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Weihnachtsmarkt
von Ralf Theinert

Kleine Büdchen gehüllt in glänzenden Schimmer,
Lebkuchen, Schokolade, Glühwein und Glimmer,
der Duft von gebrannten Mandeln und Zimt,
Musik, die erwärmt und im Herzen nachklingt.

Fröhliche Kinder mit leuchtenden Augen.
Herzen, die an das Gute noch glauben.
Ein Rausch von Gefühlen vertreibt alle Sorgen.
Gelebt wird das Heute, vergessen das Morgen.

Da werden Pelze zu Markte getragen.
Berauscht werden Sinne, gefüllt wird der Magen.
Der Zaster, er wandert, das ist so gewollt,
die Wirtschaft floriert, der Rubel, er rollt.

Zerlumpte Menschen, die am Rande steh'n,
ignoriert man, man will sie nicht seh'n,
und manch einem wird der Sinn hier so schwer,
das Glück bleibt versagt, der Magen bleibt leer.

Ein Blick in die Augen zeigt Bitterkeit.
Berührung der Herzen verstehbaren Neid.
Feststimmung erdrückt Gewalttätigkeit.
Man gibt aus verlogener Heiligkeit.

Hier paaren sich Kaufrausch und Glücklichkeit,
mit Trauer und Armut und Einsamkeit.
Der Acker des Menschseins wird auch hier nicht bestellt,
Weihnachtsmarkt, der Spiegel der Welt!

© 1998 by Ralf Theinert. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.


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