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Horror-Kitsch in der Textkritik: Überflüssige Wörter und hilfloses Übertreiben

„Quantenphysik!“, wispert der Nachtmahr auf Lillys Brust. Die roten Augen mit den sternförmigen Pupillen glitzern, der groteske Körper ist so schwer wie ein Felsbrocken, raubt ihr den Atem.
Lilly starrt auf den hässlichen Dämon, versucht sich einzureden, dass dies nur ein schrecklicher, viel zu realistischer Traum [1] ist. Sie hat aufgehört, sich zu wehren, gegen das Monster anzukämpfen [2], denn mit jedem Versuch wird es nur noch schwerer, erdrückender [3].
„Quanten … was?“ keucht sie. Sie muss Zeit gewinnen. Einen Plan aushecken, um dem Nachtmahr zu entkommen, aber in ihrer Panik schafft sie es kaum, einen klaren Gedanken zu fassen [4].
„Quantenphysik!“, wiederholt der Nachtmahr ungerührt. „Eine Art von sich selbst erfüllender Prophezeiung. Seit grauer Vorzeit habt ihr Menschen Angst vor tausend Dingen. Vor Göttern. Monstern. Kobolden. Nachtmahren, wie man uns früher auch nannte.“
„Ich verstehe nicht …“, keucht Lilly.
„Hätte mich auch gewundert.“ Der Nachtmahr bewegt seine großen, krallenbewehrten Füße, und der Druck auf Lillys Brustkorb nimmt weiter zu, wird vernichtend. Noch ein wenig mehr, und ihre Rippen werden brechen wie dürre Äste [5].
„Eure Angst ist eine Form der Energie, verstehst du?“, flüstert der Nachtmahr. „Und jene Energie, ausgestrahlt von Millionen von Menschen über tausende von Jahren, beginnt sich zu verdichten. Sickert aus der Dimension der Möglichkeiten in das materielle Universum. Und nun bin ich hier.“
Lilly schaut in das schreckliche, grobschlächtige Gesicht, in die unmöglich roten Augen [6].
„Warum ich?“, stöhnt sie.
„Weil du an mich glaubst.“ Der Nachtmahr schürzt die wulstigen Lippen. „Und zwar mehr als viele junge Mädchen deines Alters. Du bist eine Art … Portal, verstehst du? Ein Zugang für Wesen wie mich. Und wenn ich dich jetzt dann gleich töte [7], bleibt dieser Zugang, dieses Tor weit offen — und ich kann in eure Dimension gelangen, wann immer ich will.“
Lilly atmet tief ein, so tief es mit diesem schrecklichen Gewicht [8] auf der Brust geht. Wenn sie sich wie eine Feder anspannt und dann ihre ganze Kraft auf einmal freisetzt, kann sie das Monster vielleicht abwerfen, davonrennen, um Hilfe schreien …
„Vergiss es!“, haucht der Nachtmahr, und der Druck wird stärker, unerträglich [9]. „Du glaubst nicht wirklich daran, dass du mich besiegen kannst — und somit kannst du es auch nicht. Du wirst sterben. Jämmerlich ersticken, während ich dir dabei in die Augen sehe. Und wenn der Gerichtsmediziner dich dann morgen seziert, wird es aussehen, als hätte dein Herz einfach zu schlagen aufgehört. Selten, in deinem Alter, aber es kommt vor.“
Lillys Widerstand erschlafft. Der Dämon hat Recht. Sie glaubt an ihn — fühlt es mit jeder erdrückenden Sekunde [10]! — und nein, sie glaubt nicht daran, dass sie ihn besiegen kann. Sie wird heute Nacht sterben, wahrscheinlich in den nächsten Minuten.
Die Erkenntnis bringt eine lähmende innere Leere [11]. Tränen rinnen über ihre Wangen, während sie nach Atem ringt.
„Bitte!“, keucht sie. „Geh einfach …“
„Keine Chance. Ich bin hier, um dir deine Lebensenergie abzusaugen.“
Die Wut kommt unerwartet. Lilly ballt die Fäuste und beginnt, von der Seite auf den Nachtmahr einzuschlagen, auf seine groben Arme, seine angewinkelten Beine. Die Haut des Dämons fühlt sich an wie die eines Krokodils, rau und unangenehm warm. Lilly zwingt einen tiefen Atemzug in ihre Brust, doch statt eines Schreis kommt nur ein heiseres Krächzen. Ihre Eltern im Zimmer nebenan können sie nicht hören [12].
„Macht dir das eigentlich Spaß, du Missgeburt?“ presst sie hervor.
Der Nachtmahr runzelt die fliehende Stirn. Schweigt. Scheint über die Frage nachzudenken.
„Spaß … keine Ahnung. Woher soll ich das wissen?“
Lilly schaut ihn entgeistert an, ihr Atem gequält und flach. „Was?“
„Woher soll ich das wissen?“ wiederholt der Dämon. „Ihr Menschen habt euch ein Bild geschaffen. Von einem Monster, einem Nachtmahr, der sich nachts auf Schlafende setzt, ihnen den Atem, den Seelenfrieden und schließlich das Leben raubt [13]. Aber keiner hat sich je Gedanken darüber gemacht, ob mir das Spaß machen sollte!“
Lilly schließt die Augen. Öffnet sie blinzelnd wieder. Ihre Lebenskraft nimmt mit jeder Sekunde ab [14].
„Ich glaub’s einfach nicht.“ Sie atmet röchelnd durch. „Du tust einfach das, was man von dir denkt, ohne es zu hinterfragen? Ohne wissen zu wollen, ob das Ganze einen … einen Sinn ergibt?“
Wieder scheint der Dämon nachzudenken. „Interessante Frage!“, sagt er. „Wahrscheinlich tue ich das tatsächlich.“
„Und?“ sagt Lilly. „Könntest du das nicht ändern?“
„Ändern?“ Die roten Augen des Nachtmahrs werden zu Schlitzen. Er schaut sich um, als wäre ihm auf einmal nicht mehr so richtig wohl. „Wie sollte ich die Situation ändern? Und warum?“
„Du hast die Wahl!“, sagt sie matt. „Du kannst weiterhin Dinge tun, von denen du nicht mal weißt, ob sie dir Spaß machen, nur, weil man es von dir erwartet. Oder“ — ein gequälter Atemzug — „du machst dich frei von den Erwartungen der anderen. Tust das, was dich erfüllt.“
Der Druck auf Lillys Brust nimmt zu, und ihre Augen quellen hervor [15], während sie verzweifelt nach Luft ringt. Es macht ihm Spaß, denkt sie panisch. Oh Gott, es macht ihm wirklich Spaß!
Plötzlich ist das Gewicht weg.
Lilly sitzt im Bett auf, atmet keuchend durch. Vor dem offenen Fenster bewegt sich der Vorhang — und hängt dann wieder ruhig [16].

