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Das Literarische Quartett: Der Club der Tote-Dichter-Kritiker

Volker Weidermann (links) und Axel Hacke (Foto: ZDF)

Volker Weidermann (links) und Axel Hacke (Foto: ZDF)

Das vorweihnachtliche literarische Quartett wirkte zum ersten Mal richtig harmonisch, und das, obwohl man über die vorgestellten Bücher nicht immer einer Meinung war. Lag es an der Adventszeit? Nur einer fiel wieder mal auf – wieder mal positiv.

Die Stammbesetzung Christine Westermann und Maxim Biller wurde diesmal nur kurz mit Namen vorgestellt, die übliche retournierte Vorstellung Volker Weidermanns durch Westermann entfiel ganz. Dafür präsentierte Weidermann den Gast der Runde etwas umständlich und ausschweifend, so wie Gottschalk einst bei »Wetten, dass …?« die musikalischen Gäste. Diesmal war Kolumnist und Buchautor Axel Hacke der Vierte im Quartett, doch analog zu seiner optischen Erscheinung blieben auch seine Diskussionsbeiträge eher blass und grau. Und dann stellt er auch noch das neue Buch von Christoph Ransmayr vor, und wir waren mittendrin in der Altersstruktur der ZDF-Zuschauer. Schnarch! Ransmayr! Als ob es nicht spannendere und bessere Bücher von jüngeren Autoren gäbe, die man entdecken könnte. Und dann erfreute sich Hacke auch noch etwas merkwürdig unironisch darüber, dass in diesem Buch gleich zu Beginn 27 Nasen abgeschnitten werden und zog Parallelen zu Karl May. Jeh nun …

Einziger Lichtblick des Abends, guter Diskutant, Analytiker und Ketzer [1]: Maxim Biller. Immer wieder führte er literarische Kriterien an und betrachtete die Handlung nicht nur danach, ob etwas gefällig ist. Man bekommt sofort den Wunsch, in die Bücher reinzuschauen, um sein Urteil zu überprüfen oder zu widerlegen. Auch das von ihm präsentierte Buch von John Fante war das einzige, das man sich gerne mal näher anschauen wird, zumal sich alle vier über die Qualität dieses Buches einig waren.

Ergab es sich so oder hatte man sich da abgesprochen anders zu sein: Biller unterließ die immer etwas bemüht wirkenden Attacken gegen Westermann und Weidermann versuchte nicht, ständig Biller zu widerlegen [3]. Das aufgesetzte Streiten [4], das rollenartige Beharken der »Gegner« fiel diesmal weg, stattdessen wurde über die Texte und Bücher gesprochen, auch wenn man sich bisweilen wieder in überflüssigen Inhaltsbeschreibungen oder gar Spoilern [5] verhakte. Doch meist half Biller dort hinaus. Auffälligerweise redete man diesmal mit Vornamen von den anderen Diskutanten. Selbst Christine Westermann, sonst eher gefühlsargumentativ und zurückhaltend [6], war diesmal eine gute und ebenbürtige Diskutantin in der Runde.

Dennoch wirkte das Quartett wie der Club der Tote-Dichter-Kritiker. John Fante starb 1983 und Weidermann packte bildungshuberisch die Neuübersetzung eines Tolstoi-Romans aus (+1910). Da wirkt Ransmayr mit seinen 62 Jahren wie ein junger Bursch, denn die Autorin des letzten vorgestellten Titels, Joan Didion, ist 82 Jahre alt. Alles irgendwie nicht so prickelnd und frisch, obwohl die Bücher neu auf dem Markt sind. Natürlich ergibt sich die Buchkombination immer aus dem, was die Vier mitbringen, aber man würde sich mal eine Sonderausgabe wünschen, in der nur Debütromane von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren unter 50 besprochen werden.

Wolfgang Tischer

Link ins Web:

Die in der Sendung vom 09.12.2016 besprochenen Bücher:

Die in der Sendung als Weihnachtstipp empfohlenen Bücher: