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Beitrag vom 28. September 2011 | Rubrik: Literarisches Leben, Schreiben

Das Vorwort tötet den Roman: Warum Autoren zum unnötigen Blabla neigen

Vorwort: Wer will das lesen?Speziell bei Hobby-Schriftstellern und Selbstverlegern ist das unnötige Vorab-Blabla vor einem Roman sehr beliebt – landläufig »Vorwort« genannt. Auch ein »Prolog« vor der eigentlichen Geschichte wird gern verfasst.

Neulich traf ich einen Autor, der sein E-Book selbst bei Amazon veröffentlicht hat. Er lobte meinen Ratgeber, mit dem die technische Hürde leicht zu bewältigen war, doch beklagte er, dass niemand seinen Roman kaufe. Und das, obwohl er im vielversprechenden Fantasy-Genre angesiedelt und die Story nicht schlecht sei.

Ich lade die Leseprobe herunter – und mir wird sofort klar, warum niemand auf »Kaufen« klickt.

Die Textprobe besteht einzig und allein aus einem drögen Vorwort!

Die Leseprobe ist das wichtigste Verkaufsinstrument bei E-Books

Neben Cover und Preis ist die Leseprobe das wichtigste Verkaufsinstrument bei E-Books. Der Textausschnitt muss den Leser packen, ihn oder sie zum Weiterlesen und somit zum Kauf animieren. Eine zweite Chance wird man als Autorin oder Autor nicht bekommen.

Amazon erstellt automatisch Leseproben aller Kindle-Bücher, die sich Kaufinteressenten kostenlos herunterladen können. Als Autor kann man sich die Stelle nicht aussuchen. Je nach Umfang des E-Books sind es die ersten 10 Seiten oder 10 Prozent vom Anfang des Werkes – egal, was sich dort befindet. Steht da ein umfangreiches Vorwort oder eine 10-seitige Danksagung, so ist dies die Leseprobe.

Warum mit einem Vorwort langweilen?

Was aber treibt meist Laien dazu, den potenziellen Leser mit einem Vorwort beispielsweise über die Entstehungsgeschichte des Romans zu langweilen?

Wer zunächst die Hintergründe erläutern muss, hat kein Vertrauen in den eigenen Text. Er oder sie versucht den Leser auf die persönliche Ebene zu ziehen, anstatt mit Inhalten zu überzeugen.

Es ist wie bei Vorträgen von Laien und Ungeübten: Achten Sie einmal darauf, wie viele Vorträge mit einer Entschuldigung beginnen! Der Vortragende entschuldigt sich, dass seine Stimme aufgrund einer Erkältung heute etwas leise sei, er entschuldigt sich, dass seine Folien nicht ganz so toll sind, weil er sie noch in der Nacht vor dem Vortrag erstellt hat oder weil er noch nie mit diesem Präsentationsprogramm gearbeitet hat.

Der Grund ist simpel: Wem das Selbstbewusstsein fehlt und unsicher ist, der oder die versucht, die Sympathien der Zuhörer mit Mitleid und Verständnis zu gewinnen. Ein Profi würde das nie tun, denn er weiß, dass er dank seiner guten Vortragstechnik mit den Inhalten überzeugen wird.

Ein Vorwort ist eine Entschuldigung

Eine ähnliche Funktion haben Vorworte speziell bei Romanen oder Anthologien. Man meint, man müsse die Sympathien der Leser damit gewinnen, dass man vorab schreibt, dass »das Folgende auf einer wahren Begebenheit beruht«, »die folgende Kindergeschichte zunächst nur für meinen dreijährigen Sohn geschrieben wurde« oder »dass im Folgenden eine persönliche Krankheitsgeschichte literarisch aufgearbeitet wurde«.

Und noch ein weiterer Aspekt mündet gerade bei Hobby-Autoren unweigerlich in einem Vorwort: die Reaktion von Freuden und Bekannten. Zeigt die Autorin oder der Autor sein Werk erstmals vor, so ist das persönliche Umfeld meist erstaunt, dass man Geschichten oder gar Romane schreibt. Meist lesen diese Erstleser sonst nie Bücher, doch allein die Tatsache, dass jemand, den sie gut kennen, so viel schreibt, verblüfft die Bekanntschaft, und in der Regel fällt ihr Urteil positiv aus.