© 2016 by Yves Patak [18]. Unerlaubte Vervielfältigung oder Weitergabe - gleich welcher Art - verboten.
Zusammenfassende Bewertung [19]

Grauslich zusammengepfuschter Horror-Kitsch
Da passt gar nichts zusammen, kann auch nicht, denn da wird nur wild herumgeblödelt. Zu verbessern ist auch nichts, das kann man nur löschen.
PS: Ich habe mir erlaubt, den Schweizer Sprach- und Schreibgebrauch dem Hochdeutschen anzupassen.

Die Kritik im Einzelnen [20]

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Ja was denn jetzt: Muss sie Zeit gewinnen, um einen Plan auszuhecken, um dem Nachtmahr zu entkommen? Kann sie nicht einfach einen Plan aushecken zu diesem Zweck? Und wozu all diese albernen Überlegungen, wenn sie es kaum schafft, einen klaren Gedanken zu fassen?
Löschte man diesen Abschnitt, würde ein Leser jedweden Geschlechts nichts vermissen! zurück [24]

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Der Nachtmahr hat ein schreckliches & grobschlächtiges Gesicht, und seine Augen sind unmöglich rot, an die sternförmigen Pupillen hat sich Lilly offenbar gewöhnt. Was aber ist ein schreckliches Gesicht? Grobschlächtig kann ich mir vorstellen, schrecklich hingegen ist schrecklich nichtssagend. Und was ist ein unmögliches Rot, wenn es doch möglich ist, Lilly sieht es schließlich?
Dieser Pfusch darf ersatzlos gestrichen werden! zurück [26]

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Munter weiter mit diesem hilf- und substanzlosen Wörtergewimmel: War der Druck vorhin vernichtend, dann nur noch schrecklich, so wird er jetzt wieder stärker – jedoch selbstverständlich ohne dass Lillies Rippen endlich brechen, wie der Erzähler versprochen hatte.
Je nun: Was geht einen Erzähler auch sein Geschreibsel von vorher an! zurück [29]

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Bei jedem Menschen nimmt die Lebenskraft seit Geburt mit jeder Sekunde ab: Was ist da so besonders, dass es bei Lilly extra erwähnt werden muss? Und wann stoppt diese Abnahme, schließlich lebt Lilly ja heiter weiter?
Das soll vermutlich bloß dramatisch und spannend sein, steckt aber leider zu tief im Allerwertesten des Kitsches. zurück [34]

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