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Indie-Autoren und E-Book-Selbstverleger: »Wir haben nichts zu fürchten als die Furcht selbst«

Veröffentlicht von Redaktion am 20. September 2011 @ 12:19 in E-Books,Literarisches Leben | 10 Kommentare

Die vier Indie-Autoren, die an diesem Artikel mitgearbeitet haben (Fotos: privat)Wie man sein eigenes E-Book ganz einfach selbst bei Amazon veröffentlicht, haben wir im literaturcafe.de [1] in unserem E-Book und [2] einem Erfahrungsbericht ausführlich beschrieben.

Doch das Selbstverlegen wird nicht nur von den etablierten Verlagen argwöhnisch beobachtet.

Unabhängige Autoren, die ihre E-Books selbst veröffentlicht haben, müssen gegen viele Vorurteile ankämpfen und Missverständnisse ausräumen.

Für das literaturcafe.de erläutern die vier erfolgreichen Indie-Autorinnen und -Autoren [3] David Gray, Birgit Böckli, Emily Bold und Andreas Stetter die Denkfallen und Stolpersteine beim Selbstverlegen in einem ausführlichen Artikel.

Eine Chance mit Namen »E-Book«

Man hat es seit Jahren prophezeit und entweder als bedrohlichen Buhmann betitelt oder so klein zu reden versucht, dass es fast schon wieder unsichtbar geworden war. Doch nun ist es da und wird den Buchmarkt für immer verändern. Ich rede natürlich vom E-Book und [4] Amazons Start seiner Kindle Offensive vom April dieses Jahres. Von den einen verteufelt, von anderen als Chance begrüßt, steht fest, dass sich seither die deutsche Buchbranche in einigen Aspekten entscheidend verändert hat.

Doch ich bin sicher, keiner von uns Autoren wird nur wegen der gerade begonnenen massenhaften Verbreitung von E-Readern, Tablet-PCs und E-Books um sein Einkommen zu fürchten haben. Genauso wenig wie unsere Brothers and Sisters in Arts aus der Filmbranche Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts wegen der massenhaften Verbreitung des Fernsehens ganz plötzlich um ihre Zukunft zu fürchten hatten, nur weil einige Hollywoodbosse das Ende des Kinos gekommen sahen. Das Kino lebt nach wie vor. Und so einige der gerade aktuellen Kinostars haben ihre Karriere in Fernsehserien begonnen und nahtlos auf der großen Leinwand fortgesetzt.

»The only thing we have to fear, is fear itself – Wir haben nichts weiter zu fürchten als die Furcht selbst« dieses Zitat aus der Einstandsrede Franklin Delano Roosevelts, gilt für uns Autoren gerade heute mehr denn je zuvor, denn die E-Book-Revolution eröffnet uns Autoren ein Zeitalter von höherer künstlerischer Freiheit und zuvor nicht gekannten finanziellen Möglichkeiten. Ich will im Folgenden darstellen, wie und weshalb ich zu dieser für viele sicher recht vollmundig scheinenden Prophezeiung komme.

Eine einfache Rechnung

Man weiß, wie viel Tantieme ein Autor derzeit für einen Printvertrag bei einem der großen Verlagshäuser zu erwarten hat: nämlich so etwa 8 bis 15 % Anteil vom Nettopreis jedes verkauften Printbuches. Natürlich sieht er erst dann etwas von diesem Geld, nachdem sich für den Verlag der Vorschuss amortisiert hat, den er dem Autor für dessen Titel ausgezahlt hat. Geht der Titel gut, dann darf der Autor nach etwa einem halben bis dreiviertel Jahr damit rechnen, dass sich der Vorschuss für den Verlag amortisiert hat und er selbst in die »Gewinnzone« einläuft. Berücksichtigt man überdies, dass die meisten Publikumsverlage Tantiemenzahlungen jedoch nur halbjährlich überweisen, so vergeht alles in allem in der Regel deutlich mehr als ein volles Jahr, bevor die ersten Tantiemen für irgendeinen Titel endlich auf dem Privatkonto des jeweiligen Autors verbucht werden.

