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Beitrag vom 28. August 2009 | Rubrik: Literarisches Leben, Notizen

Peinlich hoch zehn: Holtzbrinck-Verlage wollen Web-Experten nicht bezahlen

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Holtzbrinck-Verlage: Honorar gibt es keinesJa, so sind sie, die Verlage und so ist ihre Weltsicht: Google ist böse, weil die Amis Bücher ohne zu fragen scannen. Und das bestehende Urheberrecht ist böse, weil die Urheber nicht mehr gerecht entlohnt werden. Und Raubkopierer, die alles kostenlos und umsonst wollen, sind ohnehin das personifizierte Böse, denn sie treiben Verlage und Urheber erst recht in den Ruin.

Oder noch kürzer: Das Internet ist böse!

Also will man das Web bei den Verlagen des Holtzbrinck-Konzerns mal etwas genauer kennenlernen. Daher kommen die Geschäftsführer so namhafter Konzernverlage wie S. Fischer, Rowohlt, DroemerKnaur, Kiepenheuer & Witsch sowie Argon am 21.09.2009 am Stammsitz des Konzerns in Stuttgart zusammen. Praktischerweise gleich an der Hochschule der Medien, da wird die eigene Kostenstelle für die Raummiete nicht belastet und die Hochschule fühlt sich geehrt. Schließlich war der einladende Professor zuvor selbst zwei Jahre »Senior Project Manager bei der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck«. Da kennt man sich.

Und dann lässt man die besten »Social Media Experten« kommen. Die werden dann »für 3-4 Stunden gebraucht«, wie es im Text der Ausschreibung (siehe Screenshot) zu lesen ist. Danach winkt man sie sicher mit einer diskreten Handbewegung aus dem Raum.

Und was zahlt der Konzern für das Expertenwissen? Nix!

Halt, hat man da sicher gesagt, das können wir auch nicht machen. Den Wilden im Urwald hat man doch auch Glasperlen gegeben. Also bekommen die Experte ein paar Buchpakete aus der Abschreibungsmasse. Da werden die sich dann drüber freuen und artig bedanken.

Und wie die spanischen Eroberer die Wilden mit blinkenden Rüstungen beeindruckt haben, so sollten die Experten von den Geschäftsführern der Verlage beeindruckt sein und sie »hautnah kennenlernen und in einem Strategie-Workshop live erleben«. Wow!

Geistige Arbeit muss sich wieder lohnen? Quatsch, sagt man bei Holtzbrinck, wenn wir »einen Nachmittag lang in verschiedenen Arbeitsgruppen Aspekte der Community-Nutzung diskutieren und Handlungsfelder für Verlage identifizieren«, dann haben uns die Experten ihr Wissen gefälligst kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Klares Signal der Holtzbrinck-Verlage: Geistige Arbeit ist nichts wert

Klares Signal der Holtzbrinck-Verlage: Geistige Arbeit und Expertenwissen ist uns nichts wert. Diese Internet-Fuzzis sollen doch froh sein, wenn wir sie zu uns einladen.

»Ihre Stimme zählt, Sie arbeiten aktiv mit.« Das klingt gut, das sollte doch schließlich Lohn genug sein.

Eine Art der modernen Sklavenhaltung, bei der es den Verlagen nicht mal peinlich ist, dass sie sich dazu öffentlich im Internet bekennen (siehe Screenshot).

Denn das Schlimme wird sein: Die selbst ernannten Experten und Berater werden sich zuhauf melden.

Dabei wäre es durchaus wünschenswert, wenn die Experten am 21. September nach Stuttgart kommen, doch sollten sie dann vor den Toren der Hochschule gegen einen solchen Ausverkauf des Expertenwissens protestieren und bei Holtzbrinck einmal nachfragen, warum die Verlage geistige Arbeit, wenn sie nicht zwischen Buchdeckel gepresst ist, plötzlich so gering schätzen.

Ein Kommentar von Gero von Büttner

11 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Karin Janner schrieb am 28. August 2009 um 17:30 Uhr

    Nicht nur, dass sie nichts bezahlen – die Experten müssen sich mit Motivationsschreiben und Lebenslauf bewerben, um den hohen Leuten 4 Stunden dienen zu dürfen… Hält man so eine Überheblichkeit für möglich??!

    Wer wird sich denn auf so was melden, wahrscheinlich nicht viele ernst zu nehmende Experten, sondern ein Haufen Studis und Jung-Checker. Und dann heißt es nach dem Workshop: “dieses Social Media Zeug ist auch nicht so toll wie alle tun…”

  2. Uklatsch schrieb am 28. August 2009 um 18:46 Uhr

    Randnotiz: Eine Schlagzeile auf dem Niveau von BILD oder Dieter Bohlen hätte ich dem Literaturcafe nun eher nicht zugetraut. “Peinlich hoch zehn” ist stilistisch schon eine recht schwache Überschrift.
    Aber dies – wie gesagt – nur am Rande…

  3. Hansi schrieb am 28. August 2009 um 18:55 Uhr

    Prekariat 2.0. Die Universitäten sind voll davon, daher ist das Problem kein holtzbrinckexklusives.