Leider treibt ein derartiges »Fehlurteil« viele Hobby-Autoren in die Arme von Zuschussverlagen, die zwar keine echten Verlage sind, aber Laien wissen das nicht und fallen auf die Lobhudelei herein, bestätigt sie doch vermeintlich das Urteil von Oma oder Bruder. Aber das ist eine andere Geschichte.

Freunde und Bekannte sind für Autoren oft schlechte Ratgeber

Tatsache ist, dass Freunde, Familienmitglieder und Bekannte anschließend ganz genau wissen wollen, wie es denn zu dieser Geschichte kam, ob man denn schon länger schreibe und woher man nur all diese verrückten Ideen für diese tolle Geschichte nehme.

Und so meint der Autor, er müsse dies der ganzen Welt erklären und erläutern – und er schreibt ein Vorwort, damit es auch künftige Leser erfahren.

Doch niemand, der den Autor oder die Autorin nicht kennt, interessieren die Hintergründe. Man will kein erklärendes Blabla lesen, sondern eine gute, spannende, sprachlich überzeugende oder unterhaltsame Geschichte. Nur das zählt. Ist die Story Müll, so nützt auch die Erklärung nichts, dass sie auf Tatsachen beruht.

Wenn’s sein muss: Machen Sie das Vorwort zum Nachwort

Kostenlose Leseprobe: Die Chance solle man nutzenDoch halt! Wenn ich sage, dass niemanden die Hintergründe interessieren, dann stimmt das natürlich nicht. Im Gegenteil: Wenn die Leserin oder den Leser die Geschichte berührt hat, wenn sie spannend war und mit oder ohne Happy-End abschließt, dann ist die Leserin oder der Leser sehr wohl daran interessiert, mehr über den Autor, die Geschichte und ihre Entstehung zu erfahren.

Das Vorwort ist also nicht umsonst geschrieben: Machen Sie es einfach zum Nachwort, wenn Sie meinen, nicht darauf verzichten zu können.

Ihr Buch beginnt nun unmittelbar mit der Geschichte – und somit auch automatisch die Amazon-Leseprobe, wenn Sie es als Kindle-Buch veröffentlichen.

Überzeugt die Leseprobe dennoch die Leser nicht, dann spricht das Cover oder die Buchbeschreibung vielleicht die falsche Zielgruppe an. John Locke erläutert dies sehr gut in seinem Ratgeber.

Es kann aber auch schlichtweg daran liegen, dass Ihr Buch einfach nicht gut genug ist. Dann sollen Sie sich selbstkritisch an die Überarbeitung machen.

Auf keinen Fall sollten Sie aber erneut ein Vorwort erwägen, in dem sie den Leser bitten, bis Seite 114 durchzuhalten, denn dann werde die elend langweilige Geschichte endlich spannend.

Wolfgang Tischer

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21 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Evy schrieb am 28. September 2011 um 20:10 Uhr

    Ich bin über fb auf diesen Beitrag gekommen und für einen Ratgeber ist es ganz schön fies geschrieben – eine lange Einleitung, zweimal dieselben Argumente und eine fast überväterliche Attitude – ich hatte einfach etwas mehr Verständnis erwartet, wenn ein Autor sein erstes Buch schreibt, dann ist das was besonderes, etwas wichtiges – man hätte den Autor mehr ansprechen, Verständnis zeigen sollen.

    Im Übrigen treffen die genannten Ausführungen auch auf Printmedien zu – es sein denn, man heißt Erich Kästner oder so.

    Wäre natürlich eine Idee, sich für die e-Book-Ausgabe ein anderes Vorwort als für die Printausgabe auszudenken :D

