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Lutz Beuershausen empfiehlt

Die passende Literatur zum Röstbrot

oder auch andersrum

Da bin ich wieder! Voll des guten Röstbrotes. Wer wissen will, wie Belacqua sich sein Mittagsmahl zusammenstellt, der (oder die, ich kann es nicht lassen) lese WIE ES IST von Samuel Beckett. Nein, stimmt nicht, Belacqua ist die Hauptperson einer kurzen Erzählung in einem Band mit - ja, ja - Erzählungen von S. Beckett, Suhrkamp Taschenbuch (st) 2410, schöner schöner schwarzer (Existenzialismusmusmus) Einband auf typische entrückte Suhrkampweise, aber das Sprachportionenbuch WIE ES IST (denn es ist so) kann ich auch weiterempfehlen, also, wie es ist, und wem das nicht hilft, der lese MALINA, Ingeborg Bachmann, dasselbe, nur andersherum, oder wie auch immer. Übrigens, auch bei st.

Ich mache mir mein Röstbrot anders. Ich weiß nicht, welche Brotsorte Belacqua nahm, ich nehme Roggenbrot, hier bei uns in der allerallertiefsten Provinz - wie wohl - Bauernbrot geheißen. Also ein Laib, 2 Pfund schwer, länglich, wie so ein Laib Brot eben aussieht, mit 80 Prozent Roggengehalt. Ich brauche natürlich auch keinen Gaskocher, so wie Belacqua einen benutzte. Den Backofen des Elektroherdes also auf 200 Grad vorheizen, dann die Scheibe Brot hineinlegen und nach Gefühl rösten. Gelegentlich Tür auf und mit Fingerspitzen das Brot betasten. Es sollte nicht hart, sondern noch elastisch kross sein. Altes, hartes Brot wird so wieder genießbar und kann sogar einige braune, ja manchmal sogar schwarze Flecken verkraften. Auch Knuste sind gut geeignet.

Jetzt der Belag; also das Brot sei fertig: Zuerst als Eröffnung auf die nackte Brotscheibe PHILADELPHIA, sog. Frischkäse, streichen. Nicht zu dünn. Dann darüber eine im Schnitt einen (1) Millimeter starke Schicht SCHARFEN SENF, ich empfehle THOMY, streichen. Natürlich hatten wir, während wir die erste Scheibe des - wirklich guten - Röstbrotes aus dem Backofen (wer mit der Verwendung eines Toasters liebäugelt, dem ist nicht zu helfen) holten, die zweite bereits hineingelegt. Also die erste Scheibe jetzt essen. Hineinbeißen, dass es kracht, oder - wenn nicht so hart, sondern mehr elastisch geröstet - bis es brennt. Und es wird brennen. Dann, nach einer Pause, denn so schnell ist dieses Verfahren nicht, die zweite Scheibe zum Beispiel mit Wurst. Und immer an den scharfen Senf denken! Ohne den ist das Ganze sinnlos. Zum Schluss natürlich Käse, und auch diesen natürlich mit - womit wohl - ja, richtig geraten, mit scharfem Senf.

Und was das alles mit Philosophie zu tun hat? Ja, nichts natürlich. Also, weiteressen, und, meinetwegen, Beckett lesen.

Übrigens, zu o.g. Mahlzeit trinkt man natürlich Tee, ohne Milch und ohne Zucker, weil es ja sonst gar nicht mehr nach Tee schmeckt. Diesen - natürlich - mindestens fünf (wiederhole: 5) Minuten ziehen lassen.

Gut, genug aus dem Nähkästchen, wünsche auch weiterhin viel Spaß beim Philosophieren.

PS.: O.g. Erzählung von Samuel Beckett hat den Titel: DANTE UND DER HUMMER.

Samuel Beckett: Dante und der Hummer: Gesammelte Prosa. Gebundene Ausgabe. 2000. Suhrkamp Verlag. ISBN/EAN: 9783518411599. EUR 20,58 (Bestellen bei Amazon.de)

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