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Hans Leyendecker über Die große Gier, Journalismus und Weblogs – Buchmesse-Podcast 2007

Die große GierAuch wenn er sich bescheiden nicht so sieht, gilt Hans Leyendecker als einer der besten Journalisten Deutschlands. Allein oder im Team deckte er viele der großen Affären auf, so z. B. die um Flick, Lambsdorff, Späth, Barschel oder Kohl. Achtzehneinhalb Jahre lang war er beim SPIEGEL, seit geraumer Zeit ist er leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung.

In seinem neuen Buch »Die große Gier« beschreibt er minutiös, wie die großen Wirtschaftsskandale der letzten Zeit abliefen: Siemens und VW. Aber auch unbekanntere bei IKEA oder Infineon werden seziert. Gerade die Vorgänge bei Siemens haben einen nachhaltigen Einfluss auf die deutsche Konzernlandschaft. Leyendecker beschreibt zudem die nahezu unglaublich entrückte Wirklichkeitswahrnehmung des Peter Hartz. Wirklich tragische Schicksale findet man dahingegen bei denen, die – aus unterschiedlichen Gründen – den Mut haben, die Skandale im eigenen Unternehmen ans Licht zu bringen (die sogenannten »Whistleblower«).

Wenn wir einen solch renommierten Journalisten wie Leyendecker vor dem Mikro haben, nutzen wir natürlich die Gelegenheit, seine Einschätzung bezüglich Weblogs zu hören (ab Minute 15:20 bzw. als eigene MP3-Datei). Sind sie eine weitere Kontrollinstanz für den Journalisten? Leyendecker sieht dies kritisch und bescheinigt Blogs keine allzu große Relevanz. »Leute, die in Blogs schreiben, sind zum Teil antidemokratisch. (…) Ein Großteil [von Blogs], den ich lese, ist zynisch, ist verachtend, ist böse, ist gegen jedermann.« Die meisten besäßen eine Form, »die von der Vorverachtung lebt«. Jedoch schert Leyendecker nicht alle Blogs über einen Kamm: Was beispielsweise Stefan Niggemeier [1] mit dem BILDblog [2] mache, sei so verdienstvoll wie kaum etwas. Aber kann Leyendecker sich ein Süddeutsche-Blog vorstellen, das sich kritisch mit seiner Arbeit und der seiner Kollegen auseinandersetzt?

Hans Leyendecker: Die große Gier – Warum unsere Wirtschaft eine neue Moral bracht. Rowohlt Berlin. ISBN-10: 3-871-34594-6. 19,90 EUR (Bestellen bei Amazon [4])

Nachtrag: Da die Aussagen von Hans Leyendecker über Weblogs bereits an unterschiedlichen Stellen im Web diskutiert werden, bieten wir für die Ungeduldigen ausschließlich den Weblog-Teil des Interviews als eigene Datei an, sodass Leyendeckers Aussagen im Zusammenhang angehört werden können.

Ausschnitt aus dem Interview:

http://literaturcafe.podspot.de/files/leyendecker_blogs.mp3 [5]

Vollständiges Interview: