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Deathbook: Rowohlt und Andreas Winkelmann bringen den Tod 3.0

DeathbookKann man eine Geschichte so erzählen, dass dies nur im und mit Internet möglich ist? »Netzliteratur« nannte man das, und darüber wurde Ende der 1990er-Jahre heftig diskutiert [1]. Bereits 1998 führte das literaturcafe.de ein Experiment durch [2], in dem eine fiktive Web-Geschichte mit der realen Welt verschmolz und die Leser Einfluss auf die Handlung nehmen konnten und sogar Teil davon wurden.

Fast 15 Jahre später wagt sich ein großer Publikumsverlag an ein ähnliches Experiment. Der Autor Andreas Winkelmann [3] hat mit »Deathbook« für den Rowohlt Verlag einen Thriller konzipiert, der Facebook [4], Twitter und Blogs [5] nicht wie sonst üblich als Marketingschnickschnack benutzt, sondern die Online-Kanäle aktiv in die Handlung integriert. Die Leser werden Teil von ihr.

Die erzählerische Basis bildet eine wöchentliche Fortsetzungsgeschichte, die ab dem 24. September 2013 als E-Book in 10 Folgen erscheint.

Ganz ohne Papier kommt man jedoch auch bei Rowohlt nicht aus, denn Anfang Dezember wird eine adaptierte Fassung des »Deathbook« gedruckt erhältlich sein.

Doch zunächst läuft alles elektronisch, und Realität und Fiktion werden sich vermischen. Hierzu wird die Geschichte nicht nur in den kostenpflichtigen E-Books erzählt, sondern beispielsweise zusätzlich auf Facebook und Twitter. Und die Leser können Videos entdecken.

Diese Videos sollen jedoch nicht nur schmückendes, multimediales Beiwerk sein, wie dies bei »Apokalypsis [7]« oder anderen so genannten »enhanced E-Books [8]« der Fall ist. Andreas Winkelmann betont, dass die Geschichte ohne die Videos nicht funktioniert, da diese elementarer Bestandteil der Erzählstruktur sind.

Um Fiktion und Wirklichkeit weiter zu vermengen, ist der Autor gleichzeitig seine eigene Hauptfigur. Der Autor kann somit auf Facebook [4] andere um Hilfe bei seinen »Ermittlungen« bitten, und die Reaktionen fließen wiederum in die Handlung ein. Dies soll laut Rowohlt so weit gehen, dass man als Leser auch SMS-Nachrichten oder sogar Briefpost bekommt.

Ebenso wurden im Vorfeld Blogger gecastet [9]. Die Aufgabe: »Stell dir vor, dein Tod sei nahe. Du fühlst dich bedroht, die Angst packt dich, am Ende ganz allein zu sein. Schreib deine letzten Worte auf – so als würden diese Zeilen eines Tages dein Vermächtnis für die Nachwelt sein.«

Über 100 Blogger stellten sich dieser Schreibaufgabe, und schließlich fiel die Wahl auf Insa Kohler [5], die nun ebenfalls Teil der real-fiktiven Erzählwelt wird. Sie wurde von Autor Andreas Winkelmann persönlich in einem Workshop auf ihre Aufgabe vorbereitet.

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Der Workshop zum Bloggercasting

Die Geschichte, die erzählt wird, ist grausam und mysteriös, denn alles beginnt mit dem Tod von Winkelmanns 16-jähriger Lieblingsnichte Kathi, deren Leiche auf den Bahngleisen aufgefunden wird. Der Krimi- und Thriller-Leser weiß natürlich, dass so was kein Selbstmord ist, auch wenn es die Polizei zunächst behauptet. Dass es ein Mord war, davon ist auch Autor Andreas Winkelmann überzeugt, der mit Nachforschungen beginnt und auf ein geheimnisvolles Netzwerk der Toten stößt, dem »Deathbook«. Die Anspielung ist mehr als deutlich.

Zum »Anfüttern« der Leserinnen und Leser wird es Teil 1 am 24. September 2013 gratis als E-Book für Android, iOS und Kindle geben, die wöchentlich Folgen 2 bis 10 kosten dann jeweils 1,49 Euro. Abschließend wird Anfang Dezember eine adaptierte E-Book- und Druck-Gesamtausgabe beim Rowohlt-Imprint »Wunderlich« erscheinen.

Man darf also gespannt sein, ob und wie diese »transmediale Geschichte« funktionieren und wie Andreas Winkelmann die fiktiven und realen Erzählstränge verweben wird. Im literaturcafe.de wird davon zu lesen sein.

Schon jetzt ist klar, dass es ein brutaler Thriller sein wird, der auch vor drastischen filmischen Gewaltdarstellungen nicht zurückgeschreckt.

»Ich bin der Tod 3.0«, heißt es am Ende des Epilogs von »Deathbook«.

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