  2. annina schrieb am 29. September 2011 um 15:43 Uhr

    Danke für die echt hilfreichen Tipps. Ich habe zwar kein solches Vorwort geschrieben, bin aber immer wieder froh um Ihre Beiträge. Es stimmt, manchmal klingen sie ein wenig zynisch, sind aber vermutlich stets gut gemeint.
    Denn für Indie-Autoren ist es nicht einfach, DEN Weg zu finden. Ich halte mich in der Regel an die Vorlagen in den gedruckten Romanen, betreffend copyright (das man nicht vergessen sollte) usw.
    Als Schweizerin ist mir bei der ersten Auflage meines E-Books ein Missgeschick passiert: Mein schweizerdeutsches Benutzer-Wörterbuch hat sich mit dem der deutsch-deutschen Rechtschreibung vermengt. So hatte ich Fuss mal so und mal mit Doppel-S geschrieben, obwohl ich sehr darauf geachtet habe. Auf meiner Tastatur ist das Doppel-S gar nicht vorhanden, was einen enormen Mehraufwand bedeutet, wenn ich es unter den Symbolen holen muss.
    Inzwischen habe ich mir ein kleines Duden-Programm gekauft: Deutsche Rechtschreibung 2011. Dann habe ich noch einmal eine Woche investiert, um die Fehler (hoffentlich) endgültig auszumerzen. Warum nur können nicht alle deutschsprachigen Länder die gleichen Rechtschreiberegeln haben? Das wäre schön und hilfreich! Jetzt muss ich noch eine Tastatur mit deutschen UND schweizerdeutschen UND französischen Zeichen finden…
    Viel Glück und Erfolg allen Indie-Autoren (und natürlich auch allen anderen)
    Liebe Grüsse
    Annina

  3. Stephan Waldscheidt schrieb am 1. Oktober 2011 um 09:16 Uhr

    Hallo Herr Tischer,

    besten Dank für den schönen Artikel. Gerade das mit dem Selbstbewusstsein halte ich für wichtig: Wer seinem Text vertraut, kann ihn gar nicht schnell genug vor die Augen der Leser schieben.

    Wen das Thema interessiert: Über weitere Barrieren, die den Einstieg in ein Buch erschweren, schreibe ich in meinem Artikel “Reinkommen, hinsetzen, genießen” hier: http://schriftzeit.de/archives/65.

    SW

  4. Naike Le Normand schrieb am 2. Oktober 2011 um 11:35 Uhr

    Ganz unabhängig von dem Nachteil, der sich für die Leseprobe durch ein Vorwort ergibt, finde ich so etwas auch eher störend. Besser wäre ein Plätzchen am Ende einer Geschichte. Das ist dann oft als schöner Ausklang zu lesen, je nach Inhalt natürlich. Genauso gerne lasse ich Filmabspänne auf mich wirken.
    Ein ganz anderes Ding aber ist ein Prolog, der manchmal durchaus wichtig sein kann. Ich habe mich bei meiner Arbeit dafür entschieden, weil er einen wichtigen Hintergrund für die gesamte Geschichte bildet. Sprich, hat ein Prolog eine Funktion, sollte man diese Möglichkeit aus meiner Sicht ohne schlechte Gefühle nutzen. Somit wäre das Vorwort vom Prolog abzugrenzen.

  5. literaturkakao schrieb am 2. Oktober 2011 um 15:55 Uhr

    Ehrlich gesagt nehme ich Ihnen die Kritik am Vorwort amateurhafter Autoren nicht ganz ab. Sie haben da ein ganz schönes Maß an Überheblichkeit, das Sie an den Tag legen. Wenn man berücksichtigt, dass Sie einen Text darüber schreiben, wie wiederum andere einen Text verfassen sollten, wo Sie doch selbst kein nennenswertes Buch vorzuweisen haben, könnte man doch diese eitlen Tipps gleich auf Ihre eigene Schreibe anwenden?!?!?!?!?
    Gut, ich gebe zu, dass ich Internetliteraturseiten und Literaturblogs nicht für voll nehme, weil ich dahinter eine Ansammlung von Belanglosigkeiten vermute, die unter klassischeren Medienbedingungen niemals auch nur in die Nähe einer Druckerei gekommen wären. Ihre Seite ist ein gutes Beispiel dafür. Dabei kommt es mir bloß seltsam vor, dass gerade Sie sich in Theoretikerpose über die anderen “Internetliteraten” und “Selbstverlagsdichter” stellen…

  6. Annina schrieb am 7. Oktober 2011 um 18:05 Uhr

    @literaturkakao
    Tatsächlich habe ich mich bei etlichen Literaturkritikern wie z.B. bei Malte Bremer auch schon gefragt, wieso der gute Textkritiker seine scharfzüngigen bis zynischen Kaskaden über einen beliebigen Text fluten lässt. Und dabei so wenig AUFBAUENDE Kritik mit einfließen lässt. Wer selbst keine Bücher schreibt, sollte zumindest feinfühliger und taktvoller mit den Texten von Dritten umgehen.
    Jedoch wird hier m. E. das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: die Webseite literaturcafe.de ist für kommende und bestehende Autoren eine wahre Fundgrube an WICHTIGEN und NÜTZLICHEN Tipps und Informationen. Von Belanglosigkeiten kann hier nicht die Rede sein. Es geht ja nicht um eigene hohe Literatur, sondern um alles rund um die Literatur und Schreiberei (also auch um Fach- und Sachtexte, um Veröffentlichung usw).

