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»Frohburg« von Guntram Vesper: Will man das lesen?

»Frohburg« von Guntram Vesper

Für sein über 1.000 Seiten starkes Buch »Frohburg« hat Guntram Vesper den Preis der Leipziger Buchmesse 2016 in der Rubrik Belletristik gewonnen.

Malte Bremer und Wolfgang Tischer schauen beide in den Roman und fragen sich: Will man das lesen?

Versuch 1: Mammuts sind ausgestorben

Gewinner Belletristik. Leipziger Buchmesse. 2016. Opus magnum. Mammutwerk. Digitale Leseprobe geholt. Zu lesen versucht. Gelangweilt. Wörterversammlung auf 1.008 Seiten, assoziativ. Viele Punkte. Viele Aufzählungen: Buchstaben, Wörter, Satzzeichen, Partizipien, was so alles in einem Schuppen sich befindet. Oder in einem Kopf. Oder in einem Schrank. Telegrammstil. Prädikate vermeiden in Hauptsätzen. Alles Erinnerung. Nicht meine. Der Hund hieß Hink, der Gastwirt Kuntz. Aha. Hink stirbt dann. Kuntz wohl auch.

Auf der nächsten Seite: Weg ins Leben. Geschiebe, Geschubse, Gerangel von Wörtern auch hier. Sechzig Zeilen bis zur nächsten. Warum auch nicht. Wollen gelesen werden. Sollen gelesen werden. Sollten gelesen werden. Hirn quält sich, Auge quält sich. So viel Banales. Warum? Darum. Lirumlarum Löffelstil.

Im Badezimmerschrank Aspirin. Auf manchen Seiten Absätze. Keine Einzüge. Wichtig: Westminsterschlag. Undenkbar eine volle Stunde ohne. Schlafraum. Esszimmer. Fahrradschlauch, geklaut. Klavier. Kohlenkeller. Mansardenwohnung. Sonnabends der Badereigen. Urgroßmutter verwitwet. Links das Schützenhaus. Holzgeländer. Fünf kleine Petunien.

Genug: Weiß nicht wie weiter. So belanglos. Aufgegeben.

1.008 Seiten. Mammutwerk? Sind ausgestorben. Frohe Botschaft? Frohe Botschaft!

Malte Bremer

Versuch 2: Was tun mit 1.000 Seiten Lebenszeit?

In die Buchhandlung gegangen. Da liegt das Buch gleich im Eingangsbereich. Preis der Leipziger Buchmesse 2016, Rubrik Belletristik. Backsteinprosa.

Ich schlage das Buch auf. Unglaublich dichter Text, kaum Absätze, lange Sätze, doch assoziativ fulminant gearbeitet. Ich lese mich ziemlich fest, und finde es meisterlich, wie hier jemand seine Autobiografie sprachlich angeht. Wie er sowohl große und kleine Ereignisse vermengt und vermischt und innerhalb der Sätze in Jahrzehnten springt und die Dinge sprachlich und assoziativ verwebt und dennoch kühl und nüchtern beschreibt.

Beeindruckt zum Anfang des Buches geblättert. Wortanhäufungen. Kein schlechter Einstieg. Ich sehe Gedankenfetzen oder Fotos, die da angeschaut werden oder im Kopf des Erzählers hochkommen. Banales, Skurriles. Atmosphärisch unglaublich dicht, es zieht einen gekonnt in den Text, fast schon filmisch gearbeitet. Die Wörter und Sätze werden länger, die Sprache, am Anfang abgehackt, wird kunstvoller – bevor nach dieser Art Vorspann der eigentliche Text beginnt.

Doch nachdem die Begeisterung für die Form verflogen ist, macht sich Langeweile breit. Inhaltlich hat das Buch nichts zu bieten. Auf 1.000 Seiten eine Variation des 1.000 Mal an anderen Stellen Gehörten, Gelesenen, Gesagten. Inhaltlich beeindruckt mich nichts. Beschließe die Lebenszeit für andere 1.000 Seiten in anderen Büchern zu investieren.

Wolfgang Tischer

Guntram Vesper: Frohburg: Roman. Taschenbuch. 2017. btb Verlag. ISBN/EAN: 9783442715077. EUR 15,00 » Bestellen bei Amazon.de [2]
Guntram Vesper: Frohburg. Gebundene Ausgabe. 2016. Schöffling. ISBN/EAN: 9783895616334. EUR 34,00 » Bestellen bei Amazon.de [3]
Guntram Vesper: Nördlich der Liebe und südlich des Hasses. Gesammelte Prosa. Gebundene Ausgabe. 2017. Schöffling. ISBN/EAN: 9783895616341. EUR 32,00 » Bestellen bei Amazon.de [4]
Guntram Vesper: Frohburg. Kindle Edition. 2016. Schöffling & Co. » Herunterladen bei Amazon.de [5]
Guntram Vesper: Nördlich der Liebe und südlich des Hasses. Kindle Edition. 2017. Schöffling & Co. » Herunterladen bei Amazon.de [6]