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Beitrag vom 23. März 2009 | Rubrik: Literarisches Leben, Literatur online

Elke Heidenreichs »lesen!« endlich als Podcast

Lesen endlich als PodcastDas Medienecho war gewaltig, als Elke Heidenreich im letzten Jahr verkündete, nach ihrem Rauswurf beim ZDF ihre Sendung »lesen!« im Internet fortzuführen. Es war obendrein die beste PR- und Werbekampagne zum Start der Literatur-Website litCOLONY.de, mit der die Veranstalter des Kölner Literaturfestivals lit.COLOGNE dessen Erfolg auch im Web fortsetzen wollten. Aufgrund persönlicher Beziehungen konnte man Elke Heidenreich als Zugpferd gewinnen.

Doch jeden Kenner der aktuellen Web-Landschaft erstaunte es, wie sehr man sich mit diesem Literaturportal einmauerte und nichts nach draußen gab. Die Sendung »lesen!« sollte offenbar nur auf der litCOLONY-Website betrachtet werden, ein Einbetten des Videos in andere Websites war zwar möglich, wurde jedoch im Gegensatz zu YouTube nicht groß beworben. Offenbar lebte man im Glauben vergangener Web-Zeiten, dass es nur zählt, Besucher, Klicks und Visits auf die eigene Website zu ziehen, um so Werbeplatz und Bücher zu verkaufen.

Eines der größten Versäumnisse war es daher, die Heidenreichsche Bücher-Dauerwerbesendung nicht als Podcast anzubieten. Einer der Kritikpunkte, die literaturcafe.de-Herausgeber Wolfgang Tischer zuletzt in einem Interview mit Deutschlandradio KULTUR hervorhob.

Zwar muss man, sobald ein Podcast abonniert ist, die zugehörige Website theoretisch nicht mehr besuchen, da man neue Folgen automatisch auf Festplatte oder MP3-Player geliefert bekommt, allerdings ist die Zahl derer, die so die Sendung regelmäßig sehen und letztendlich doch an die zugehörige Website erinnert werden, ungleich höher. Und wer schaut die halbstündige Sendung schon im Büro am Bildschirm an, wo’s doch auf dem iPod unterwegs weitaus praktischer ist?

Endlich hat man die nicht nur vom literaturcafe.de geäußerte Kritik der fehlenden Abo-Möglichkeit aufgegriffen und bietet »lesen!« jetzt als Podcast an.

Erfahren haben wir davon jedoch eher beiläufig beim Aufruf von Apples iTunes-Software, wo der Podcast in der Kultur-Rubrik natürlich sofort ganz oben zu finden ist.

Auf litCOLONY.de selbst weist nur eine kleine pinkfarbene Anmerkung auf den Podcast hin, der Link führt jedoch ausschließlich zu Apple iTunes. Weder zeigt ein aktueller Browser beim Besuch der Website einen existierenden Podcast-Feed neben der Web-Adresse an noch wird auf die generelle Abo-Möglichkeit mittels RSS-Feed verwiesen. Das sollte und wird hoffentlich bald geschehen, um endlich die Nutzer mehr an die Website zu binden.

Einmal mehr erstaunt daher die dilettantische und halbherzige Umsetzung des Podcasts durch die litCOLONY-Macher, die unglaubliches Potenzial verschenken. Hierzu gehört auch, dass die halbstündige Sendung pro Podcast-Folge bis zu 250 MB an Download erfordert. Bei dieser Videogröße müsst das mit adäquater Komprimierung durchaus auf knappe 100 MB zu bringen sein, was die Download-Zeit bei schmalbrüstigeren DSL-Anbindungen merklich verkürzen würde.

Was also auf litCOLONY noch fehlt, finden Sie bereits hier: der RSS-Link zum Podcast.

