Duden Korrektor Version 6 im Test: So wirt dass Nichts mit dem Digitalem

Der Duden hat Version 6 des Duden Korrektors auf den Markt gebracht. Die Software ersetzt in Microsoft Office oder OpenOffice die eingebaute Rechtschreibprüfung durch eine bessere – zumindest was das Erkennen von Fehlern anbelangt.

Beim Bibliographischen Institut hat man offenbar erkannt, dass langfristig auch die Tage des gedruckten Dudens gezählt sind. Wenn man nach dem untergegangene Flagschiff Brockhaus nicht auch noch die Marke Duden versenken will, muss eine gute Strategie her, um das Rechtschreibwerk auf die Computer zu bringen. Wer dort seine Texte erfasst, will dort auch gleich die Schreibung überprüfen lassen und nicht zum gedruckten Werk greifen.

Daher verschenkt man beim Duden-Verlag die aktuelle Version des Korrektors kompakt. Zumindest liegt die Version 6 für Microsoft Office bis Jahresende 2009 dem gedruckten Duden für zusammen 25 Euro bei. Als Einzelversion kostet sie 19,95 Euro.

Wir haben uns diese aktuelle Version 6 des Korrektors angesehen und müssen erkennen, dass man bei Duden leider nicht wirklich alles daran setzt, ein gutes digitales Produkt anzubieten.

Der Duden Korrektor ist Nachschlagewerk und Rechtschreibprüfung

Der Duden Korrektor besteht aus zwei Komponenten, die beide auf dem aktuellen Duden-Wortschatz der 25. Auflage aufbauen. Da ist zum einen die reine digitale Nachschlagefunktion. Hierzu setzt man schon seit Jahren beim Bibliographischen Institut auf die eigene Software »Office-Bibliothek«, die als gemeinsame Oberfläche für alle digitalen Duden-Werke dient und nicht mit Microsoft Office zu tun hat. Wer z. B. den digitalen Fremdwörterduden oder das Synonymwörterbuch gekauft und installiert hat, nutzt so eine Software, um auf alle Inhalte zuzugreifen.

Die zweite Komponente des Korrektors ist die eigentliche Rechtschreib- und Grammatikprüfung. Die Version für Microsoft Office ersetzt die integrierte Rechtschreibprüfung aller Office-Programme wie Word, Excel und Powerpoint durch die bessere Duden-Korrektur. Nutzt man Word als Editor für Outlook, so greift die Prüfung auch beim Schreiben von eMails.

Bereits beim Test der Version 4 des Korrektors zeigte sich, dass er allen anderen Rechtschreibprüfungen überlegen war und die höchste Rate an Fehlern erkennt. Speziell bei Grammatik- und Zeichensetzungsfehlern ist die Duden-Software stark. Äußerst zuverlässig werden fehlende oder zu viel gesetzte Kommas angemahnt. Ebenso werden falsche Pluralformen oder im Kasus nicht passende Adjektive grün unterstrichen.

Der Korrektor ist innerhalb der Office-Anwendungen nach der Installation wie gewohnt über den Menüpunkt »Extras« aufrufbar. Auch die Kontexteinträge bei Rechtsklick auf ein als falsch markiertes Wort beziehen sich fortan auf die Duden-Prüfung.

Über eine zusätzliche Menüleiste kann man die Sofortprüfung, die Fehler gleich beim Schreiben anzeigt, ein- und ausschalten und man hat Zugriff auf die Einstellungen des Programms. Haarklein kann man dort angeben, was der Korrektor als falsch kennzeichnen soll. Ebenso kann der Duden z. B. auch veraltete Wörter oder Dialektausdrücke markieren.

Da nach der reformierten Rechtschreibung mehrere Schreibvarianten zulässig sind, kann auch vorgegeben werden, ob nach konservativen, progressiven oder selbst definierten Regeln geprüft werden soll.

