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Hilft oder schadet eine E-Book-Veröffentlichung bei der Verlagssuche?

Verlagsvertrag

Hilft oder schadet es bei der Verlagssuche, wenn man als Self-Publisher sein Werk bereits in Eigenregie als E-Book veröffentlicht hat? Schmälert eine bereits vorhandene E-Book-Ausgabe die Chancen auf einen Verlagsvertrag?

Es kommt auf die Verlagsgröße an, meint Andreas Exner vom kleinen Storyhouse Verlag in einem Gastbeitrag fürs literaturcafe.de.

Die Frage, inwieweit eine bereits erfolgte E-Book-Veröffentlichung die Chancen auf einen Verlagsvertrag beeinflusst, hängt vor allem von den Geschäftsmodellen der Verlage ab. In großen Verlagen kann es durchaus Strategie sein, das selbst verlegte E-Book als Markttest zu betrachten. Wenn dieser positiv ausfällt, ist der Schritt zur Taschenbuchausgabe dann zumindest in Blickweite, da das verlegerische Risiko bzw. die verlegerische Chance besser vorhersagbar ist.

Eine Frage der Sichtbarkeit

In sehr großen Verlagen kommt vor der Chancen-Risiko-Bewertung eines Titels noch eine ganz andere Hürde, nämlich schlicht die Sichtbarkeit eines Titels. Ein E-Book hat eine ganz andere Chance auf Wahrnehmung und Sichtbarkeit als sein Pendant auf Papier über den klassischen Einsendeweg – und bevor man ein Manuskript bewerten kann, muss man es überhaupt erst mal auf dem Radar haben. Bekanntermaßen sehr früh in dieses Geschäftsmodell eingestiegen ist Droemer Knaur, die zugehörige Plattform heißt Neobooks [1] und ist vielen Autoren, die mit dem elektronischem Self-Publishing liebäugeln, ein Begriff. Andere Große haben nachgezogen, stellvertretend sei die Beteiligung von Bastei Lübbe an Bookrix genannt.

Also kann eine Vorabveröffentlichung im E-Book-Format den Chancen auf einen Printbuch-Vertrag so abträglich nicht sein? Vor einiger Zeit hat Juliane Reichwein vom Neobooks-Team in einem Interview von ca. 80 Autoren gesprochen, die es in der Droemer Knaur Gruppe bereits vom selbstverlegten E-Book zum Printvertrag geschafft haben. Das ist ziemlich viel bei etwa 12.000 – 15.000 E-Books, die auf Neobooks derzeit lieferbar sind. Rein statistisch liegt die Chance für einen Neobooks-Self-Publisher auf einen Printvertrag damit bei etwa 1/150 bis 1/200. Das ist deutlich höher, als die Chancen über den klassischen Einsendeweg in der Belletristik sind. Für den gibt es naturgemäß keine verlässlichen Zahlen, weil niemand das Heer der abgelehnten Manuskripte zählen kann, und wenn man es doch versuchen würde, die Gefahr der Doppelzählung immens wäre. Aber selbst die positivsten Schätzungen kommen nicht über 1/1000 hinaus, und vermutlich sieht die Wahrheit eher noch einen Tick düsterer aus.

Kleine Verlage tun sich schwer

In der Tat ist damit dieser Weg für viele Autoren interessant und empfehlenswert. Es gibt aber auch eine Kehrseite. In vielen kleineren Verlagen sieht die Welt nämlich ein bisschen anders aus. So tut sich der Storyhouse Verlag [2] – wie viele andere unabhängigen Verlage – zum Beispiel sehr schwer, ein Angebot für einen Printvertrag zu machen, wenn der Titel vom Autor bereits als E-Book veröffentlicht wurde.

Warum ist das so? Da gibt es verschiedene Gründe:

Unter dem Strich führt daher in kleinen und mittleren Verlagen eine bereits veröffentlichte E-Book-Ausgabe in der Regel zur Ablehnung eines Projekts (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel). In großen Häusern kann es genau umgekehrt sein. Hier ist ein erfolgreich veröffentlichtes E-Book mit interessanten Erstverkaufszahlen oftmals erst das Entree, um den Schritt in die analoge Buchwelt zu machen (wobei es auch hier genügend Ausnahmen von der Regel gibt).

Die Unterschiede kennen

Wichtig ist, dass sich Autoren der Unterschiede bewusst sind. Auf dieser Basis kann jeder das Vorgehen wählen, von dem er sich den größten Erfolg verspricht. Nicht zuletzt ist also für einen Autor die Frage interessant: Wo hat mein Manuskript seine Chance? Zu welchem Verlagstyp passt mein Projekt? Für wen ist meine Story interessant? Setze ich eher auf die Handvoll »Big Player« im Markt, oder versuche ich mein Glück bei den mehreren hundert kleinen und mittleren Häusern?

Man sieht: Die Arbeit eines Autors ist mit Abschluss des letzten Korrekturdurchgangs noch lange nicht zu Ende. Was das Thema Veröffentlichung betrifft, fängt sie gerade erst an!

Andreas Exner

Andreas Exner ist Geschäftsführer des Storyhouse Verlags [2], der 2010 in Stuttgart gegründet wurde. Der junge Belletristik-Verlag steht nach eigener Aussage »für flotte Unterhaltungsliteratur, die Spaß macht«. Ein Programm-Schwerpunkt sind Kurzgeschichten im modernen Gewand und innovative Episodenromane. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Romanen im Bereich Humor und Satire. Für das literaturcafe.de berichtete der Verlag bereits 2011 – lange vor dem Self-Publishing-Boom – über die ersten E-Book-Verkaufserfahrungen [4] bei Amazon und 2013 über die Erfahrungen eines Kleinverlags mit Amazons Print-on-Demand-Service »Create Sprace« [5].