- literaturcafe.de - http://www.literaturcafe.de -

Das Vorwort tötet den Roman: Warum Autoren zum unnötigen Blabla neigen

Vorwort: Wer will das lesen?Speziell bei Hobby-Schriftstellern und Selbstverlegern ist das unnötige Vorab-Blabla vor einem Roman sehr beliebt – landläufig »Vorwort« genannt. Auch ein »Prolog« vor der eigentlichen Geschichte wird gern verfasst.

Neulich traf ich einen Autor, der sein E-Book selbst bei Amazon veröffentlicht hat [1]. Er lobte meinen Ratgeber [2], mit dem die technische Hürde leicht zu bewältigen war, doch beklagte er, dass niemand seinen Roman kaufe. Und das, obwohl er im vielversprechenden Fantasy-Genre angesiedelt und die Story nicht schlecht sei.

Ich lade die Leseprobe herunter – und mir wird sofort klar, warum niemand auf »Kaufen« klickt.

Die Textprobe besteht einzig und allein aus einem drögen Vorwort!

Die Leseprobe ist das wichtigste Verkaufsinstrument bei E-Books

Neben Cover und Preis ist die Leseprobe das wichtigste Verkaufsinstrument bei E-Books. Der Textausschnitt muss den Leser packen, ihn oder sie zum Weiterlesen und somit zum Kauf animieren. Eine zweite Chance wird man als Autorin oder Autor nicht bekommen.

Amazon erstellt automatisch Leseproben aller Kindle-Bücher, die sich Kaufinteressenten kostenlos herunterladen können. Als Autor kann man sich die Stelle nicht aussuchen. Je nach Umfang des E-Books sind es die ersten 10 Seiten oder 10 Prozent vom Anfang des Werkes – egal, was sich dort befindet. Steht da ein umfangreiches Vorwort oder eine 10-seitige Danksagung, so ist dies die Leseprobe.

Warum mit einem Vorwort langweilen?

Was aber treibt meist Laien dazu, den potenziellen Leser mit einem Vorwort beispielsweise über die Entstehungsgeschichte des Romans zu langweilen?

Wer zunächst die Hintergründe erläutern muss, hat kein Vertrauen in den eigenen Text. Er oder sie versucht den Leser auf die persönliche Ebene zu ziehen, anstatt mit Inhalten zu überzeugen.

Es ist wie bei Vorträgen von Laien und Ungeübten: Achten Sie einmal darauf, wie viele Vorträge mit einer Entschuldigung beginnen! Der Vortragende entschuldigt sich, dass seine Stimme aufgrund einer Erkältung heute etwas leise sei, er entschuldigt sich, dass seine Folien nicht ganz so toll sind, weil er sie noch in der Nacht vor dem Vortrag erstellt hat oder weil er noch nie mit diesem Präsentationsprogramm gearbeitet hat.

Der Grund ist simpel: Wem das Selbstbewusstsein fehlt und unsicher ist, der oder die versucht, die Sympathien der Zuhörer mit Mitleid und Verständnis zu gewinnen. Ein Profi würde das nie tun, denn er weiß, dass er dank seiner guten Vortragstechnik mit den Inhalten überzeugen wird.

Ein Vorwort ist eine Entschuldigung

Eine ähnliche Funktion haben Vorworte speziell bei Romanen oder Anthologien. Man meint, man müsse die Sympathien der Leser damit gewinnen, dass man vorab schreibt, dass »das Folgende auf einer wahren Begebenheit beruht«, »die folgende Kindergeschichte zunächst nur für meinen dreijährigen Sohn geschrieben wurde« oder »dass im Folgenden eine persönliche Krankheitsgeschichte literarisch aufgearbeitet wurde«.

Und noch ein weiterer Aspekt mündet gerade bei Hobby-Autoren unweigerlich in einem Vorwort: die Reaktion von Freuden und Bekannten. Zeigt die Autorin oder der Autor sein Werk erstmals vor, so ist das persönliche Umfeld meist erstaunt, dass man Geschichten oder gar Romane schreibt. Meist lesen diese Erstleser sonst nie Bücher, doch allein die Tatsache, dass jemand, den sie gut kennen, so viel schreibt, verblüfft die Bekanntschaft, und in der Regel fällt ihr Urteil positiv aus.