Amazon.de und Co bieten Autoren jedoch zwischen 30 und 70% des Verkaufsnettopreises ihrer selbstpublizierten E-Book-Titel. Und diese Tantiemen werden nicht nur monatlich abgerechnet, sondern auch jeweils zum Ende des zweiten darauf folgenden Monats ausgezahlt, also nach nur etwa acht Wochen. Auf diesem Wege selbst zu publizieren bietet noch einen weiteren Vorteil: Ist der jeweilige Text einmal fertiggestellt, lektoriert worden, mit einem ansprechenden Cover versehen und auf den jeweiligen E-Book-Vertriebswebseiten hochgeladen worden, verdient dieser Titel bereits von Stund an Geld für den Autor.

Zudem ermöglicht der Weg des »Selfpublishing« den Autoren, ihre bislang ungenutzten »Schätze« aus den berühmt-berüchtigten »Schubladen« zu heben und innerhalb von wenigen Tagen an die Kundschaft – den Leser – zu bringen.

Denn der Leser ist ja der eigentliche Kunde der Autoren, nicht etwa irgendein Verlag, der ja nur Herstellung und Vertrieb, der von Autoren verfassten Texte für sie übernommen und organisiert hat.

Natürlich ist auch im E-Book-Markt längst nicht alles Gold, was glänzt. Ohne Risikobereitschaft und einem gewissen Unternehmergeist vonseiten der Autoren ist auch dort kein Blumentopf zu gewinnen.

Andererseits war es im herkömmlichen Verlagsgeschäft auch ganz und gar nicht garantiert, dass sich ein Titel gut verkaufte, nur weil er in einem der Kataloge der großen Publikumsverlage verzeichnet gewesen war. Auch da wurde vom Autor immer mehr Eigeninitiative erwartet, seine Titel an den Mann oder die Frau zu bringen, sei es durch eigene Pressearbeit oder selbst organisierte Lesungen in Buchgeschäften, die ihn nicht selten von Schleswig Holstein bis zum Starnberger See führten.

Irgendeinen selbst publizierten E-Book-Titel im Internet zu vermarkten, ist zwar auch kein reines Vergnügen, doch wenigstens erspart es dem jeweiligen Autor jene Zeit, die er bislang in Auto, Zug oder Flugzeug verbrachte, um zu den Veranstaltungsorten seiner jeweiligen Lesungen zu gelangen.

Und gerade jetzt decken sich immer mehr Leser in zunehmendem Maße mit Tablet-PCs und E-Readern ein. Selbst auf den billigsten dieser Geräte existiert genug Speicherplatz für Hunderte verschiedener E-Book-Titel.

Wie viele Printbücher wird ein durchschnittlicher Leser wohl im Jahr kaufen?

Glaubt man den Statistiken so etwa zwischen drei und acht, nicht wahr?

Auf einen E-Reader oder Tablet-PC passen aber nun einmal Hunderte verschiedene Titel. Diese Bücher beanspruchen keinen Raum im Bücherregal, sondern passen auf einem E-Reader gespeichert in jede Hand- oder Manteltasche. Dem Besitzer jenes E-Readers genügt ein einziger Knopfdruck, um sehr bequem auf amazon.de oder dem iTunes-Store nach neuem »Lesefutter« zu browsen. Und da das Onlinegeschäft keine Ladenöffnungszeiten kennt, vermag jener Leser 24 Stunden am Tag und 7 Tage pro Woche immer dann, wenn es ihm gerade in seinen Zeitplan passt, seinen Hunger nach neuem Lesestoff zu befriedigen.

Für die Printausgabe eines Belletristiktitels werden im Durchschnitt zwischen 7 und 26 Euro fällig. Amazons Kindle-Programm erlaubt mir jedoch, meine Titel zu einem Preis anzubieten, der noch unter dem eines Glases Bier in irgendeinem Biergarten liegt, und der damit problemlos mit denen der E-Book–Titel der Publikumsverlage zu konkurrieren vermag.

