Peinlich hoch zehn: Holtzbrinck-Verlage wollen Web-Experten nicht bezahlen

Ja, so sind sie, die Verlage und so ist ihre Weltsicht: Google ist böse, weil die Amis Bücher ohne zu fragen scannen. Und das bestehende Urheberrecht ist böse, weil die Urheber nicht mehr gerecht entlohnt werden. Und Raubkopierer, die alles kostenlos und umsonst wollen, sind ohnehin das personifizierte Böse, denn sie treiben Verlage und Urheber erst recht in den Ruin.

Oder noch kürzer: Das Internet ist böse!

Also will man das Web bei den Verlagen des Holtzbrinck-Konzerns mal etwas genauer kennenlernen. Daher kommen die Geschäftsführer so namhafter Konzernverlage wie S. Fischer, Rowohlt, DroemerKnaur, Kiepenheuer & Witsch sowie Argon am 21.09.2009 am Stammsitz des Konzerns in Stuttgart zusammen. Praktischerweise gleich an der Hochschule der Medien, da wird die eigene Kostenstelle für die Raummiete nicht belastet und die Hochschule fühlt sich geehrt. Schließlich war der einladende Professor zuvor selbst zwei Jahre »Senior Project Manager bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck«. Da kennt man sich.

Und dann lässt man die besten »Social Media Experten« kommen. Die werden dann »für 3-4 Stunden gebraucht«, wie es im Text der Ausschreibung (siehe Screenshot) zu lesen ist. Danach winkt man sie sicher mit einer diskreten Handbewegung aus dem Raum.

Und was zahlt der Konzern für das Expertenwissen? Nix!

Halt, hat man da sicher gesagt, das können wir auch nicht machen. Den Wilden im Urwald hat man doch auch Glasperlen gegeben. Also bekommen die Experte ein paar Buchpakete aus der Abschreibungsmasse. Da werden die sich dann drüber freuen und artig bedanken.

Und wie die spanischen Eroberer die Wilden mit blinkenden Rüstungen beeindruckt haben, so sollten die Experten von den Geschäftsführern der Verlage beeindruckt sein und sie »hautnah kennenlernen und in einem Strategie-Workshop live erleben«. Wow!

Geistige Arbeit muss sich wieder lohnen? Quatsch, sagt man bei Holtzbrinck, wenn wir »einen Nachmittag lang in verschiedenen Arbeitsgruppen Aspekte der Community-Nutzung diskutieren und Handlungsfelder für Verlage identifizieren«, dann haben uns die Experten ihr Wissen gefälligst kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Klares Signal der Holtzbrinck-Verlage: Geistige Arbeit ist nichts wert

Klares Signal der Holtzbrinck-Verlage: Geistige Arbeit und Expertenwissen ist uns nichts wert. Diese Internet-Fuzzis sollen doch froh sein, wenn wir sie zu uns einladen.

»Ihre Stimme zählt, Sie arbeiten aktiv mit.« Das klingt gut, das sollte doch schließlich Lohn genug sein.

Eine Art der modernen Sklavenhaltung, bei der es den Verlagen nicht mal peinlich ist, dass sie sich dazu öffentlich im Internet bekennen (siehe Screenshot).

Denn das Schlimme wird sein: Die selbst ernannten Experten und Berater werden sich zuhauf melden.

Dabei wäre es durchaus wünschenswert, wenn die Experten am 21. September nach Stuttgart kommen, doch sollten sie dann vor den Toren der Hochschule gegen einen solchen Ausverkauf des Expertenwissens protestieren und bei Holtzbrinck einmal nachfragen, warum die Verlage geistige Arbeit, wenn sie nicht zwischen Buchdeckel gepresst ist, plötzlich so gering schätzen.

Ein Kommentar von Gero von Büttner