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Erfahrungsbericht: Von der Idee zum Manuskript, vom Verlagskontakt bis zum Verlagsvertrag

SchreibenDie Idee hatte sich viel Zeit gelassen. Bis sie endlich Konturen annahm, musste sie über zwei Jahre im Kopf reifen. Nachdem ich die ersten Ideefetzen auf Papier gespuckt hatte, war der Rohbau schnell fertig. Die Worte flogen von der Tastatur auf den Bildschirm, als ob ein Ghostwriter im Computer gesessen hätte. Das erste Manuskript war nach vier Monaten fertig, doch wie sollte es weiter gehen?

Aller Anfang ist nicht nur schwer, sondern entscheidend für den Erfolg. Aus diesem Grund ließ ich die ersten Seiten meines jungfräulichen Manuskripts von zwei Personen lesen – von einem Spezialisten des Genres und von einer Vertreterin des anderen Geschlechts. Schließlich sollten auch Frauen als Leser infrage kommen.

Nachdem der Anfang passte, schickte ich das Manuskript an fünf Erstleser, natürlich nach vorheriger Absprache. Zwei Exemplare bekamen meine größten Kritiker in zwei unterschiedlichen Foren – zum einen die wohl größte und älteste deutsche Literaturplattform und zum anderen ein Meinungsforum, in dem auch Literatur veröffentlicht wird.

»Unter Autoren gibt es Fotografen und Knipser. Ich möchte, dass du ein Fotograf wirst.«

Die weiteren Exemplare gingen an »Spezialisten«, einer für »SciFi«, der andere für »Thriller« und der dritte für »schöne Literatur«. Alle Testleser waren männlich, also musste noch eine Frau her. Sie war schnell gefunden, denn meine Herzensdame sagte mir ihre Unterstützung zu. Ihre bevorzugten Genres: Belletristik und anspruchsvolle Frauenliteratur.

Während die Spezialisten sehr positiv auf meine Erstschrift reagierten, war das Feedback meiner größten Kritiker niederschmetternd. Nachdem der erste Schock verdaut war, begann ich die Kritik zu sezieren. Und entdeckte, dass ich ratlos vor einem großen Problem stand:

Zum Teil war die Kritik widersprüchlich. Was dem einen gut gefallen hatte, war vom anderen für schlecht befunden worden und umgekehrt. Ich ließ die Kritik zunächst einmal sacken und kümmerte mich zuerst einmal um meine Wunden, um meine Niedergeschlagenheit zu überwinden.

Nachdem ich meine seelische Stabilität wieder hergestellt hatte, versuchte ich herauszufiltern, welche der angesprochenen kritischen Punkte für mich nachvollziehbar waren und überlegte, was ich wie verbessern könnte. Dabei hatte ich noch zwei bis dreimal Rücksprache mit meinen Ratgebern gehalten. Letztendlich haben mir meine Kritiker mehr geholfen als meine befreundeten »Spezialisten«. Bekanntlich neigen Freunde dazu, einen Text eher positiv als negativ zu bewerten. Das kann dem Autor bei den weniger wohl gesonnenen Testlesern nicht passieren.

So gab mir der eine abschließend mit auf den Weg: »Unter Autoren gibt es Fotografen und Knipser. Ich möchte, dass du ein Fotograf wirst, kapiert?«

Und der andere schloss: Das ist der Unterschied zwischen uns. Ich dachte, wenn ich es nicht mindestens bis zum Nobelpreiskandidaten schaffe, fange ich erst gar nicht an. Da bist du viel vernünftiger und realistischer – und das ist gut so. Viel Glück also!

Einige Ratschläge erhielt ich vom Lektor meines Erstwerkes und auch von einer Bekannten, einer Lektorin des Skalding Verlags.

Mein früherer Lektor gab mir folgenden Hinweis:

Abstand davon nehmen zu glauben, man sei etwas Besonderes, man sei »intellektuell«, man hätte »etwas ganz Tolles geschaffen«. Stattdessen: Ein gutes, hervorragend produziertes Produkt anbieten, das ernsthafte Chancen auf dem Markt hat.

Die Lektorin des Skalding Verlags [1] war von meinem ersten Entwurf nur wenig beeindruckt. Immerhin empfahl sie mir, noch etwas am Stil und an der Spannung meines Manuskripts zu feilen, was ich dann auch tat.

Nach den zahlreichen Ratschlägen ließ ich mein Unvollendetes ein paar Tage liegen, dachte nach und las nochmals zwei Bücher zum Handwerk:

Das Schreibseminar [2]. Vom Buchstabenchaos zum Sprachkunstwerk, erschienen im Ueberreuter Verlag und Kreativ schreiben [3]. Handwerk und Techniken des Erzählens, erschienen im DuMont Literatur und Kunst Verlag.

Ich änderte noch einige kleinere Details des Manuskripts und war mir endlich sicher: So kannst du es lassen!

Fast alle Verlage wünschen beim Erstkontakt noch nicht die Zusendung des Manuskripts

Dann begannen die Marketingaktivitäten. Ich wollte die Verlage direkt kontaktieren und auf die Hilfe von Agenten [4] verzichten. Das muss nicht jeder so machen. Ich bevorzuge direkte und effiziente Kommunikation und mag keine Zwischenhändler.

