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Grimme Online Award für literaturport.de in der Kategorie »Kultur und Unterhaltung«

Wie früher: SperrfristBeim Literarischen Colloquium Berlin und dem Brandenburgischen Literaturbüro können die Sektkorken knallen: Der Online-Literaturführer für Berlin und Brandenburg literaturport.de [1] gewinnt in diesem Jahr den Grimme Online Award [2] in der Rubrik »Kultur und Unterhaltung«. Der ebenfalls nominierte Lesesaal der FAZ ging leer aus. Obwohl der Literaturport keinesfalls eine sonderlich spektakuläre Website [3] darstellt, ist die Auszeichnung der Berliner auch ein deutliches Signal an das Literaturarchiv in Marbach, dessen staatlich geförderte Literaturruine literaturportal.de [4] daneben noch tiefer absackt.

Das Literarische Colloquium Berlin und das Brandenburgische Literaturbüro haben bewiesen, dass man mit weniger Mitteln ein besseres und jetzt auch ausgezeichnetes Literaturportal erstellen kann. Spätestens jetzt sollte darüber nachgedacht werden, ob es nicht zum neuen offiziellen bundesweiten Literaturportal ausgebaut werden sollte. Glückwunsch!

Überaus peinlich agierte dahingegen erneut das Adolf Grimme Institut. Waren im letzen Jahr die Gewinner angeblich durch eine technische Panne [5] zu früh auf der Website verkündet worden, so sind auch in diesem Jahr die Preisträger vor der offiziellen Verleihungs-Gala in Köln bekannt geworden.

Eigentlich sollte man erwarten, dass eine Einrichtung, die einen wichtigen Online-Preis vergibt, das Medium Internet verstanden hat. Doch man agierte dort auch in diesem Jahr so, als gäbe es keine Online-Medien und Weblogs und gab die Gewinner bereits vorab an die Presse – jedoch mit einer Sperrfrist. Wie sinnlos!

Die InformationWeek hielt sich nicht daran, der Kress report verkündete die Gewinner ebenfalls vorab [7], schnell verbreitete Google die Nachricht per Alert-Service, und das Grimme Institut stellte in seiner Hilflosigkeit auch noch den Hinweis auf die Website, dass sich die beiden bösen Online-Medien nicht an die Sperrfrist gehalten hätten. Spätestens jetzt wusste also jeder, wo er nachschauen musste, um die Gewinner vorab zu erfahren. Wie peinlich!

Berufsblogger Thomas Knüwer hielt daher in seinem Weblog »Indiskretion Ehrensache« mit Kritik am Veranstalter nicht hinterm Berg [8]. Entstand zudem bereits beim letztjährigen Wettbewerb der Eindruck der Mauschelei, so merkt Knüwer auch für dieses Jahr an, dass die Preisvergabe an die WDR Mediathek auch nicht gerade taktvoll sei. Die Mediathek wurde, wie auch einer der Preisträger im letzten Jahr, nachnominiert und gewann prompt den Preis. Dies ist besonders pikant, da der WDR Gesellschafter des Grimme Instituts ist.