Hermann Hesse ist tot! – Ein Videobeweis aus Calw im Schwarzwald

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Er war der König des Kitsch’, ein düsterer Paulo Coelho des frühen 20. Jahrhunderts: Heute vor 50 Jahren starb Hermann Hesse. Sein Freund Thomas Mann hatte das Komitee in Stockholm so lange genervt, bis der Nudist aus dem Schwarzwald sogar den Nobelpreis bekam. Grund genug, um uns mit der Videokamera dort umzusehen, wo der literarische Selbstmordliebhaber im Jahre 1877 geboren wurde: in Calw im Schwarzwald.

Doch obwohl der Anzugträger seit einem halben Jahrhundert tot ist, lebt er künstlerisch gesehen noch weitere 20 Jahre in Gefangenschaft.

Hermann Hesse und Calw an der Nagold – Das Video

Wer Hesse lesen will, muss zahlen

Erst siebzig Jahre nach dem Tode Hermann Hesses, am 9. August 2032, werden seine Werke allgemeinfrei. Bis dahin verdienen der Suhrkamp Verlag und Hesses Erben gut am Missionarssohn aus dem Württembergischen. Wer beispielsweise sein berühmtestes Gedicht »Stufen« öffentlich aufsagen will, der muss dafür zahlen.

Und so hängen auch in Calw zum Jubiläumsjahr überall Hesse-Gedichte mit dem Vermerk © Suhrkamp Verlag. Und wer den Verlag kennt, der weiß, dass man dort illegale Verwendungen recht konsequent abmahnt. Hesse gehört nicht der Allgemeinheit, Hesse gehört dem Verlag.

Das ist bedauerlich, denn bei Hesse ist sehr gut vorstellbar, dass viele Künstler seine Werke aufgreifen, sie vertonen, dramatisieren oder auf andere Art weiterleben lassen würden. Doch das bleibt ohne Genehmigung der Rechteverwalter noch 20 Jahre verboten. Schade!

So bleibt Hesse rechtlich »geschützt« toter als er tatsächlich sein könnte.