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Beitrag vom 14. Januar 2008 | Rubrik: Buchkritiken und Tipps, Notizen

Der Nebel: Stephen Kings literarischer Schluss-Trick

Stephen King: Im MorgengrauenSelbstverständlich werden auch wir uns die Verfilmung von Stephen Kings Kurzroman »Der Nebel« ansehen. Bei uns konnten Sie mit etwas Glück Freikarten für den Film gewinnen. Der Film wird u.a. mit einem Zitat der us-amerikanischen Ausgabe der Zeitschrift MAXIM beworben. Diese attestiert der Literaturverfilmung »eines der überraschendsten Enden der Filmgeschichte«. Nicht nur diese Aussage war Grund genug für uns, vor dem Kinobesuch die literarische Vorlage zu lesen. Sie befindet sich im Band »Im Morgengrauen« (Ullstein Taschenbuch, deutsch von Alexandra von Reinhardt). King hat den Kurzroman Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geschrieben, er ist also schon über 20 Jahre alt. Und wie endet die literarische Vorlage?

Nun, wir verraten wohl nicht zu viel, wenn wir sagen, dass im Buch die Geschichte absolut offen endet. Es gibt weder ein Happy-End noch ein dramatisches Ende, bei dem alle tot sind. Interessant ist jedoch der Kniff, mit dem King den Leser darauf vorbereitet, dass die Handlung zwei Seiten später einfach ohne großen Knalleffekt enden wird.

Bei der Geschichte handelt es sich um eine Ich-Erzählung. Schon recht früh macht King dem Leser klar, dass dieser Ich-Erzähler einen Rückblick auf das Geschehene schreibt und daher in vielen Punkten die Entwicklung bereits vorwegnimmt. Und so auch recht ironisch, was den Schluss der Geschichte betrifft:

Das also ist passiert. Jetzt wissen Sie alles. Das heißt, fast alles – zu einem allerletzten Punkt komme ich gleich noch. Aber Sie dürfen keinen ordentlichen Schluß erwarten. Es gibt kein »Und sie entkamen dem Nebel in den strahlenden Sonnenschein eines neuen Tages« oder »Als sie erwachten, war endlich die Nationalgarde eingetroffen«, nicht einmal jenes beliebte alte Hilfsmittel: »Es war alles nur ein Traum gewesen.«

Es ist vermutlich das, was mein Vater mißbilligend »ein Hitchcock-Ende« nannte, worunter er einen doppeldeutigen Schluß verstand, der es dem Leser oder Zuschauer erlaubte, eigene Erwägungen über den Ausgang anzustellen. Mein Vater hatte für solche Geschichten nur Verachtung übrig und bezeichnete sie als »billige Tricks«.

11 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. T. Bernardy schrieb am 14. Januar 2008 um 12:02 Uhr

    Für eine Ich-Erzählung immer ein probates Mittel und eine rationelle Methode, das Vorauseilen eigenen Wissens, besonders auch bei persönlicher Involvierung in den Handlungsverlauf, mit dem Bekenntnis dazu hinnehmbar zu machen. MAXIM scheint das für etwas besonderes zu halten. Daran versuche ich mich gerade.

  2. K R schrieb am 15. Januar 2008 um 00:35 Uhr

    Tja. Das geilste Buch, das Steven King geschrieben hat, heißt: Das Leben und das Schreiben. Nein, kein durchgedrehter Schriftsteller wie in Shining. Überhaupt kein Horror, im Gegenteil. Eine ganz nüchterne und brauchbare Unterweisung über den handwerklichen Aspekt des Schreibens. Und ganz neben bei noch ein bißchen King- Biographie,
    die zumindest meine Ansicht über diesen massenhaft Bestseller schreibenden Superstar gewandelt hat. Ich will´ s mal so sagen: Der Kerl scheint kein Arschloch zu sein. In heutiger Zeit muß sowas in Gold aufwogen werden. Da sind die Arschlöcher schon dermaßen zahlreich und allgegenwärtig, daß man sie bereits für normal hält.
    Aber ich bin vom Thema ab…, sorry.

  3. Birgit schrieb am 15. Januar 2008 um 10:10 Uhr

    Leider kenne ich das Buch “Der Nebel” nicht, aber nachdem ich heute eine ziemlich vernichtende Kinokritik gelesen habe, werde ich das Buch auf jeden Fall dem Film vorziehen.

  4. N.W. schrieb am 19. Januar 2008 um 09:37 Uhr

    Ich bin großer King-Fan und bei den Verfilmungen immer sehr vorsichtig!! Es gibt wenige sehr gute Verfilmungen – aber diese gehört für mich dazu. Spannung bis zum furchterregenden Schluss!!

