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Beitrag vom 30. März 2007 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps

Die Bibel macht aggressiv

Keine JugendfreigabeNicht nur sogenannte Killerspiele erhöhen die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, sondern auch Bibeltexte. Dies haben laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung Psychologen der University of Michigan, der Vrijen Universiteit in Amsterdam und der Brigham Young University herausgefunden. Probanden, die zuvor u.a. eine Stelle aus dem Buch der Richter gelesen hatten, in denen eine Vergewaltigung, ein Mord und eine blutige Schlacht beschrieben werden, waren danach aggressiver. Ein Ausschnitt:

25 (…) Da fasste der Mann seine Nebenfrau und brachte sie zu ihnen hinaus. Die machten sich über sie her und trieben ihren Mutwillen mit ihr die ganze Nacht bis an den Morgen. Und als die Morgenröte anbrach, ließen sie sie gehen. (…) 29Als er nun heimkam, nahm er ein Messer, fasste seine Nebenfrau und zerstückelte sie Glied für Glied in zwölf Stücke und sandte sie in das ganze Gebiet Israels.

Sollte die Bibel also demnächst nicht mehr ungeschnitten ungekürzt an Jugendliche verkauft werden? Die »Bibel uncut« nur als FSK18-Fassung? Dass die Texte von Goethe und Hesse ebenfalls sehr gefährlich für Jugendliche sein können, ist im literaturcafe.de schon seit langem nachzulesen.

6 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. H.L schrieb am 30. März 2007 um 12:47 Uhr

    Genau so ist’s – das Christentum und dessen Bollwerk – die USA – tun stets so, als wäre diese Religion ach-so-friedlich, dabei ist sie mindestens so gewalttätig wie der Islam. Übrigens: Ohne Araber lägen wir medzinishc weit zurück (vorher gabs nur Klistiere) und hätten nicht einmal den Kompass …

  2. Martin Stauder schrieb am 30. März 2007 um 18:54 Uhr

    Wegen der Zerstückelung der Nebenfrau in zwölf Stücke braucht man nicht aufgebracht sein. Die Zahl Zwölf steht hier für die 12 Stämme Israels. Das Motiv der Zerstückelung findet sich auch im ägyptischen Osiris-Mythos wieder. Dort zerstückelt Seth die Leiche seines Bruders und Gegenspielers Osiris und verteilt die Glieder über die ganze Welt. Mit Hilfe von Magie kann Isis die einzelnen Glieder von Osiris wieder zusammensetzen.

  3. Jo Schwarz schrieb am 2. April 2007 um 12:57 Uhr

    @Martin: Ganz recht. Warum sollte man sich über das Zerstückeln einer Nebenfrau aufregen, da 12 ja die Zahl der Stämme Israels ist. Freilich wäre auch eine Zerstückelung in 3 Teile (Heilige Dreifaltigkeit), 2 (Dualität) oder 1 (Anzahl der Hirnzellen mancher Kommentatoren) nicht übel. Zumal dann wenn mit Magie die Teile wieder zusammengefügt werden können. Vielleicht wäre es für manche Zerstückelungsopfer hilfreich, wenn du auch noch die Adresse von Herrn Osiris angeben könntest.

  4. Martin Stauder schrieb am 2. April 2007 um 17:29 Uhr

    Hallo Jo,
    das Problem liegt darin, dass der Text aus dem Buch Richter erstens aus jeglichem Zusammenhang gerissen wurde. Die Zahl Zwölf nimmt in der Bibel eine sehr bedeutenden Stellung ein und taucht in verschiedenen Bedeutungen immer wieder auf. Im Buch Richter bedeutet die Zahl 12 ohne jeglichen Zweifel die zwölf Stämme Israels, die sich nach dem Tode Joshuas sich von Gott abwenden, indem sie andere Götter anbeten (Baal, Astarte) und der Verderbnis befallen. Die Stämme Israels bekriegen sich auch gegenseitig. Die Zerstückelung bedeutet also Zwietracht und Uneinigkeit. Das theologisch Entscheidende ist, dass die Israeliten wieder zu Gott finden (Buch Richter, 20,26) und das der Stamm der Benjaminiter nicht ausstirbt.
    Adresse von Osiris: Siegfried Morenz, Ägyptische Religion, Kohlhammer.

  5. Ulrich Baethge schrieb am 4. April 2007 um 04:34 Uhr

    Es ist leider völlig unerheblich, ob es sich um 12. 13 oder 99 Stämme von wem auch immer handelt. Die Frage, die mit dem Ursprungsbeitrag angerissen werden sollte, lautet sinngemäß: Wird (staatliche) Zensur im Bereich der Literatur (Kunst) benötigt oder nicht? Die Antwort lautet von meiner Seite aus kurz und bündig: Nein, auch nicht unter dem Deckmäntelchen des Jugendschutzes!

  6. Moses schrieb am 25. November 2011 um 22:13 Uhr

    Lol, um ihr Feindbild in den Dreck zu ziehen, sind sich Bibelkritiker offenbar für keine Peinlichkeit zu schade. Im Fahrwasser des Verbietet-Killerspiele-Geschreis wirkt das ganze sogar eleganter als gewohnt, nach dem Motto: Wenn wir schon dabei sind… Macht euch bitte nicht lächerlich! Ein normaler Mensch läuft auch nach dem blutrünstigsten Horrorfilm nicht los und murkst Leute ab. Übrigens: Die meisten Amokläufer essen vor der Tat Brot. Verbietet Brot!!

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