Ebenso kann ein Wort im Text markiert werden, und per Menüeintrag »Nachschlagen« wird die Office-Bibliothek gestartet und das Wort dort angezeigt.

Neben dem Korrektor kompakt – der aktuell jeder gedruckten Ausgabe des Duden beiliegt – existiert noch eine PLUS-Version, die wir bereit in Version 5 getestet haben. Diese Version bietet zusätzlich die vollständige automatische Prüfung eines oder mehrerer Dokumente, wobei die Fehler als ganz normale Word-Anmerkungen markiert und am Rand erläutert werden. Das ist praktisch, wenn man den so bearbeiteten Text an jemanden ohne installierten Korrektor zurückgeben möchte. Zudem bringt die PLUS-Version einige Musterschreiben mit.

Für beide Versionen existiert darüber hinaus ein Zusatzpaket mit Fachausdrücken aus dem Bereich Recht und Steuern.

Schade, dass das preiswerte Analog- und Digitalpaket nur mit dem Korrektor kompakt für Microsoft-Produkte erhältlich ist.

Verfehlte Produktpolitik des Bibliografischen Instituts für OpenOffice-Anwender

Dabei haben gerade OpenOffice-Anwender allen Grund dazu, auf die verfehlte Produktpolitik des Bibliografischen Instituts wütend zu sein.

Während die Korrektor-Vorgängerversion 5 für Microsoft-Anwender zeitnah zur 2006 erschienenen 24. Auflage des Dudens erhältlich war, mussten OpenOffice-Anwender bis Anfang März 2009 auf diese Version warten, die sich zudem nur in Writer und nicht in Calc oder Impress integrieren lässt.

Kein halbes Jahr später müssen OpenOffice-Anwender nun miterleben, wie die Microsoft-Version kostenlos dem gedruckten Werk für 25 Euro beiliegt, während die Version 6 für OpenOffice-Write für sie nochmals 20 Euro kostet. Kostenloses oder kostengünstiges Update? Fehlanzeige! So macht man sich keine Freunde und so sollte man nicht mit Kunden umgehen.

Doch auch einige Microsoft-Anwender dürften nur bedingt Freude an der guten Rechtschreibleistung des Korrektors 6 haben.

Mehr oder weniger von Anfang an beklagen sich Nutzer darüber, dass die Duden-Prüfung das System enorm verlangsamt. Auch in den Kommentaren unserer Tests der Vorgängerverionen 4 und der Version 5 ist davon zu lesen. Der Korrektor sei zum Prüfen von Briefen sinnvoll, bei längeren Texten sei er nicht zu gebrauchen.

Leider ist dies auch mit Version 6 nicht besser geworden!

Seit Jahren nicht optimiert: Auch Version 6 verlangsamt das System

Aktiviert man die sofortige Anzeige von Fehlern im Text, so friert beim Prüfen von umfangreichen Dokumenten der Rechner für mehrere Sekunden ein oder schnell getippte Texte erscheinen Buchstabe für Buchstabe im 3-Sekunden-Takt verzögert.

Natürlich kann man langsame Rechner beschleunigen, indem man die Sofortprüfung wieder ausschaltet, was auch von Duden empfohlen wird. Allerdings ist eine nachträgliche Überprüfung von Texten in Dialogboxen, die sich über das Hauptfenster legen und nur wenig vom Kontext um den Fehler zeigen, nicht mehr zeitgemäß.

Schaut man noch genauer hin, so wird klar, dass offenbar die einzigen merklichen Änderungen, die die Version 5 zur Version 6 machen, der neue Duden-Wortschatz der 25. Auflage und eine leicht aufgehübschte Oberfläche sind.

Die Software zeigt zudem dieselben Fehler und Probleme wie bereits Version 5. Selbst solch offensichtliche Korrekturfehler, wie die als falsch markierte Kleinschreibung nach der Anrede in eMails und Briefen ist nicht behoben.