  7. shadaik schrieb am 11. Oktober 2011 um 12:46 Uhr

    ” Ich halte mich in der Regel an die Vorlagen in den gedruckten Romanen, betreffend copyright (das man nicht vergessen sollte)”
    Das kann man ruhig vergessen, es ist bereits seit Jahren nicht mehr nötig, weil man das Urheberrecht als Autor ohnehin besitzt, man muss es nicht erst erwerben. Das war in Amerika (und nur dort) vor den 1970ern anders.
    Auch hier gilt: Die aus dem Printbereich bekannte “Vorseite” verkürzt die Preview durch eine für den Leser vollkommen uninteressante Seite und sollte daher – wenn überhaupt – ans Ende des Buches.

  8. Rouven schrieb am 12. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

    Ich bin der Meinung das auch einige echte größen der Literatur, einige Vorworte hätten weglassen können, die waren genau das was im Beitrag angesprochen wurde, manchmal sogar alle Punkte in einem Vorwort, und daher mag ich Vorworte oft gar nicht mehr lesen, und kaufe auch manche Bücher nicht, die ein derartiges Vorwort enthalten, denn wenns schon im Vorwort nicht stimmt, dann Tickt er Autor warscheinlich schon länger nicht mehr richtig, und wenn ich das Buch gekauft hätte, dann wäre mir warscheinlich irgendwann aufgefallen was an dem Herr/Frau nicht mehr richtig Tickt und dann habe ich an Stelle guter Unterhaltung ein psychologisch dumm gelaufenes Erlebnis gehabt. Ist mir auch schon passiert, ich schreibe hier aus Erfahrung.

  9. petronius arbiter schrieb am 12. Oktober 2011 um 02:00 Uhr

    Im Print war/sind Vor”wörter” eine gängige Übung. Nicht immer sind die Textautoren Verfasser des Vorwortes. Für eine große Zahl solcher Einführungstexte gilt, AutorIn schreibt nach Abschluß ihres/seines Werkes das Vorwort, stellt die letztlich Schlußgedanken als das, was noch zu sagen wäre, vergessen wurde, vorher nicht ins Werk gefunden hat, der Arbeit voran. Geht in der Regel schief.
    Andererseits gibt es durchaus auch ein Vorwort, welches vor Niederlegung der ersten Textzeile in die Feder läuft, durchaus Aufmerksamkeit verdient, fesseln kann, sofern TexterIn versteht, sich kurz zu fassen.
    Manchmal ist ein Vorwort eher das bessere Nachwort, auch dann wenn es ein durchaus honoriger “Gast” aus Gefälligkeit oder doch aus echtem Interesse am nachfolgenden Werk verfaßt hat. Gutes Beispiel dafür ist Louis Aragon für sein geistreiches Vorwort zu “DSHAMILJa” von Tschingis Aitmatow. So gepflegt Aragons Vorwort auch daherkommt, ein Satz, der erste Satz des Vorwortes hätte m.E. genügt.
    Was fürs E-Book sinnvoll/nicht sinnvoll ist, müssen selbst etablierte Autoren erst noch herausfinden. Schließlich haben sie darin so viel und/oder so wenig Erfahrung wie jeder Newcomer. Für Print haben sich vom “Schmutztitel” über Impressum bis zur Zählweise der Seiten seit Johannes Gensfleisch “Gutenberg” Regeln herausgebildet, welche das E-Book ev. nicht benötigt/verträgt. Wer aber will das mit Sicherheit vorab wissen, gar festlegen? Wird also, wie immer, eine REntwicklungs- und Reifeprozeß.
    Außerhalb von Prosa gibt es dann noch im Bereich Sach- und Wissenschaftstext durchaus gelegentlich sogar die Notwendigkeit zum “Vorwort”.