Cover-Ausschnitt: Wolfswechsel von David GraySechs Denkfallen

(Denk-)Falle 1: Das Internet ist zu unübersichtlich.

Das Internet ist unübersichtlich und kein Mensch wird mich oder mein Buch dort finden, falls ich nicht zu den wenigen bereits landauf und landab bekannten Spitzenautoren zähle. Deswegen lasse ich es besser gleich ganz mit dem E-Book, das wäre ja doch nur vertane Zeit.

Als ich Anfang Mai meinen eigenen, gerade mal seit 3 Wochen hochgeladenen E-Book-Titel googelte, hatte der ungefähr 40 Hits bzw. Nennungen. Ich hab es jetzt gerade noch einmal getan. Ergebnis: knapp 7.000 Nennungen. Das war keine Zauberei, die mir meinen Google-Status in so kurzer Zeit derart erhöht hat, sondern schlicht und ergreifend: das Internet selbst. Das waren Blogs, Kommentare, Online-Shops und Leserrezensionen, die sich mit meinem E-Book beschäftigten und dessen Titel zusammen mit meinem Namen irgendwo im Netz anführten.

(Denk-)Falle 2: Blogs und Social Media stehlen zuviel Zeit.

E-Books verkaufen sich vor allem über Social Media. Facebook, Twitter, Google Plus und das eigene Blog zu bedienen, nimmt jedoch zuviel kostbare Zeit in Anspruch, die ein Autor besser darauf verwendet, ein neues Printbuch zu verfassen, wofür er immerhin einen Verlagsvorschuss bekommt. Das ist sicheres Geld, mit dem man kalkulieren kann.

Blogs zu bedienen kostet tatsächlich viel Zeit. Aber diese Zeit ist sehr gut investiert, denn mit der Präsenz im Netz erhöhen sich die Chancen enorm, von Google – und damit den Lesern – gefunden zu werden. Zu schreiben ist der Job eines Autors. Den gelegentlichen Artikel für diese oder jene Zeitung oder dieses oder jenes Magazin zu verfassen, ist ständiger Teil des Schriftstellerjobs.

Weshalb dann nicht dasselbe auf dem eigenen Blog tun?

Autoren leben von ihrer Kreativität und Phantasie. Ein eigenes Blog mit Gedanken, Ideen und Ansichten zu füllen, kann von Autoren nicht zu viel erwartet sein. Leser, welche die Blogbeiträge eines Autors ansprechend formuliert und klug konzipiert finden, werden auch an dessen Büchern interessiert sein. Bücher, für die jener Autor auf seinem Blog wirbt und die von diesem Blog aus nur einen einzigen Klick entfernt zum Download bereitstehen.

Man hört und liest auch dies immer wieder: Das eigene Blog mit Leben zu füllen, ist nur die eine Seite der Internetmedaille, denn daneben existieren ja noch Twitter und Facebook bzw. Google Plus oder Xing, die genauso bedient werden wollen. Was womöglich sogar noch mehr Zeit in Anspruch nimmt, als das eigene Blog zu gestalten.

Dazu ist zu sagen: Ich habe tatsächlich für etwa vier bis sechs Wochen viel Zeit in meine Facebook-Präsenz investiert, bis mir klar wurde, was Facebook für mich als Autor in Wahrheit eigentlich ist: nämlich ein Ort für den gelegentlichen Schwatz mit Freunden, vor allem aber – meine ganz eigene persönliche Pressekonferenz, über die ich die Blogposts und Neuigkeiten, die mir auf den Nägeln brennen, in die Welt hinausposaune.

Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

Mein Freund und Indie-Kollege, Andreas Stetter, Autor des E-Book-Bestsellers »Untot: Dämmerung« hat alles in allem derzeit gerade einmal 19 Facebook-Freunde. Und zeigt dennoch auf den Amazon Horrorcharts immer wieder selbst den großen Namen der Branche, was eine Harke ist.