Auch andere Kleinigkeiten nerven weiterhin: Schreibt man das erste Wort eines Satzes falsch, so setzt es der Korrektor immer in Klein- statt Großschreibung um.

Und auch in Sachen Benutzerführung und Systemverhalten zeigt sich, dass man beim Bibliografischen Version offenbar nicht bemüht ist, dem Kunden eine wirklich gute und durchdachte Software anzubieten.

Wer beispielsweise die Version 5 des Korrektors Plus installiert hat und nun mit dem gedruckten Duden die Version 6 der Kompakt-Version erhält, kann die Plus-Funktionen nicht mehr nutzen, wenn er die Korrektur nach neuester Auflage nutzen möchte. Die Software fordert gnadenlos zur Deinstallation der Plus-Version auf.

Da sich aber offenbar nur der Wortschatz geändert hat, wäre es doch nur fair und kundenfreundlich, wenn sich der Wortschatz getrennt installieren ließe, um weiterhin die erweiterten Möglichkeiten der Plus-Version 5 zu nutzen.

Schlampig und unsauber gepflegte Software

Noch schlampiger ist man beim Duden, was die Software »Office-Bibliothek« angeht. Ist bereit eine ältere Version auf dem Rechner installiert, so wird nicht etwa, wie man es von einer guten Installationsroutine gewohnt ist, ein Update durchgeführt. Stattdessen erscheint eine Hinweismeldung, dass die Installation nicht erfolgt. Gemeint ist aber nur die Installation der Office-Bibliothek. Klickt man die Dialogbox weg, installieren sich der neue Wortschatz und die Microsoft-Office-Integration dennoch problemlos. Hier klappt also das Zusammenspiel zwischen älterer Anwendung und neuem Wortschatz durchaus.

Klickt man anschließend auf die Update-Website des Duden, um die Office-Bibliothek manuell zu aktualisieren, so wird dort eine Version 5.0.3 vom 23.10.2008 angeboten. Lädt man diese herunter und führt man ein Update durch, so meldet diese in der Info-Box sie sei die Version 5.0.5.0 vom 20. Mai 2008. Was soll man davon halten?

So bleibt der negative Gesamteindruck der Version 6 zurück, dass man es im Hause Duden nicht für nötig erachtet, endlich einmal die Software funktional zu verbessern, um Kundenbeschwerden ernst zu nehmen. Es ist nicht zu erkennen, dass man den Ehrgeiz besitzt, eine gute und auch in den Details benutzerfreundliche Software anzubieten oder eine nachvollziehbare Produktpolitik für OpenOffice-Anwender zu betreiben. Selbst unsere Nachfrage, ob man denn Dinge an der Software gegenüber Version 5 verbessert hätte, blieb unbeantwortet.

Fazit: Keine merklichen Veränderungen gegenüber den Vorgängerversionen

Offenbar führt nur der erweiterte Inhalt und Wortschatz der 25. Duden-Auflage zum Versionssprung des Korrektors von 5 auf 6. An der Software selbst lassen sich – abgesehen von der leicht veränderten Optik – keine Veränderungen feststellen. Immer noch verlangsamt der Korrektor 6 das System und gravierende Fehler wurden ebenfalls nicht behoben.

Schon seit geraumer Zeit hat der Duden seine zuvor gesetzlich gesicherte Autorität verloren. PONS macht ihm aktuell mit einer kostenlosen Variante eines Rechtschreibwörterbuchs im Netz Konkurrenz.

Es wird also Zeit, dass man beim Bibliographischen Institut erkennt, dass es nicht allein die Inhalte sind, die zum Erfolg eines Produktes und zur Zufriedenheit des Kunden beitragen, sondern auch die Art, wie man diese Inhalte nutzen kann.

Den »neuen« Duden weiterhin mit der »alten« Software anzubieten, ist kontraproduktiv.

Es wird endlich Zeit, dass die Software des Korrektors grundlegend überarbeitet wird.