  10. petronius arbiter schrieb am 14. Oktober 2011 um 17:19 Uhr

    Ein unbescheiden ellenlanger Nachtrag zum vorherigen Post:
    Das Vorwort tötet den Roman., lautet hier das Vorurteil. Das Vorurteil tötet die Kritik, lautet ein anderes Urteil.
    In nicht nur meinem Printbestand tummeln sich allerhand durch Vorworte, Prologe und Vorbemerkungen offenbar getötete Werke, u.a.: Truman Capote “Kaltblütig“, Miguel de Cervantes Saavedra “Don Quixote“, Thomas Mann “Der Zauberberg“, Nietzsche “Ecce homo“, Shelly “Frankenstein“, Rabelaise “Gargantua und Pantagruel“, Feelding “Tom Jones“, E.T.A. Hoffmann “Lebensansichten des Katers Murr“, Jean Paul “Hesperus oder 45 Hundposttage“, Don DeLillo “Unterwelt“, Victor Hugo “Der Glöckner von Notre-Dame“, Montesquieu “Persische Briefe“, Ina Seidel “Michaela“, Nicolaus Machiavel “Von der Regierungskunst eines Fürsten“, Beecher-Stowe “Onkel Toms Hütte“, George Eliot “Middelmarch“, Jan Potocki “Die Handschriften von Saragossa“ und so fort. Lewis Caroll widmet seiner “Alice im Wunderland“ als Vorrede gar ein Poem. Etwas zuviel Literatur, ein paar Romane zu viel, die zu Weltruhm gelangten, obwohl sie wegen Vorworten doch mausetot sein müßten.
    Die Parole ist griffig, cum grano salis treffend und zutreffend. Am Sinn des Schreibens, an Literatur und ihrem Hintersinn geht sie achtlos vorbei, ist zweck- und zielgerichtet aufs e-Book, auf neue Seh- und Lesegewohnheiten, ohne das solche schon erkennbaren Regeln folgten.
    Natürlich kann ein Vorwort langweilen, als Entschuldigung verstanden werden, sind Freunde und Bekannte eher “liebedienerische“ Kritiker, schlechte Ratgeber, verdient manches Vorwort allenfalls ein Schicksal als Nachwort.
    Es reicht einfach nicht, an Vorbildern/Vorlagen sich zu orientieren, die Vorgänger nachzuahmen. Nur weil der berühmte XYZ ein Vorwort seinem Werk voranstellt, unabhängig auch von der Sinnhaftigkeit desselben, wie Lemminge dieser Vorgabe zu folgen, hat nichts mit dem eigenen Werk, hat nichts mit der eigenen Arbeit zu tun. Stellt wer seiner Arbeit ein Vorwort voran, verdient dieses die gleiche Sorgfalt wie die Arbeit selbst. Weil Nomen und Omen bestens harmonieren, harmoniert ein Vorwort mit dem ihm nachfolgenden Text am besten, wenn AutorIn vorher darüber nachgedacht, das Vorwort zuvor formuliert hat, bevor er/sie überhaupt mit der eigentlichen Arbeit beginnt. Wer etwas von der Eigendynamik des Schreibens versteht, wird nach Abschluß der Arbeit gewissenhaft prüfen, ob das zuvor von ihm zu seinem Text verfaßte Vorwort (noch) angebracht ist. Falls nicht, taugt es auch nicht zum Epilog/Nachwort, ist doch dessen “Funktion“ eine völlig andere.
    Mag sein, ein Vorwort, vor allem ein ausführliches, tötet in einem oder anderen Falle den (guten) Roman. Ist er wirklich gut, übersteht er solch Vorwort unbeschadet! Absicht des Vorwortes aber ist es, nachfolgenden Text zu beleben, Aufmerksamkeit des Lesers zu wecken, ihn auf den Gegenstand und seine Darstellung einzustimmen. Mag auch sein, beim e-Book und Amazon-Werbegewohnheit für “Lesproben“ gelangt der Leser nicht zum Probelesen. Aber nur dann gelangt er nicht dahin, wenn AutorIn mit dem Vorwort geschlampt hat! – Die Printversion im Bücherladen mit Leseecke ist diesbezüglich wohl doch im Vorteil?! – Wo Lewis Caroll für “Alice im Wunderland“ ein Poem voranstellt, zeigt Miguel de Cervantes Saavedra mit “Don Quixote“, wie sich mit einem Vorwort zwischen Prosa, Satire Polemik, Lyrik bis Sonetten auf Lesestoff einstimmen läßt.
    Ein Vorwort zu einem Roman ist gewiß nicht Bedingung für denselben. So jemand für sein Werk auf ein Vorwort nicht verzichten mag, sei es ihm gewiß zugestanden. Jede(r) AutorIn muß sich selbst vergewissern, ob sie/er das Notwendige zu einem Vorwort mit diesem selbst und dem nachfolgenden Text geleistet hat. Im Zweifel stehen bei Print-Publikation Verlag und Lektorat sachlich/kritisch bei. Eigenveröffentlichung, dann noch als eBook, muß auf solchen Beistand verzichten. Um so sorgfältiger und selbstkritischer sollte der Umgang mit eigenem Text dann ausfallen, besonders für ein Vorwort.
    Das Vorwort ist nicht tot! Es lebe der Roman!