Und ich selbst verkaufe meinen erfolgreichsten E-Book-Titel immer noch sehr gut, ohne tagtäglich Stunden bei Facebook oder anderen Social-Media-Webseiten zu verbringen. Ich habe auf der Facebook-Seite dieses E-Books auch gerade erst einmal 18 »Like«-Vermerke. Abgesehen davon habe ich niemals auch nur einen einzigen Euro in Onlinewerbung investiert. Und einen Twitter-Account hab ich mir bis heute nicht zugelegt.

(Denk-)Falle 3: Wenn ich meine Schublade öffne und selbst publiziere, wird das weder bei meinem Verleger noch meinem Agenten sehr gut ankommen.

Auch das ist ein Argument gegen das Selbstpublizieren, welches immer wieder in allen nur denkbaren Variationen strapaziert wird.

Es existiert allerdings ein schlüssiges Gegenargument dazu.

Unsere Kunden, die Leser, kaufen Bücher nicht wegen des Verlagslogos, das auf deren Umschlägen prangt, sondern wegen des Autors, der das Buch verfasst hat.

Wer unter den Lesern also die Printbücher des jeweiligen Autors ansprechend fand, der wird – sofern er einen E-Reader nutzt – auch dessen E-Books kaufen und umgekehrt. Denn ganz entgegen der Ansicht, dass Selbstveröffentlichung im E-Book-Markt die Printverkäufe der entsprechenden Autoren mindert, beobachten und bloggen die Kollegen Joe Konrath in den USA und Stephen Leather in UK, dass ihre erfolgreich selbst veröffentlichten E-Book-Titel die Verkäufe ihrer Printbücher deutlich förderten.

Welcher Verleger oder Agent sollte irgendetwas gegen noch mehr Buchverkäufe seiner Autoren haben?

Mir fällt da jedenfalls gerade keiner ein.

Und auch die deutsche Kollegin Birgit Böckli hat ein Autorenvertrag mit einem großen Publikumsverlag nicht davon abgehalten, zwei Titel als »Selbstpublizierer« auf den Markt zu bringen, zumal in ihrem Falle zusätzlich anzumerken ist, dass ihre beiden selbstpublizierten Titel Anthologien mit Kurzgeschichten sind. Ein Format also, für das man in Deutschland nur in sehr seltenen Ausnahmefällen einen Agenten oder Verlag zu begeistern vermag. Und so mancher Autorenkollege ruft schon eine Renaissance der Kurzgeschichte in Verbindung mit dem Aufkommen des E-Books aus. Aber auch in einem anderen Aspekt bietet das E-Book einige zuweilen (noch) gerne unterschätzte Vorteile. Die Indie-Autorin Emily Bold erfuhr bislang für ihre »Historical Romances« stets Ablehnung bei Agenten oder Verlagen, da man ihr mitteilte dieses Genre würde sich im deutschen Markt nur sehr schwer vermarkten lassen. Emily beweist allerdings gerade jeden Tag, dass dem offenbar nicht so ist. Und auch mein eigener bislang erfolgreichster E-Book–Titel ist von drei großen Verlagen abgelehnt worden, da er deutlich unter einer Länge von 200 Druckseiten liegt und zudem ein Crossover aus historischem Roman, Horror und Spionagestory darstellt.

(Denk-)Falle 4: Um erfolgreich selbst zu veröffentlichen, habe ich auf mindestens drei oder vier verschiedenen Webseiten mit meinem E-Book präsent zu sein, was einen unerhörten bürokratischen und technischen Aufwand für mich bedeutet.

Hierzu nur folgendes Argument: amazon.de alleine deckt derzeit weit mehr als die Hälfte des deutschsprachigen E-Book-Marktes ab. Schon nur dort mit einem eigenen Titel präsent zu sein eröffnet einem Autor gute Chancen, von über der Hälfte aller potenziellen E-Book-Käufer gefunden, rezensiert und gekauft zu werden.

(Denk-)Falle 5:  Im Internet findet man meine Titel niemals so leicht wie in den Regalen des herkömmlichen Buchhandels.

