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Bis Klagenfurt anruft. Ein Praxisbericht. Teil 8.

Ein Manuskript soll zum Buch werdenDiesmal: Das eigene Buch.

Der größte Schritt in den Gipfel des Literatur-Olymps, die Krönung aller Bemühungen und die Materie gewordene Befriedigung des Autorinnen-Egos: das (erste) eigene Buch. Der eigene Name, der unter dem selbst gewählten Titel steht – außer die Lektorin hatte da ganz andere Ideen. Der selbst gewählte Einband – außer der Verlag hat sich etwas anderes ausgedacht. Die eigenen Texte, schwarz auf weiß und gebunden – außer nach all der Bearbeitung sind einem die Texte eigentlich fremd geworden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zu seinem ersten eigenen Buch zu kommen. Und zum zweiten. Eine einfache Möglichkeit ist ein Eigenverlag, aber darüber haben wir nun genug gesprochen [1]. Eine nicht sehr einfache Möglichkeit ist es, mal eben einen kurzen Text zu schreiben, damit den open mike [2] oder dergleichen zu gewinnen und dann darauf zu warten, bis einem mehrere Verlage das Haus einrennen, um dann erst zu beginnen, sein Buch zu schreiben.

Cornelia Travnicek

berichtet im literaturcafe.de seit 2006 von ihrer bisherigen Autorenlaufbahn und davon, wohin es führen kann, wenn man eines Tages beschließt zu schreiben. Interessant für alle, die Ähnliches selbst erlebt haben, noch erleben wollen oder sich vielleicht nach der Lektüre entschließen, es doch besser zu lassen. Seinerzeit schrieb Cornelia unter dem Motto »Bis Klagenfurt anruft« sieben Berichte und einige Bonusfolgen u.a. über Veröffentlichungen [3], Preise [4], Lesungen [5], Literaturforen [6] und die eigene Website [7].

Cornelia Travnicek: Chucks (Buchcover) [8]Im Frühjahr 2012 erscheint Cornelia Travniceks erster Roman »Chucks« in der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA). Wie ergeht es einem als österreichische Autorin, wenn man zu einem großen deutschen Verlag wechselt? Erfüllt sich ein Autorinnentraum? Ist es der Karrieredurchbruch?

Unter dem Titel »Bis Klagenfurt anruft. Reloaded« setzt Cornelia Travnicek 2012 ihre Berichte im literaturcafe.de fort.

Im Juli 2012 las sie dann tatsächlich in Klagenfurt [9] und gewann den mit 7.000 Euro dotierten Publikumspreis. 2012 ist sie Stadtschreiberin in Kärnten.

Klicken Sie hier, um alle bislang erschienenen Teile zu lesen » [10]

www.corneliatravnicek.com [11]

Cornelia Travnicek: Chucks: Roman. Broschiert. Deutsche Verlags-Anstalt. ISBN/EAN: 9783421045263. EUR 14,99. Ersch.: 2012 (Bestellen bei Amazon.de [12])

Die dritte Möglichkeit ist nicht einfach und nicht minder anstrengend. Sie besteht aus dem klassischen Weg. Und leider gilt hier nicht die philosophische Aussage »der Weg ist das Ziel«. Erster Punkt auf der »To do«-Liste ist die Suche nach einem oder besser mehreren geeigneten Verlagen. Man schickt kein Kochbuch an einen Lyrik-Verlag und umgekehrt. Ich meine, manche Leute machen das schon, aber man sollte sich nicht wundern, wenn man so nicht verlegt wird, obwohl manche auch das tun.

Also: Ein richtiger Verlag. Wie sucht man sich den richtigen Verlag? Fast alle Verlage haben eine Website, auf der sie meistens auch unmissverständlich klar machen, welches Programm sie verlegen. Wenn es nirgends explizit steht, dann hilft es einfach, Neuerscheinungen anzusehen. Am besten versucht man auch, Bücher dieses Verlages in die Hand zu bekommen um zu sehen, ob quasi »die Chemie stimmt«. Hat man einen Verlag mit dem passenden Verlagsbild gefunden, dann kommt Punkt 2.

Der zweite ist ein simpler Punkt der leider oft vergessen oder ignoriert wird: das RICHTIGE Einschicken des Manuskripts bzw. eines Auszugs daraus (Wenn der Verlag auf seiner Homepage keine Richtlinien dafür erwähnt, lohnt es sich, einmal nachzufragen!). Denn ein Lektor, der 20 Seiten Text, einen Lebenslauf und ein Exposee erwartet, wird das telefonbuchdicke Manuskript ohne weitere beigefügte Angaben nicht lesen. Er wird es auch nicht eher lesen, wenn es auf pinkem Papier in Schnörkelschrift gedruckt ist. Die Wahrscheinlichkeit sinkt dann noch, ganz ehrlich.

Der dritte Punkt betrifft ganz simpel das geduldige Warten. Die Bearbeitung von Manuskripten dauert im Durchschnitt mehrere Monate. Während dieser Zeit sollte man nicht jede Woche einmal beim Verlag anrufen – auch nicht alle zwei.

Hat man zuerst nur einen Auszug geschickt, kann es sein, dass der Verlag das ganze Manuskript anfordert. Das ist zwar schon ein kleiner Grund zum Feiern, aber leider nicht einmal die halbe Miete im Haus der Literatur.

Ganz zum Schluss stehen zwei Möglichkeiten: Ja und Nein.

Falls die Möglichkeit »Nein« eintritt, kann man es entweder weiter mit dem selben Manuskript versuchen, es noch einmal überarbeiten oder gleich ein neues Buch schreiben.

Falls die Möglichkeit »Ja« eintritt, kann man entweder sofort feiern oder zuerst alle Leute anrufen, die nie an einen geglaubt haben und ihnen die Geschichte sofort brühwarm erzählen.

Einem »Ja« folgt meistens (bei vertrauenswürdigen Verlagen) ein Lektor. Dabei kommen vielleicht einige Fragen auf:

Wenn die Fragen nicht auftauchen, ist alles in Ordnung und man kann weiter feiern. Sollten sie doch auftauchen, dann muss man sich damit arrangieren und Kompromisse finden, sollte sich aber keinen Starallüren hingeben, sonst ist man den Verlag sehr viel schneller los, als man ihn gefunden hat.

Das Wichtigste ist zum Schluss der Verlagsvertrag. Im Internet kann man verschiedene Musterverträge [14] begutachten und sich an diesen anlehnen. Natürlich sollte man auch alles im Kleingedruckten lesen. Für besonders Vorsichtige gilt: Unterschreibe jede Seite des Vertrages einzeln, so kann es nicht passieren, dass dubiose Gestalten einfach später Seiten in den Vertrag einfügen, die man nie zuvor gesehen hat.

Hat man ein Buch, ist es aber noch lange nicht vorbei. Erstens muss das Buch verkauft werden und zweitens muss das zweite geschrieben werden.

Aber sollten die Verkaufszahlen stimmen, dann bleibt wieder einmal noch eines zu tun: Feiern.