  11. George McGregor schrieb am 18. Oktober 2011 um 18:51 Uhr

    Vielleicht hätte der Titel des Beitrags besser gelautet: “Das Vorwort tötet den Romanverkauf.”
    Dann wäre die (von mir so verstandene) Absicht, nämlich eine Empfehlung an Autoren, wie man es besser nicht macht, deutlicher geworden. Es sollten wohl nicht Vorwort oder Prolog eines Romans in Frage gestellt werden, die Bestandteil des Werks sind, sondern das Vorwort nach Art “Warum ich dieses Buch geschrieben habe”, und das kann man wirklich als Anhang am Ende des Buchs bringen, wenn es denn überhaupt erforderlich ist.

    George

  12. petronius arbiter schrieb am 19. Oktober 2011 um 01:25 Uhr

    Tötet das Vorwort den Romanverkauf? Ein gutes Vorwort fördert keinen schlechten Roman. Ein schlechtes Vorwort tötet keinen guten Roman. Für die Printedition sind Lektorate sowohl fürs Vorwort als auch für den Roman hilfreich. Daneben verfügt ein guter Verlag über eine gute PR-Abteilung, die noch hilfreicher ist. Zudem prüft der Verlag vor Publikation selbstverständlich Marktchancen und Marktpotential, fördert den Verkauf.
    Publikation online und per eBook auf “Verdacht” ohne Korrektorat, Lektorat und Plausibilitätsprüfung ist hinsichtlich der Verkaufsaussichten Russisch Roulett. Den Goldenen Schuß setzt freilich dann das unprofessionelle “Vorwort”. Selbst als Epilog ist es dann nicht weniger tödlich.
    eBook macht nun einmal möglich, daß Text aller Art auf den Bildschirm findet, nach meiner Beobachtung vielfach “unprofessioneller” Text. So dann das Vorwort auch noch Ausweis dieser Unprofessionalität ist, tötet die Leseprobe “Vorwort” natürlich den Roman und jede Verkaufsaussicht. Für AutorIn eine absolute Katastrophe. Der vom Vorwort abgeschreckte Leser wird diese Katastrophe nicht nachempfinden wollen, sondern dem Vorwort danken, sich Ausgaben erspart zu haben.
    Im übrigen hat jeder Leser immer recht, auch der eBook-Leser.

  13. Ponschie schrieb am 28. Juni 2012 um 09:46 Uhr

    Ich habe gerade mein erstes Buch fertiggestellt…und oh je…es beginnt mit einem Prolog! Allerdings…ich bin verwirrt! Nein, über meine Schreibambitionen habe ich mich nicht ausgelassen. Vielmehr ist es ein Zeitsprung in der Handlung. Ein kurzes, wichtiges und meiner Meinung nach sehr spannedes Schlüsselereignis in der Kindheit der Hauptfigur…nur 2 Seiten lang. Im1. Kapitel dann ist die Hauptfigur schon erwachsen. Habe ich nun den Begriff Prolog falsch angewendet? Hätte mein vermeintlicher Prolog schon das 1. Kapitel sein müssen? Ich wollte mit dieser Art Vorwort nur die Geschichte besser zeitlich von der Haupthandlung abgrenzen. Ist das ein Fehler? Oh je…so viele Fragen, wenn man sich das erste Mal an das Projekt Roman traut.

