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Frank Lambert: Blickwechsel
Ein dramatischer Thriller in sechs Teilen und einem Prolog


6. Teil

AugeAb und zu warf der Junge einen Blick auf das Gesicht von Kranz.
     Der hatte ihm während der letzten halben Stunde eine Standpauke gehalten und ihm eingetrichtert, dass es unbedingt erforderlich sei, das Geld für mindestens ein Jahr ruhen zu lassen. Er erzählte von ähnlichen Überfällen, bei denen sie die Täter durch deren leichtsinnigen Umgang mit dem erbeuteten Geld schnell gefasst hätten. Er nannte Daten, Namen der Täter und der Ermittlungsbeamten. Referierte über Täterprofile, krankhafte Selbstdarstellung von benachteiligten Gesellschaftsmitgliedern und das Fehlverhalten von Kriminellen im Allgemeinen. Der Junge verstand wohl nicht alles, dennoch wurde sein wachsam misstrauischer Blick mit dem er Kranz ab und an bedachte immer ehrfurchtsvoller.
     Sie erreichten das Auto. Kranz ging zum Kofferraum, holte einen Ersatzkanister heraus und begann den Tank zu füllen.
     Es war also geplant, was? Sag schon, du hast es vorgehabt ihn abzuschlachten, gib's schon zu. Wann bin ich'n dran, hä, Scheiße, ich fahr nich' mit, Mann.
     Der Junge begann nervös auf und ab zu laufen. Kranz sah ihn an und hielt den Kanister schräg über den Einfüllstutzen.
     Wenn ich dich umbringen wollte, hätte ich es längst getan.
     Der Junge blieb stehen, scharrte mit einem Fuß im Dreck, starrte auf seine Schuhe und kaute nervös auf seiner Unterlippe.
     Steig ein!
     Ich weiß nich'. Wohin soll's denn gehen?
     Erstmal weg hier. Vielleicht ans Meer, ich habe schon lange nicht mehr das Donnern und Rauschen des Meeres gehört.

ENDE

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(c) 1998 by Frank Lambert. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten