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Mein Weihnachtstraum
von Gisela Lück

Tropfen

Im Traum da ist mir das Christkind begegnet,
mit einem großen Schirm,
denn es hat furchtbar geregnet.

Es hat schwer geschimpft und sah ganz schrecklich aus.
»Bei so einem Mistwetter
bleibt man doch lieber zuhaus.«

»Doch alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit
muss ich hinunter zur Erde;
egal ob es regnet oder ob's schneit.«

Es schnieft und erzählt mir aus längst vergangenen Jahren,
da konnte man in dieser Gegend
zu Weihnachten sogar Schlitten fahren.

Es war gar mächtig kalt und es gab sehr viel Schnee
und man ging Schlittschuhlaufen
auf dem zugefrorenen See.

Und an die Fenster da zauberte der Winter aus Eis
die allerschönsten Blumen
ganz kalt und ganz weiß.

Man trug dicke Pullover und warme Socken
und abends war man froh
in der Stube zu hocken.

Man hat gespielt, gelesen und Glühwein getrunken
und ab und zu ist man auch
in Erinnerungen versunken.

Das Christkind schaut mich an mit traurigem Blick
und fragt mich ganz leise:
»Denkst auch Du manchmal zurück?«

»Denkst auch Du manchmal an vergangene Zeiten
und an die unerfüllten Träume,
die Dich durchs Leben begleiten?«

Ich schaue es an und reich ihm die Hände.
Da klingelt der Wecker;
der Traum ist leider zu Ende.

Doch meine Gedanken wandern noch oft zurück
und ich denk an das Christkind
mit dem traurigen Blick.

Und ich hör noch die Frage die ganz leis es mir stellte,
als dann ganz plötzlich
der Wecker schellte.

Ja, liebes Christkind, ich denke gern mal zurück,
aber nicht immer
mit einem Lächeln im Blick.

Ich wünsche mir, dass das Christkind bald wieder lachen kann.
Dann bau ich ihm zu Weihnachten
einen ganz dicken Schneemann.

© 2002 by Gisela Lück. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.

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