  14. Naike schrieb am 28. Juni 2012 um 10:34 Uhr

    Ponschie, wenn das Ereignis in der Vergangenheit wichtig für die Gegenwart ist, dann ist der Prolog genau der richtige Platz dafür. In meinem Roman wird es genauso sein und die Rückmeldungen aller bisherigen Testleser waren absolut positiv. Und wie ich bereits schrieb, ein Prolog ist nicht gleich Vorwort. Letzteres finde ich oft unnötig und besonders am Anfang eines Romans eher störend. Ein Prolog hingegen kann ein sehr guter Einstieg sein.

  15. Ponschie schrieb am 28. Juni 2012 um 12:40 Uhr

    @Naike
    Puh! Vielen Dank! Ich war durch den Artikel hier wirklich stark verunsichert. Dann bleibt es dabei…

  16. Naike schrieb am 29. Juni 2012 um 12:26 Uhr

    Gern! Wir werden noch Bestseller-Autoren, du wirst sehen! ;o) Ich wünsche dir viel Erfolg und zuvor auch schon ganz viel Freude beim Fertigstellen!

  17. Ramona Lotter schrieb am 16. Juli 2012 um 10:09 Uhr

    Ich bin auch der Meinung, dass Vorwort und Prolog unbedingt voneinander abgegrenzt werden müssen. Während das Vorwort meist nur unsinniges Gerede ist, kann einem der Prolog wichtige Informationen geben. Das gilt meiner Meinung nach aber nur, wenn er sich auf ein Ereignis bezieht, das nicht in der Geschichte selbst vorkommt, aber für diese sehr wichtig ist. Von einem Prolog, der die “spannendste” Stelle des Romans vorwegnimmt würde ich aber abraten.

  18. Redaktion schrieb am 16. Juli 2012 um 10:49 Uhr

    Ein Prolog ist im modernen Roman immer ein Spannungselement. Ein guter Prolog weckt die Neugier des Lesers und sollte erst rückwirkend im Verlaufe des Romans erklärend wirken und aufgelöst werden. Anfänger begreifen den Prolog aber oftmals rein als erläuterndes Element und er erfüllt dort eine ähnliche Funktion wie ein Vorwort, indem man glaubt, man müsse dem Leser durch den Prolog zunächst einmal etwas erklären, damit er das Folgende besser versteht. In dieser Form ist der Prolog überflüssig und schädlich, kann also gestrichen werden.

    Ein guter Prolog, also ein Prolog der den Leser neugierig macht und ihn in den Roman zieht, lässt immer mehr Fragen offen, als das er erklärt. Dies kann erfolgen, indem im Prolog die Namen der handelnden Personen nicht genannt werden, eine “unerhörte Begebenheit” geschildert wird oder eine Situation beschrieben wird, die der Leser nicht erwartet (z.B. Szene im Mittelalter, obwohl der Roman eigentlich in der Neuzeit spielt). Aufgelöst wird dies dann erst im Verlauf der Handlung, wobei die im Prolog geschilderten Dinge für sie wichtig sind. Dadurch ergibt sich für den Leser später dann ein “Aha”-Erlebnis, sodass er oder sie im besten Fall mit diesem Zusatzwissen nochmals zum Prolog zurückblättert, um ihn nochmals zu lesen, weil er sich nun komplett erschließt.

  19. Gian schrieb am 12. September 2012 um 21:48 Uhr

    Ich kann dem letzten Beitrag der “Redaktion” nur zustimmen. Der Prolog ist – richtig eingesetzt – ein sehr schönes Element um der Geschichte einen parallelen Spannungsbogen mitzugeben, ohne im 1. Kapitel gleich darauf eingehen zu müssen. Zusätzlich nimmt es möglicherweise etwas den “Erfolgsdruck” aus dem 1. Kapitel und dem “ach so wichtigen Buchanfang”. Wobei dann wohl der Prolog den eigentlichen Buchanfang markiert.
    LG
    Gian (www.schreibplattform.de)

  20. Rael Wissdorf schrieb am 20. November 2012 um 22:18 Uhr

    Natürlich kann ein Prolog ein wesentlicher Bestandteil des Romans sein. Ich denke auch, dass der Artikel hier nur das literarisch zweifelhafte und oftmals falsch platzierte oder sogar unnötige “Vorwort an den geneigten Leser” meint, wie es vor allem im 19. Jahrhundert sehr verbreitet war.