  4. Kai schrieb am 28. August 2009 um 21:48 Uhr

    Bei diesem Kommentar ist nicht nur die Überschrift auf BILD-Niveau. Entrüstung über den Versuch von Holtzbrink ist in Ordnung, da habe ich nichts dagegen. Aber Sklavenarbeit? Herr von Büttner sagt doch selbst, dass sich die Experten in Scharen melden werden. Glauben Sie, Sklaven melden sich freiwillig zu ihren Diensten? Ich nicht. Herr Büttner schießt mit Kanonen auf Spatzen.
    Und glauben Sie nicht, dass die Holtzbrink-Konzerne AUCH Geld für Berater zahlt? Die versuchen hier, was für lau zu bekommen, und das dürfen Sie gerne peinlich finden. Aber – ohne irgendwelche Interna von Holtzbrink zu kennen – bin ich aufgrund einer gewissen Branchenkenntnis 100% sicher, dass in diesem Konzern durchaus auch Geld für qualifizierte Beratung und Input, auch im Internet, bezahlt wird.
    Wissen Sie, was ich “peinlich hoch zehn” finde? Wenn man Einzelaspekte herauspickt, diese als alleiniges Merkmal für eine Person / einen Betrieb / eine Gesellschaft hinstellt und sich dann darüber aufregt. Ein bisschen mehr ausgewogene Betrachtung, bitte.

  5. Ute schrieb am 29. August 2009 um 09:15 Uhr

    Diese “Einladung” ist doch nichts weiter als eine große Bankrotterklärung der Verlage. “Sie kennen studiVZ genauso gut wie Ildikó von Kürthy?” schreiben die am Beginn. Wer sollte studiVZ besser kennen als Holtzbrinck! Denen gehört doch der Laden. Die haben das doch für viel viel Kohle selbst gekauft. Und die konzerneigenen Verlage werben dort doch schon oder veranstalten Plauderrunden mit den eigenen Autoren. Funktioniert nur leider alles nicht so richtig.
    Wie machen wir mit studiVZ mehr Kohle? Darum geht es hier doch einzig und allein. Facebook überrennt gerade alles und da will man noch rausholen, was man rausholen kann. Und damit die noch mehr Kohle machen können, suchen die jemandem, der ihnen ohne Kohle das verrät.
    Ich könnte kotzen über so viel Arroganz und Selbstgefälligkeit!

  6. der toby schrieb am 31. August 2009 um 06:00 Uhr

    Eine Ähnliche Praxis ist in der Softwarebranche seit längerer Zeit üblich. Als die OpenSource-Bewegung Ende der 1990er Jahren immer Beachtung fand, äußerten sich einige große US-Konzerne begeistert über die Bereitwilligkeit der Entwickler, die eifrig Treiber für deren Hardware auf andere Betriebssysteme portierten. Dieses Verhalten begrüßte die OpenSource-Bewegung eher als Akzeptanz ihrer Arbeit. Anerkennung und Anhörung waren das Zahlungsmittel.
    Mittlerweile ist Linux Bestandteil vieler IT-Konzepte. V
    Vielleicht ließe sich aus diesen Erfahrungen Ansätze für die Verlagsbranche ableiten.

  7. ähem schrieb am 31. August 2009 um 08:07 Uhr

    Holtzbrinck eben. Was war zu erwarten?? Und Kiwi soll mal den Ball ganz ganz flach halten.

  8. Jo Richter schrieb am 1. September 2009 um 01:56 Uhr

    Der Stil des Einladungsschreibens wäre eine eigene Analyse wert. “Hemdsärmelig” will man ambitionierte Mitglieder einer imaginierten Zielgruppe aktivieren, zugleich aber nicht allzu unseriös daherkommen – “Onkel Dittmeyer”. Hier wird auf ebenso leichtfertige Weise mit adoleszenten Träumen gespielt wie in den Casting-Shows. Auch dort werden ja nicht einmal Fahrtkosten offeriert, zugleich aber “Motivation” gefordert. “Bieg dich Bäumchen, ich will dich pflücken” – aber wundere dich nicht, wenn wir nachher satt sind und du kahlgefressen.

  9. Annorra schrieb am 2. September 2009 um 08:52 Uhr

    Ich kann dieses Expertengesuches des Verlages kaum als Suche nach wirklich erfahrenen Experten lesen. Wie die erste Kommentiererin hier schon sagte: Das ist mehr für Studenten und dergleichen gedacht. Man könnte sagen, als Arbeitsseminar oder als kleines Praktikum für Studenten, als Referenz, mit der sie dann in ihren Lebenslauf schönen können. Hört sich ja gut an: “Ich war Web-Experte für den Holztzbrinck-Verlagskonzern”. Und wenn der Konzern nicht allzu viel Ahnung vom Internet hat, ja, da kann so ein Student leicht den Experten markieren.

    Dennoch: Unverschämt bleibt es, dafür kein Honorar zu zahlen bei dem, was gefordert wurde. – Nur weil ein Verlag kein Geld vom Autor verlangt, ist er eben noch lange nicht fair. Dieser Vorfall ist einer unter vielen, der das beweist.

  10. ähem schrieb am 2. September 2009 um 09:45 Uhr

    mittlerweile ist die Ausschreibung nicht mehr öffentlich einsehbar. Interessant

  11. Gilli schrieb am 30. September 2009 um 22:14 Uhr

    Habe gerade gehört, dass auch das Bauhaus-Museum davon ausgeht, dass Grafiker sich Ehre erwerben, wenn sie umsonst arbeiten.

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