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Ingeborg Jaiser empfiehlt

»Der Kommunist vom Montmartre«
von Michael Kleeberg

Ein Berliner Arzt, bereits im Rentenalter, erhält Besuch von einer merkwürdigen Alten, die hartnäckig um Euthanasie bittet und schließlich im Laufe des Gesprächs zu verstehen gibt, dass sie vor Jahrzehnten dem damaligen Medizinstudenten das Leben gerettet hat.

Zwei gute Freunde betreuen die finnische Kunststudentin Tiina während ihres Deutschlandaufenthalts und verlieben sich beide in sie, der eine mit leidenschaftlicher Heftigkeit, der andere ironisch distanziert. Tiina reist ab, ohne eine Entscheidung getroffen zu haben.

Ein junger, eher unbedeutender Mitarbeiter einer Werbeagentur hat die Gelegenheit, an einer pompösen Coming-Together-Party der Branche teilzunehmen, wobei er zufällig einen der Marktgiganten persönlich kennen lernt. Doch die Annäherung zerbricht an der gestelzten Affektiertheit des Werbekönigs, noch ehe sie Form annehmen kann.

Michael Kleeberg, gebürtiger Stuttgarter, der in den frühen Achtzigern mit »Böblinger Brezeln« debütierte und nun nach längeren Auslandsaufenthalten in Frankreich lebt (wieso setzen sich eigentlich so viele deutsche Künstler ins Exil ab?), skizziert die Begegnungen scheinbar gewöhnlicher Menschen an gewöhnlichen Orten, mit kleinen, überraschenden Schlenkern ins Sonderbare. Trotz seiner feinen Beobachtungsgabe, hinterlässt er beim Leser eine doppelte Irritation: während die Storys einerseits fast ins Schwatzhaft-Ausführliche abgleiten, enden sie andererseits abrupt, ohne Pointe, ohne Happy End. Trotzdem eine anregende Bettlektüre, um in den Träumen ein eigenes Ende weiterzuspinnen…

Michael Kleeberg: Der Kommunist vom Montmartre: und andere Geschichten. Taschenbuch. 2002. Deutscher Taschenbuch Verlag. ISBN/EAN: 9783423129381. EUR 9,50 (Bestellen bei Amazon.de)

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