  5. Daniel schrieb am 19. Januar 2008 um 15:17 Uhr

    also dieser film war das schlechteste, was ich je im kino gesehen habe. plastiklibellen, gummikraken, sinnlose dialoge, über die allenfalls die minderbemittelten in der vorderen reihe gelacht haben und ein ende, welches so beschissen dämlich ist. zum totlachen. ich habe dem film nichts, und wirklich nichts positives, abgewinnen können. ich war echt sauer, dafür auch noch 1,10 mehr bezahlt zu haben “weil der film gerade neu ist”

  6. SvD schrieb am 21. Januar 2008 um 15:56 Uhr

    Dieser Film wäre eine recht unspektakuläre King-Verfilmung, wäre da nicht das Ende – offenbar das einzige, womit die Produzenten Leute in die Kinos locken möchten. Und genauso wirkt es: berechnend, überkonstruiert, in einem Wort: unglaubwürdig.
    Ich kann nur jedem das literarische Original empfehlen – oder aber, das Kino fünf Minuten vor Schluß zu verlassen, wenn man sich nicht vollkommen verarscht fühlen möchte.

  7. Lonesomelooser schrieb am 21. Januar 2008 um 22:20 Uhr

    Das beste Kino ist immer noch das Kopfkino, sprich die eigene Vorstellung beim Lesen. Der Fild selbst ist nur mäßig spannend, aber das Ende ist das Brutalste und Verstörendste was ich je gesehen habe. Ich saß in einer Spätvorstellung in einem Stuttgarter Kino und war nicht der einzige Zuschauer, welcher nach dem Film, und hier vor allem die letzten Minuten absolut geplätet war. Für liebende Väter definitiv nicht zu empfehlen, die Horrorvorstellung schlechthin wird Wahrheit ….

  8. arbiter schrieb am 23. Januar 2008 um 00:32 Uhr

    Für einen ziemlichen Nichtkonsumenten laufender Bilder für Literatur nach Schiwago und ähnlichen Erfahrungen erhält die Leseerfahrung Buch eindeutig den Vorzug. Film ist ein Medium, Buch ein anderes. Keines leistet, was das andere leistet. Keines bildet ab, was das andere abbildet. Es sind eigene Medien, die nicht miteinander verglichen werden können. Solchem Vergleich setzt sich bei Adaption literarischer Stoffe Film zwangsläufig aus und unterliegt zwangsläufig. Dennoch hat auch Verfilmung literarischer Stoffe ihre Berechtigung als z.B. Ergänzung, Begleitung oder auch eigenständige Interpretation. Damit lassen sich Erwartung, Vorurteil, vor allem Vorkenntnis des Zuschauers nicht überwinden. Vielleicht verstehen Filmemacher irgendwann, der Versuch getreulicher Textabbildung literarischer Werke ist eine Sackgasse.

  9. Michael schrieb am 31. Januar 2008 um 03:56 Uhr

    ich habe das buch nicht gelsesen aber das ende des films fand ich schon gut kein happy end aber auch nicht die übliche welt geht unter sache
    es geht einem schon nahe wenn man sich in den film reinversetzt und sich überlegt wie man sich selber fühlen würde
    so ein ende ist mir lieber als ein offenes da fühlt man sich immer um etwas betrogen wie z.b die komplette dunkle turm saga nur damit man am schluss wieder bei buch 1 anfängt nicht das die bücher schlecht waren aber vom ende ist man dann doch nach so viel lesen enttäuscht

  10. Jansen schrieb am 7. August 2008 um 12:41 Uhr

    Der Film war für mich bis zu dem Zeitpunkt, als sie den Supermarkt endgültig verlassen haben nur durchschnittlich. Aber ab dann wurde er großartig. Die Gefühle und Ängste der Personen wurden sehr glaubwürdig und mitfühlend dargestellt. Die Wirkung erzielte man hier intelligent durch Schweigen statt zu vieler Worte.
    Hervorzuheben ist auch die gänsehautartige, sehr getroffene Musik in den Schlussszenen.

  11. Maufe schrieb am 5. September 2008 um 23:55 Uhr

    Ich habe den Film gerade in der Dirctors Cut Version in Schwarzweiss gesehen. Dadurch das er nicht farbig war, war schon die Grundstimmung sehr düster, schlechte Effekte habe ich nicht wirklich wahrgenommen (schwarzweiss) und ich fand auch das Ende sehr gut. Ich kann diesen Film in der DC Version eigentlich jedem Empfehlen der das Buch nicht gelesen hat.

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