Auch diese Ansicht ist schlichtweg falsch, denn wie unser US-Kollege Joe Konrath etwas flapsig zu bloggen pflegt: »E-Books are forever.«

E-Books kosten kein Geld, sind sie erst einmal erstellt, lektoriert, mit einem guten Cover versehen und auf den jeweiligen Verkaufsplattformen hochgeladen, um dort auf ihre Leser zu warten.

Vor allem aber wird man bei amazon.de und Co nicht auf die Idee kommen, ein einmal gelistetes E-Book wieder aus dem virtuellen Regal zu nehmen, um darin Platz für den nächsten überall gehypten Blockbuster-Bestseller zu machen.

Aber ist es nicht gerade das, was im herkömmlichen Buchhandel immer wieder geschieht?

Nach zwei, drei Monaten wird man dort auf den Verkaufstischen und in den gut sichtbaren Hauptregalen für die Neuerscheinungen der Saison Raum schaffen und alle zuvor dort ausgestellten Exemplare eines Titels in die hinteren Regale verbannen oder gar zu verramschen beginnen.

Bei amazon.de und Co steht ein Buch nicht nur für unbegrenzte Zeit zum Kauf zur Verfügung; es befindet sich dort hierarchisch neben dem des letzten bejubelten Bestsellerhelden, und falls Cover, Klappentext und Leseprobe stimmen, wird der Leser wahrscheinlich nicht einmal bemerken, dass da auf dem Cover kein Verlagslogo prangt. Die einzige Möglichkeit, auf den ersten Blick festzustellen, dass ein E-Book-Titel nicht von einem der großen Verlagshäuser veröffentlicht wurde, besteht derzeit im Preis. Aber welcher Leser hätte etwas dagegen einzuwenden, eine neue Arbeit seiner Lieblingsautoren günstiger als bisher erweben zu können?

Mir fällt da gerade keiner ein.

(Denk-)Falle 6: E-Books bieten schlicht und ergreifend nicht genug Inhalt und Wert für das Geld, das sie kosten.

Auch dies eines der Argumente gegen das E-Book, die in letzter Zeit hier und da immer mal wieder herangezogen werden.

Doch abgesehen davon, dass ein gut geschriebener und ansprechend aufbereiteter Text als E-Book genauso seine Leser findet wie in der Printvariante, bietet das E-Book in Zukunft noch einen weiteren Vorteil gegenüber dem Printbuch. Denn E-Books erlauben so genannten »enriched Content«. Was das ist? Der schöne denglische Begriff vom »erweiterten Inhalt« bezieht sich darauf, dass E-Books mit Bildern, Videos, Musik- und Tonaufnahmen angereichert werden können, die auf den Tablet-PCs und E-Readern der neueren Generation mühelos abspielbar sind, was es ermöglicht, noch ganz andere Geschichten zu erzählen als bisher und den Lesern ein wesentlich erweitertes Leseerlebnis als bislang zu ermöglichen. Und uns Autoren eröffnet das Geschichten auf ganz neue Art und Weise zu erzählen, als zuvor. Also ich nenne das durchaus eine gute Nachricht.

Soweit zu den wichtigsten guten Nachrichten aus der schönen neuen E-Book-Welt.

Einige der Titel von Emily BoldStolpersteine

Werfen wir hier einen Blick auf die weniger guten Neuigkeiten aus der E-Book-Welt. Die wichtigste schlechte Nachricht für zukünftige Selbstpublizierer: Selbst bedeutet genau das. Als Indie-Autor übernimmt man jeden Schritt in der Erstellung, Aufbereitung und dem Marketing eines Buchtitels wirklich selbst.

Ich bin der Letzte, der diesen Punkt verharmlosen will. Doch zumindest Amazons Kindle Programm war mit ein wenig Zutrauen in das Prinzip »Trial and Error« auch für einen Software-Laien – wie mich – zu »bezwingen«. Was mir gelungen ist, kann auch für andere keine unüberwindliche Hürde darstellen.

