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Ingeborg Jaiser empfiehlt

»Double für eine Leiche«
von Regula Venske

BuchJerry Eisenstein, ein brillanter, spritzig amüsanter, amerikanischer Bestsellerautor wird nach Frankfurt eingeflogen, um seine deutsche Ausgabe von »Bücher, Sex und Fernsehsnacks« zu präsentieren (Parallelen zu einem ähnlich lautenden Filmtitel sind rein zufällig). Mit dabei ist Joyce Mangold, deutschstämmige Amerikanerin und zukünftige Literaturagentin des eloquenten Ostküstenautors. Was keiner weiss: die beiden verbindet eine alte Jugendliebe, aus der immerhin eine abgetriebene Schwangerschaft und eine lang anhaltende freundschaftliche Verbindung resultiert. Nach einer spektakulären Präsentation im Messeraum "Orplid" wird Eisenstein unter ungeklärten Umständen tot aufgefunden - natürlich von Joyce, die den Ermordeten kurzerhand unter der Raumdekoration verschwinden lässt und ihr Entsetzen mit einigen Bembel Äppelwoi ertränkt.
     Es folgt eine wilde, undurchsichtige Reise durch das chaotische Buchmessen-Frankfurt, der verzweifelte Versuch, den Toten (und noch weitere folgende) zu verbergen und Licht ins Dunkel des Mordfalles zu bringen.
     Trotz des enttäuschend schwachen Plots, trotz einiger allzu breit getretenener Gags und der vermissten sprachexperimentiellen Form, für die die Autorin immerhin 1997 den Lessing-Preis erhalten hat, versöhnt das Buch den Buchmessenkenner mit viel Lokalkolorit, einigen Schlüsselgestalten (so z.B. der deutschen Krimi-Mutter Ingrid Noll in Gestalt der veilchenpastillenlutschenden Charlotte Katzenmayer) und diversen Deja-Vue-Erlebnissen:
     Genau so ist es! Frankfurt, wie es leibt und lebt!

Regula Venske: Double für eine Leiche. Taschenbuch. 2000. Heyne. ISBN/EAN: 9783453173262. EUR 5,95
Regula Venske: Double für eine Leiche. Gebundene Ausgabe. 1998. Heyne. ISBN/EAN: 9783453143067. EUR 15,24

»Nie wieder! Die schlimmsten Reisen der Welt«
dargeboten von Hans Magnus Enzensberger

BuchWann immer mich eine Reiselust übermannt, der ich aus Zeit- oder Geldgründen nicht nachgehen kann, versinke ich mit Glühwein und klebrigem Knabberzeug in meiner Kissenburg und gönne mir dieses Buch. Schon nach wenigen Seiten bin ich geheilt.
     Denn diese Anthologie sammelt keine romantisch verbrämten Reisebeschreibungen, sondern mit hämischer Akribie alles an Unbill, Missgeschick und Unglück, das einem unterwegs widerfahren kann. Moderne Klassiker wie Alfred Döblin oder Joseph Roth, aber auch zahlreiche in Deutschland fast unbekannte Reiseschriftsteller des angloamerikanischen Raumes, berichten gnadenlos von den Tücken ferner Länder, fremder Sitten, abenteuerlicher Transportmittel und abstoßender Unterkünfte - mal selbstironisch, mal detailverliebt, mit der gemeinen Inbrunst des glücklich Überlebenden.
     Fünf lose nach Regionen geordnete Kapitel präsentieren erbarmungslos die Katastrophengebiete dieser Welt: Wer hätte schon vermutet, dass die Gassen jemenitischer Städte von gettoblastertragenden Jugendlichen gesäumt sind, dass das Unerträglichste an Frankfurter Hotels der ranzige ShrimpsGeruch naher asiatischer Imbissbuden sein könnte? Eines jedoch erkennt der Leser sehr schnell: die angenehmsten Reisen sind die im Kopf, abends, bei Glühwein, im eigenen, warmen, heimeligen Bett. Herrlich!

Nie wieder!: Die schlimmsten Reisen der Welt. Dargeboten von Hans Magnus Enzensberger. Taschenbuch. 2014. rororo. ISBN/EAN: 9783499258114. EUR 9,99 (Bestellen bei Amazon.de)

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