Leider treibt ein derartiges »Fehlurteil« viele Hobby-Autoren in die Arme von Zuschussverlagen [4], die zwar keine echten Verlage sind, aber Laien wissen das nicht und fallen auf die Lobhudelei herein, bestätigt sie doch vermeintlich das Urteil von Oma oder Bruder. Aber das ist eine andere Geschichte [5].

Freunde und Bekannte sind für Autoren oft schlechte Ratgeber

Tatsache ist, dass Freunde, Familienmitglieder und Bekannte anschließend ganz genau wissen wollen, wie es denn zu dieser Geschichte kam, ob man denn schon länger schreibe und woher man nur all diese verrückten Ideen für diese tolle Geschichte nehme.

Und so meint der Autor, er müsse dies der ganzen Welt erklären und erläutern – und er schreibt ein Vorwort, damit es auch künftige Leser erfahren.

Doch niemand, der den Autor oder die Autorin nicht kennt, interessieren die Hintergründe. Man will kein erklärendes Blabla lesen, sondern eine gute, spannende, sprachlich überzeugende oder unterhaltsame Geschichte. Nur das zählt. Ist die Story Müll, so nützt auch die Erklärung nichts, dass sie auf Tatsachen beruht.

Wenn’s sein muss: Machen Sie das Vorwort zum Nachwort

Kostenlose Leseprobe: Die Chance solle man nutzenDoch halt! Wenn ich sage, dass niemanden die Hintergründe interessieren, dann stimmt das natürlich nicht. Im Gegenteil: Wenn die Leserin oder den Leser die Geschichte berührt hat, wenn sie spannend war und mit oder ohne Happy-End abschließt, dann ist die Leserin oder der Leser sehr wohl daran interessiert, mehr über den Autor, die Geschichte und ihre Entstehung zu erfahren.

Das Vorwort ist also nicht umsonst geschrieben: Machen Sie es einfach zum Nachwort, wenn Sie meinen, nicht darauf verzichten zu können.

Ihr Buch beginnt nun unmittelbar mit der Geschichte – und somit auch automatisch die Amazon-Leseprobe, wenn Sie es als Kindle-Buch veröffentlichen.

Überzeugt die Leseprobe dennoch die Leser nicht, dann spricht das Cover oder die Buchbeschreibung vielleicht die falsche Zielgruppe an. John Locke erläutert dies sehr gut in seinem Ratgeber [6].

Es kann aber auch schlichtweg daran liegen, dass Ihr Buch einfach nicht gut genug ist. Dann sollen Sie sich selbstkritisch an die Überarbeitung machen.

Auf keinen Fall sollten Sie aber erneut ein Vorwort erwägen, in dem sie den Leser bitten, bis Seite 114 durchzuhalten, denn dann werde die elend langweilige Geschichte endlich spannend.

Wolfgang Tischer

Weitere Tipps finden Sie in unserem E-Book für Amazons Kindle

Cover der 6. Ausgabe: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen [7]In unserem E-Book »Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen [2]« finden Sie weitere Tipps zur Erstellung digitaler Bücher.

Kaufen Sie das E-Book und werden Sie Teil des Experiments, über das wir in unserem Erfahrungsbericht ständig Aktuelles schreiben [8]. Außerdem freuen wir uns über Ihre Amazon-Rezensionen zu diesen Titel.

Zum Lesen des E-Book benötigen Sie kein Kindle-Gerät. Amazon bietet kostenlose Lese-Software für Kindle-Bücher [9] auch für mobile Geräte (iPhone, iPad, Android oder Desktop-PC und Mac an. Einmal erworbene Kindle-Bücher können Sie auf allen Geräten lesen.

Wolfgang Tischer: Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen - 6., nochmals erweiterte und überarbeitete Ausgabe [Kindle Edition] für Amazon Kindle (alle Modelle) [10] und die entsprechenden Apps für iPhone, iPad, Android, Mac und PC [9], 2012. literaturcafe.de.
E-Book für 2,99 Euro bei Amazon kaufen [2]