz zwischen den tollen Stränden einerseits und den zerklüfteten Steilklippen fasziniert mich immer wieder aufs Neue.
     Einige Eindrücke entlang des Heimweges versuche ich noch auf Film zu bannen, dann bricht die Dunkelheit herein. Es fängt an zu regnen, der erste Regen während meines Aufenthaltes, und in Belgien ist dichter Nebel aufgezogen. Ich bin froh, das ich nach zwölf Stunden Autofahrt mein Ziel erreicht habe.

Rainer Schlüter genannt Thesing

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