Schwieriger gestaltete sich da schon das Verfassen eines aussagekräftigen Klappentextes für meine Bücher. Ich gebe gerne zu, dass mich dies durchaus einige graue Haare gekostet hat. Aber einer der vielen Vorteile für Autoren in der neuen E-Book-Welt besteht ja auch darin, dass man problemlos mit einem Klappentext bei amazon.de oder anderswo experimentieren kann, bis er für die Leser wirklich ansprechend ist.

Schwieriger als Klappentext und Formatierung sind da schon die beiden Stolpersteine Buchcover und Lektorat.

Buchcover – die Visitenkarte

Obwohl ich über rudimentäre Kenntnisse von Bildbearbeitungsprogrammen verfüge, stellte ich nach einiger Zeit fest, dass ich mit der Gestaltung meiner Cover allein überfordert war und suchte mir Unterstützung in Form einer sehr netten Kunststudentin, für die diese Aufgabe eine willkommene Herausforderung darstellte und die mir wertvolle Anregungen und handwerkliche Tipps für meine Covergestaltung gab. Doch wer am Buch-Cover spart, der wird mit hoher Wahrscheinlichkeit von den potenziellen Käufern seines E-Book-Titels mit Missachtung bestraft. Immerhin muss auf Amazon und Co das Buchcover eines Indie-Autors mit den Titeln aus den großen Publikumsverlagen mithalten können. Wer wochen-, monate- zuweilen jahrelang an einem Text sitzt und sich tagtäglich tapfer einer neuen Runde im Kampf mit dem »Gott der leeren Seite« stellt, der sollte seine eigene Arbeit nicht dadurch diskreditieren, dass er die finanziellen und zeitlichen Aufwendungen für ein ansprechendes Buchcover scheut.

Lektorat – das A und O

Es existiert ein [7] Verband freier Lektoren in Deutschland. Auf dessen Website ist ein Verzeichnis aller dort gemeldeten Lektoren erhältlich.

Natürlich kostet die Arbeit eines Lektors Geld. Aber dieses Geld ist, wie die Aufwendungen für die Covergestaltung, sehr gut angelegt. Ich kann jedenfalls nicht verstehen, weshalb manche angehenden Kollegen die Aufwendungen für ein entsprechendes Lektorat ihrer Texte scheuen, aber zugleich erwarten, dass ihre unlektorierten Titel dennoch von den Lesern gekauft werden. Mir erscheint das wie eine Brötchenbäckerei, die ihren Kunden zwar Mehl, Butter, Hefe und Milch anbietet, aber dann vom Brötchenkäufer erwartet, dass er sich seinen Teig selbst zusammenrührt und zuletzt auch noch persönlich aufbackt.

Das Kreuz der Formate

Man muss nicht viel darum herum reden, aktuell sind zwei Formate im E-Book-Markt vorherrschend: Amazons Kindle Format und das Epub-Format. Wer in beiden Formaten mit seinem Titel präsent sein will, dem bleibt nichts weiter übrig als seinen Text auch in beide Formate umwandeln zu lassen oder dies beispielsweise mit [8] Calibre selbst zu tun. Nicht jeder Autor mag dies technisch beherrschen und wird daher in diesem Aspekt auf die Unterstützung von Familie, Freunden oder Bekannten angewiesen sein.

Derzeit ist es zudem so, dass man zum Veröffentlichen von Indie-Titeln auf bestimmten Vertriebsplattformen, wie zum Beispiel Buch.de, Bol.de, Libreka,  oder auch Thalia.de, immer noch auf eine Handvoll vorgeschalteter Dienstleister angewiesen ist, die diesen Service anbieten und ihn sich teilweise sehr hübsch bezahlen lassen. Aber auch dieses Problem wird der Markt früher oder später  regulieren. Was den iTunes-Store betrifft, so steht mit dem US-Anbieter [9] Smashwords.com bereits ein gängiger Weg ins gelobte Apple-App-Land zur Verfügung.

