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»Die Nerven sind an diese Trommel dort angeschlossen«
Der »Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen« hat in seiner qualitativ einzigartigen Science-Fiction-Reihe zum zweiten Mal Lem lesen lassen. Eine Hörbuchbesprechung von Volker Wilde.
 

Frank Zappa wollte an sich Klassikkomponist werden, sah aber ein, dass er in der Popmusik mit seinen Konzepten beginnen musste, »um relevant sein zu können«. Ähnlich drückt sich auch der Pole Stanislaw Lem (*1921) aus, wenn man ihn fragt, wie es komme, dass er, der studierte Mediziner und Philosoph, ausgerechnet Science-Fiction-Autor geworden sei: So habe er seine philosophischen Gedanken ausdrücken können und werde auch gelesen! Und verfilmt. Sein Bestsellerroman »Solaris« (1964) wurde jüngst mit George Clooney in der Hauptrolle zum zweiten Mal für das große Kino aufbereitet. Lem selbst ließ sich davon erzählen und sagte, was die Kritiker auch sagten: Wieder nicht gelungen!

Wechseln wir das Medium und springen zum Hörbuch: Der »Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen« hat jetzt zum zweiten Mal Texte von Lem lesen lassen. Und zum 2. Mal ist das Ergebnis entzückend. Zuerst las Michael Schwarzmeier die »Robotermärchen« auf 4 CDs. Jetzt sind mit ihm die »Sterntagebücher - Aus den Erinnerungen Ijon Tichys« erschienen. Nicht zu verwechseln mit den Storys »Aus den Sterntagebüchern Ijon Tichys«. Denn es gibt Buchausgaben, die alle Storys unter dem Titel »Sterntagebücher« zusammenfassen.

Wir hören also nicht von fernen Galaxien, sondern von Besuchern des Tichy, von »verkannten Erfindern und Gelehrten«. Und hier legt Lem los und lässt Tichy Gelehrte treffen, die das ultimativ Denkbare technisch umsetzen. Die Gehirnströme einer Frau lässt da ein Erfinder in einem Kristall kursieren, damit sie das ewige Leben habe. Ein anderer erzeugt in metallenen Kisten ganze Gesellschaften, die miteinander leben, sich verlieben, sich streiten, auseinander gehen. Der Erfinder ist ein Gott, der eingreifen, den Weg seiner Wesen steuern kann. Ein anderer Gelehrter kommt mit einer Kiste zu Tichy, einem Zeitvehikel. Und Lem lässt seinen Tichy mit jedem Erfinder lange Dialoge führen, die die philosophischen Tiefen ihrer Entwicklungen durchschreiten. Und Lem ist witzig, Lem ist sarkastisch, Lem verblüfft, Lem unterhält. Und er wird von Tag zu Tag vor allem eines: Aktueller.

Nachdem der »Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen« im Rahmen seiner in Deutschland qualitativ einzigartigen Science-Fiction Reihe fünf Veröffentlichungen hat, nämlich: H.G. Wells »Die Zeitmaschine«, Ray Bradbury »Mars-Chroniken«, Ray Bradbury »Fahrenheit 451«, Stanislaw Lem »Robotermärchen« und »Sterntagebücher« wäre es prickelnd zu wissen, ob auch Philip K. Dicks »Blade Runner« (denn der Roman ist besser als der hervorragende Film) oder einige seiner Erzählungen auf der Liste stehen, Douglas Adams hinreißende Prosa einfach mal gelesen wird, Alfred Bester oder Isaac Asimov mal ins Visier geraten. Ich bin gespannt.

Herbert G. Wells, Martin M. Schwarz, Hans Eckardt: Die Zeitmaschine, 4 Audio-CDs. Audio CD. 2000. Hörbuchproduktionen. ISBN/EAN: 9783896141996. EUR 29,00

Ray Bradbury: Die Mars- Chroniken. 7 CDs. Sprecher- Hans Eckardt. Audio CD. 2000. Hörbuchproduktionen. ISBN/EAN: 9783896140906. EUR 25,90

Ray Bradbury, Hans Eckardt: Fahrenheit 451: Ungekürzte Lesung. Audio CD. 2001. Hörbuchproduktionen. ISBN/EAN: 9783896142061. EUR 23,90

Stanislaw Lem: Robotermärchen: Ungekürzte Lesung. Audio CD. 2001. Hörbuchproduktionen. ISBN/EAN: 9783896142368. EUR 13,90

Stanislaw Lem: Sterntagebücher: Aus den Erinnerungen Ijon Tichys - Die Anstalt des Dr. Vliperdius. Audio CD. 2003. Hörbuchproduktionen. ISBN/EAN: 9783896142672. EUR 7,50


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