Die Links zum »lesen!«-Podcast mit Elke Heidenreich auf litCOLONY.de

Nachtrag vom 21. April 2009:
»lesen!« endlich auf dem iPhone, doch Elke Heidenreich mag die »blöde Glasplatte« nicht

Es ist, als läge eine Art Fluch über den PR- und Marketingaktivitäten der litCOLONY-Macher: Denn während der »lesen!«-Podcast nun somit endlich auch auf dem iPhone zu betrachten ist, wettert Elke Heidenreich in ihrer stern.de-Kolumne gegen das Apple-Gerät. Diese »blöde Glasplatte« hätte bei ihr Hausverbot, denn Elke Heidenreich unterstellt den iPhone-Nutzern, dass diese keine Bücher mehr lesen würden.  Dabei wurde die stern.de-Kolumne gestartet, um damit u. a. ihre »lesen!«-Sendung im Web zu bewerben.

Zum Start von »lesen!« auf litCOLONY verkündete Elke Heidenreich, dass die Zukunft ihrer Sendung im Internet liegen würde – aber offenbar nicht im mobilen Web. Wie sonst lässt es sich erklären, dass sie nun einen der besten und bequemsten Wege verdammt, ihre Sendung unterwegs zu betrachten?

5 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. westernworld schrieb am 23. März 2009 um 12:17 Uhr

    elke heidenreich ist kein verlust in keinem vorstellbaren format.

  2. tok schrieb am 21. April 2009 um 13:34 Uhr

    Frau Heidenreich verabschiedet sich mit der pauschalen Einordnung von iPhone-Besitzern und eBook-Nutzern langsam, aber sicher aus der Welt des real greifbaren.

  3. Mr. podcast.de schrieb am 29. September 2009 um 19:34 Uhr

    Der RSS-Feed führt nur noch zu einer Fehlerseite. Gibt es eine neue Adresse oder gibt es den Podcast gar nicht mehr?

  4. Redaktion schrieb am 29. September 2009 um 23:55 Uhr

    Lieber Mr. podcast.de,

    wir haben nachgeschaut und tatsächlich: der Feed ist aktuell nicht erreichbar und stattdessen kommt eine schmucklose und nichtssagende 404-Fehlermeldung, wie man sie heute ebenfalls nicht mehr anbieten sollte. Es gibt keine neue URL für den Feed.

    Auch iTunes lädt daher die aktuelle Folge 22 nicht mehr herunter und meldet einen Fehler.

    Nun hatte »lesen!« wochenlang gar keinen Podcast, dann war er endlich da und bei iTunes sehr erfolgreich – und nun passiert das Schlimmste, was einem Podcast passieren kann: die Feed-URL führt ins Nirvana.

    Hoffen wir, dass die das bald wieder hinbekommen und der RSS-Feed unter der gleichen Adresse wieder verfügbar ist.

  5. Redaktion schrieb am 6. Oktober 2009 um 10:01 Uhr

    Der Feed ist wieder erreichbar.

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Blogs, die auf diesen Beitrag verlinken

  1. .. libtab » Blog Archiv » Elke Heidenreichs »lesen!« als Podcast verlinkte am 21. April 2009 um 11:22 Uhr

    […] wie beim “literaturcafe.de” gemeldet, kann man Elke Heidenreichs “lesen!” jetzt auch als Podcast anschauen: Das […]

  2. etwas mehr als Links « Angelegenheiten verlinkte am 23. April 2009 um 12:09 Uhr

    […] gut, wenn Leute ihr Denken und ihre Forderungen der Realität anpassen, so auch in diesem Fall. Elke Heidenreich hat das Zuknallen des Buches scheinbar immer noch nicht vernommen. Zum Ausgleich sieht das Wall […]

  3. drikkes » Blog Archive » etwas mehr als Links verlinkte am 17. Januar 2011 um 09:56 Uhr

    […] gut, wenn Leute ihr Denken und ihre Forderungen der Realität anpassen, so auch in diesem Fall. Elke Heidenreich hat das Zuknallen des Buches scheinbar immer noch nicht vernommen. Zum Ausgleich sieht das Wall […]