»ePubber« – das Stigma des E-Book-Indie Schmuddelkindes und das Schicksal des Printbuches

Ich bin mir sicher, dass es nach der Erfindung des Rades jede Menge Besserwisser und Packpferd-Vermieter gab, die meinten, dieses neumodische Ding in Verbindung mit einer Achse an irgendein Gefährt anzubringen und dieses dann von Ochsen, Pferden oder wegen mir auch Rotaugenpavianen durch die Gegend ziehen zu lassen, müsse eine teuflische Idee sein.

So unrecht hatten diese Besserwisser ja auch gar nicht.

Immerhin hat die Erfindung des Rades zweifellos zu einer immensen Erhöhung der Verkehrsunfälle geführt. Erst recht nachdem man später dann auch noch auf den Gedanken verfiel, das Rad mit so gefährlichen Einrichtungen wie der Dampfmaschine oder dem Verbrennungsmotor zu verbinden.

Und als sich das britische Empire zunehmend von Billigprodukten aus dem aufstrebenden Deutschen Reich überschwemmt sah, kam man dort auf die Idee diesen Produkten den Stempel »Made in Germany« aufzuzwingen, um jedem guten britischen Untertanen deutlich zu machen, welchen schlecht zusammen geschusterten Schrott er da gekauft hatte. Ich denke wir alle wissen, was schließlich aus jenem aufoktroyierten »Stigma« geworden ist.

Es hat auch keinen Sinn, das Offensichtliche zu bestreiten: Aktuell wimmelt es im E-Book-Markt tatsächlich nur so von Schrott. Ja, womöglich nimmt dieser Schrott zurzeit sogar den Hauptteil der Indie–E-Book-Titel ein.

Doch heißt dies noch lange nicht, dass dies für immer so bleiben muss. Oder gar so bleiben sollte.

Jeder gut gemachte neue E-Book-Titel eines handwerklich versierten Kollegen, der seinen Weg in die verschiedenen E-Book-Charts macht, beweist aufs Neue, dass Erfolg im E-Book-Markt weder Zauberei noch dass dieser Markt einzig und allein eine Spielwiese für Stümper ist.

Denn eines steht doch auch fest: Mit jedem guten Autorennamen, der irgendwo auf einem selbstpublizierten E-Book–Cover auftaucht, schwindet das Vorurteil in der Leserschaft, es bei Indie-Titeln grundsätzlich nur mit Mist zu tun zu haben. Und das, liebe Brothers and Sisters in Arts, kommt letztlich allen von uns zugute.

Ich glaube auch nicht, dass das Printbuch, wie immer wieder behauptet wird, jemals ganz vom E-Book verdrängt werden wird. Auch diese Diskussion erinnert mich immer ein wenig an die Schwarzmalereien der großen Hollywoodstudios vom Untergang der Kinofilme angesichts der massenhaften Verbreitung des Fernsehens zu Beginn der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Das Kino tot?

Ich glaube nicht.

Und ich will hier ja auch gar nicht nur so sehr der massenhaften Migration von guten arrivierten Autoren ins E-Book Geschäft den Mund reden, als viel mehr mit einigen Vorurteilen aufräumen und den lieben Brothers and Sisters in Letters verdeutlichen, dass ein selbstpublizierter Indie-E-Book-Titel durchaus ein beachtliches Zubrot in der Kalkulation eines guten Autoren darstellen kann. Ein Zubrot, dessen Nährwert man auf jeden Fall nicht einzig aufgrund irgendwelcher stets wiedergekäuten Klischees missachten sollte. Wie eingangs erwähnt: »Alles was wir zu befürchten haben, ist nur die Furcht selbst.«

Zum Schluss

Man darf sich fragen, weshalb David Gray sich dazu berufen fühlte, derart große Reden zu schwingen. Wer ist der Mensch überhaupt? Kennt man den Mann denn?