    Insofern hat der Artikel seinen Zweck stark verfehlt und kann nur als “mangelhaft” bewertet werden, schlimmer noch: verunsichernd.

    Ein Prolog ist kein Geschwafel. Wenn er zum Roman gehört, weil er zb Anfang einer Rahmenhandlung ist, die als Klammer für die ganze Story dient, ist er sogar unerlässlich. Es ist dann auch nicht “Kapitel 1″ oder gar “Kapitel 0″, da der Begriff “Prolog” eine eindeutige Funktion suggeriert: hier wird etwas zeitlich klar abgegrenzt, oder eine Information vorausgeschickt, die zum Verständnis der Handlung unerlässlich ist.

    In meinem augenblicklichen Projekt gibt es auch einen Prolog. Allerdings heisst er hier “Chapter 0: Prologue”, weil handelnde Personen auftauchen, die erst später eine Rolle spielen werden, aber beim Leser bereits bekannt sein sollen. Es ist schlicht Teil des Konzepts, überdies spannend und schürt Erwartungshaltung. In solchen Fällen ist ein Prolog schlicht der echte Anfang des Romans.
    Ist er es nicht: streichen!

    Beim “Herrn der Ringe” fand ich die Einleitung, die 40 Seiten über Hobbitse und Ringfunde, übrigens so öde, dass ich 3 Anläufe brauchte, um den Roman endlich mal zu lesen. Dann aber auch gleich 3x.
    :-)

    Ach, und jeder James Bond Film beginnt mit einem Prolog, der meist ein Feuerwerk an Action bietet. Denn den Prolog gibts auch beim Film. Heisst da bloss nicht so.

  21. becky schrieb am 6. September 2014 um 20:53 Uhr

    Prolog und Vorwort auch wenn’s seltsam klingt sind für mich zwei unterschiedliche schuh.

    Für mich gehört Im Prolog keine Danksagungen rein sondern ein Auftakt in die Geschichte.

    Z.B. die Haupt Figur oder Figuren, befinden sich an einen bestimmten Ort, tun was Bestimmtes etc.

    hier mal ein Beispiel ist nicht sonderlich gut aber was Sols is auch nur ein teil und nicht überarbeitet

    Prolog

    Lachend stellte sich der sechzehn jährige vor der am Boden liegenden drei Jahre jüngeren auf.
    „Na, hast wieder trainiert du Intelligenz Bestie.“ Sie wusste das sie intelligent war und das ihr verstand den des Jungen übertraf, aber sie war ihm auch in was anderem überlegen. Ein gemeines grinsen Huschte ihr über die Lippen, bevor sie mit aller Wucht zu trat und den lebensmüden damit einen Schrei und Fluch ab gewann. Kaum das er nicht mehr über sie stand bog sie ihren Rücken nach hinten durch und nutzte den Schwung um auf ihre Füße zu kommen. Es dauerte nur ein Bruchteil einer Sekunde, kaum dass sie wieder stand trat sie dem am Boden liegenden in die Rippen und stürzte sich auf ihn wie eine Löwin auf ihre Beute. Sie Kratzte mit ihren langen Fingernägeln, biss den Jungen und prügelte mit den Fäusten auf ihn ein. Der Jugendliche hatte kaum eine Chance sich zur Wehr zu setzen. Sie wollte töten das spürte sie in ihren Eingeweiden. Gänsehaut machte sich breit, der Margen krampfte vor Wut. Hass drohte sie zu verzehren. Dann kam ein Ruck, jemand hatte sie an den Schultern hoch gerissen. Sie strampelte, schlug um sich traf auch etwas aber dann wurden ihre Hände nach hinten gerissen sie hörte das gewohnte klicken und spürte das kühle Metall an den Handgelenken.

    *

    das war also der Prolog, im Grunde also der Beginn der
    Geschichte um die Leser in diese Rein zuziehen. Der Leser soll sich gleich zu Beginn Fragen stellen, warum, weswegen etc. Entstehung Sorry s und Danksagungen gehören für mich ganz am Ende als Danksagung und Entstehung aber nicht am Anfang.

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