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Beitrag vom 17. August 2012 | Rubrik: Literarisches Leben

Gelnhäuser Erklärung: Schriftstellerverband fordert dazu auf, für den »inneren und äußeren Frieden« einzutreten

Der VS-Vorsitzende Imre Török (links) und Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz

Der VS-Vorsitzende Imre Török (links) und Gelnhausens Bürgermeister Thorsten Stolz

Im beschaulichen Fachwerkstädtchen Gelnhausen im Main-Kinzig-Kreis tagt am 18. August 2012 der fünfköpfige Bundesvorstand des Verbands deutscher Schriftsteller VS in ver.di.

Gelnhausen ist die Geburtsstadt von Hans Jacob von Grimmelshausen, dem Verfasser des Simplicius Simplicissimus, dessen Todestag sich am 17. August 2012 zum 336 Mal jährt.

Am Vortag der Verbandstagung fand eine Pressekonferenz u.a. mit dem Bundesvorsitzenden Imre Török und dem Bürgermeister von Gelnhausen, Thorsten Stolz (SPD), statt. Präsentiert wurde die »Gelnhäuser Erklärung zu Literatur und Frieden«.

Sehnsucht nach Frieden

Die Erklärung, deren Titel sich an Immanuel Kant anlehne (»Zum ewigen Frieden«), sei Ausdruck der Sehnsucht nach Frieden, die die Schreibenden schon immer bewegt habe, so Török.

Das vierseitige Dokument ist durchsetzt mit Namen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus der Zeit um den 2. Weltkrieg wie Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Anna Seghers und Heinrich Böll. Die Erklärung scheint aus der Zeit gefallen und ist mit der Forderung nach Frieden dennoch zeitlos.

»Unvorstellbar schien es nach den Erfahrungen zweier Weltkriege, dass in Europa erneut die Furien des Krieges herrschen würden«, heißt es in der Gelnhäuser Erklärung.

Ein aktueller Bezug wird zu den Nazimorden genommen: »Wieder mussten wir sehen, wie Politik, Polizei und die Geheimdienste sich auf dem rechten Auge blind zeigten.«

Mit seiner Aktion unter dem Motto »WortegegenRechts«, so die Erklärung weiter, wende sich der Verband deutscher Schriftsteller gegen alle Bestrebungen und Kräfte, die den inneren und äußeren Frieden in unserer Welt gefährden.

Eine Anmerkung zum sprachlich ebenfalls oft sehr hochgerüsteten »Urheberrechtsstreit« findet sich in der Gelnhäuser Erklärung nicht, obwohl laut Imre Török das Thema Urheberrecht ein wichtiger Punkt der morgigen Tagung sei.

Gelnhausen an der Kinzig im Main-Kinzig-Kreis

Auch Goethe kam hier des öfteren vorbei: Gelnhausen an der Kinzig im Main-Kinzig-Kreis

Mainstream bediene die Unterhaltung, meint der Bundesgeschäftsführer des VS, Heinrich Bleicher-Nagelsmann, zur Frage, wie politisch die aktuelle deutschsprachige Literatur sei. Doch die Zeit des Mainstream sei vorbei, so Bleicher-Nagelsmann. Junge Schriftsteller widmen sich wieder gesellschaftlichen Themen. Man gehe sie jedoch untergründiger an. Es sei die Aufgabe des VS, der sich immer als politischer Verband verstanden habe, dies zu fördern, so Bleicher-Nagelsmann. Imre Török verwies auf die Tagung »Das Politische in der Literatur« des Bundesverbandes junger Autorinnen und Autoren im Frühjahr 2012, die man unterstützte. Die heutigen Autoren gingen politische Themen anders an, so Töröks Eindruck.

In Gelnhausen selbst gedenkt man heute Hans Jacob von Grimmelshausen, der die Zeit des Dreißigjährigen Krieges als Soldat erlebte und in seinen Werken verarbeitete, mit einer Lesung aus der Neuübertragung seines Simplicius ins heutige Deutsch durch Reinhard Kaiser. Lesen wird der Schauspieler und »Tatort-Kommissar« Udo Wachtveitl.

2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. U. Chr. Wittmann schrieb am 18. August 2012 um 22:24 Uhr

    Beide Links zur erklärung funktionieren nicht. (Allerdings spuckt die Suche auf der Verdi-Seite auch nichts aus.)

    Viele Grüße
    U. Chr. Wittmann

  2. Redaktion schrieb am 19. August 2012 um 07:56 Uhr

    Danke für den Hinweis. In der Tat ist die Erklärung nicht mehr unter der ursprünglichen Adresse zu finden. Die Links wurden entsprechend geändert und funktionieren nun wieder.

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