Was mich, wenn schon nicht dazu befugt, solche Reden zu schwingen, aber diese Reden immerhin untermauert, ist der Umstand, dass ich mit meinem selbst publizierten E-Book Titel seit über 100 Tagen in den amazon.de Top 100 vertreten bin und – seit amazon.de im April seine Kindle-Offensive startete – allein auf amazon.de von meinem E-Book-Titel »Wolfswechsel« über 2.800 Exemplare verkauft habe (Stand: September 2011).

Maßgebliche Mitwirkung oder wenigstens Zustimmung erfuhr dieser Artikel von meinen Indie-Kollegen Birgit Böckli, Emily Bold und Andreas Stetter. Doch glauben wir alle darüber hinaus für die hier angeführten Ideen, Thesen und Beobachtungen zur Lage im deutschen E-Book-Markt auch auf die Unterstützung und Zustimmung vieler weiterer Autoren rechnen zu dürfen.

David Gray
mit Unterstützung von Birgit Böckli, Emily Bold und Andreas Stetter

Über die Autoren dieses Artikels

Symbolbild: David Gray (Foto: privat)David Gray ist das Pseudonym eines deutschen Journalisten und Filmkritikers. Geboren 1970 in Leipzig, weist sein Lebenslauf längere Aufenthalte in Südostasien, Irland und Großbritannien auf. Er hat einen historischen Roman, einen Polizeithriller und eine Shortstorysammlung auf amazon.de veröffentlicht.
Autorenseite von David Gray bei amazon.de

 

Emily Bold (Foto: privat)Emily Bold wurde 1980 in Bayern geboren, wo sie auch heute noch mit ihrer Familie lebt. Da sie bereits im Kindesalter jedes Buch verschlang, lag der Gedanke nahe, irgendwann selbst einen Roman zu verfassen. Mit »Gefährliche Intrigen« verfasste sie ihren ersten historischen Liebesroman, dem inzwischen weitere im selben Genre folgten.
[10] Website von Emily Bold emilybold.de

 

Birgit Böckli (Foto: privat)Birgit Böckli 1972 in Rheydt geboren schreibt seit ihrer Kindheit. Sie veröffentlichte bislang zwei Shortstoryanthologien und einen Kurzroman bei amazon.de. Über die Plattform Neobooks wurde das Lektorat des Droemer Knaur Verlags auf sie aufmerksam, und sie erhielt ihren ersten Verlagsvertrag für den Kriminalroman »Friesensturm«. Die gelernte Wirtschaftskorrespondentin lebt mit ihrer Familie in einer Kleinstadt in der Nähe von Heidelberg.
[11] Autorenseite von Birgit Böckli bei amazon.de
Andreas Stetter (Foto: privat)Andreas Stetter, Jahrgang 73, hat mit »[12] Untot: Dämmerung«, auf Amazon.de sein erstes Buch veröffentlicht. Zwei weitere Projekte stehen vor ihrer Vollendung. Schreiben ist für ihn eine Therapie und Kanalisation seiner Kreativität.
[12] Das E-Book »Untot: Dämmerung« von Andreas Stetter bei amazon.de

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[6] Weiter mit Teil 3: Die Stolpersteine des Selbstverlegens »: http://www.literaturcafe.de/e-books-selbst-verlegen-stolperfallen-und-denkfallen/3/
[7] Verband freier Lektoren in Deutschland: http://www.vfll.de/
[8] Calibre: http://calibre-ebook.com/
[9] Smashwords.com: http://www.smashwords.com/
[10] Website von Emily Bold emilybold.de: http://emilybold.de/
[11] Autorenseite von Birgit Böckli bei amazon.de: http://www.amazon.de/gp/entity/Birgit-B-ouml;ckli/B004YHRPGM?ie=UTF8&ref_=ntt_dp_epwbk_0&ie=
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[12] Untot: Dämmerung: http://www.amazon.de/gp/product/B004R1Q5YS/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=dasliteraturc-21&link
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[13] Bild: http://www.amazon.de/gp/product/B00507HJQG/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=dasliteraturc-21&
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[15] Amazon Kindle (alle Modelle): http://www.amazon.de/gp/product/B003DZ1Y8Q/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&tag=dasliteraturc-21&link
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