Doch zuerst musste ich ein Exposé [5] erstellen. Wie so etwas aussehen soll, findet man entweder in den Manuskriptrichtlinien der Verlage auf deren Websites oder man googelt sich durchs Internet. Häufig geben die Verlage vor, wie das Exposé und eine Schreibprobe auszusehen haben. Das Expose enthält Zusammenfassung plus Inhaltsangabe des Werkes, sowie dessen Titel und Umfang und eine Kurzvita des Autors. Die Leseprobe sollte ein spannendes Kapitel sein, etwa 20 bis 50 Seiten.

Wichtig: Fast alle Verlage wünschen beim Erstkontakt noch nicht die Zusendung des Manuskripts.

Als nächstes befasste ich mich mit Marktforschung. Was ist das für eine Lektüre, die ich fabriziert habe? Ein Wissenschaftsthriller, gewürzt mit ein wenig Scifi und Mystery. Mit anderen Worten: Ein Produkt, worüber in Deutschland das Volk die Nase rümpft. Welcher Verlag verlegt so etwas?

Auf der Website der Verlage findet man ausreichend Infos, um festzustellen, ob er die Zielgruppe des Autors bedient. Verlage, die ausdrücklich das Genre »SciFi«  ablehnen, habe ich nicht angeschrieben. Wenn ich nicht ganz sicher war, habe ich mit dem Verlag telefoniert. Ein kurzes Gespräch und es war klar, ob ich eine Leseprobe und ein Exposé einschicken durfte.

Dann ging es endlich los. Die meisten Verlage verlangten Ausdrucke der Leseprobe und des Exposés, einige bevorzugten Emails plus Anlagen als Word Dokument oder als PDF.

Nach fünf Monaten endlosen Wartens war ich mit dem Ergebnis zufrieden.

Ich hatte 25 Verlage kontaktiert und bekam, welch Wunder, 18 Feedbacks. Sieben Verlage hatten mein Werk auf der Lektorenkonferenz besprochen, unter anderen Rowohlt [7], Gmeiner [8], KBV [9] und Emons [10].

Die genannten Verlage haben mein Manuskript aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Bei Rowohlt wurde die Idee sehr kontrovers diskutiert. Für eine Zusammenarbeit fand sich leider keine Mehrheit.  Bei Gmeiner fand das Manuskript zwar Zuspruch, passte aufgrund der Fantasy-Aspekte aber nicht ins Programm.

Ähnlich befand KBV: »Sie haben eine temporeiche Schreibweise, der man gut folgen kann. Leider aber ist Ihr Text, soweit ich sehen kann, doch viel mehr im Science-Fiction-Genre als im Krimi angesiedelt. Also, ich denke, das ist nichts für den KBV, der sich (mit wenigen Ausnahmen) auf die Herausgabe deutscher Regionalkrimis spezialisiert hat.«

Emons forderte mich auf, den regionalen Aspekt noch stärker auszuarbeiten. Aber auch meine kosmetischen Nacharbeiten konnten Emons letztendlich nicht überzeugen.

Cover: Die Schattenwelt des Baldo Richters [11]Sieben Verlage haben mir mitgeteilt, dass sie derzeit mein Genre nicht verlegen. Nur zwei Verlage schickten eine 08/15 Absage und nur zwei beurteilten die Leseprobe negativ: Skalding wertete Stil, Spannung und Charakter des Protagonisten als wenig überzeugend. Grafit war nicht beeindruckt vom Stil und vom Plot. Bei Skalding hätte ich eine überarbeitete Leseprobe nachreichen können. Der Rest der Verlage beurteilte den Plot überwiegend positiv, sowie Sprache und Erzähltechnik als temporeich und spannend.

Zwei Verlage wollten mein Manuskript verlegen. Letztendlich entschied ich mich für den Schenk Verlag [12] in Passau. Die Verhandlungen verliefen unproblematisch und fair. Die vertraglichen Inhalte, wie z.B. Honorarreglung, Anzahl der Freiexemplare und Verwertung der Nebenrechte entsprechen den üblichen Standards der Großverlage. Mit entscheidend war auch die Betreuung. Der Lektor ist ein Unikum im Literaturbetrieb. Er war 20 Jahre Chefredakteur bei einem größeren Verlag und hat selber Kinderbücher, Thriller und Krimis veröffentlicht.

Was habe ich daraus gelernt und was kann ich weitergeben?

Im Grunde kann ich bestätigen, was mir meine Ratgeber ins Stammbuch geschrieben haben:

Zunächst sollte der Autor sich selbst aus der Distanz betrachten und sich voll und ganz in seine Arbeit stürzen. Schreiben ist zu 90 Prozent Arbeit und nur zu 10 Prozent Inspiration. Dazu zählt nicht nur die Gestaltung des Manuskripts, sondern auch das Drumherum, wie z.B. eine professionelle Gestaltung des Exposés und der Leseprobe.

Darüber hinaus gilt, ein Fotograf zu werden –  ist das Werk eindeutig charakterorientiert und/oder weniger handlungsorientiert, dann wiegt dieser Rat umso mehr. Schließlich muss der Autor seine Stärken und Schwächen realistisch einschätzen und keine allzu hohen Erwartungen an sich und an sein Werk stellen. Ein wenig Mut gehört auch dazu.

Wer sich daran hält, ein Thema hat und schreiben kann, der sollte es wagen. Auf jeden Fall!

Kai Beisswenger [13]

Nachtrag: Das Buch von Kai Beisswenger ist nun erhältlich

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