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Beitrag vom 20. März 2008 | Rubrik: Notizen

China als Gastland der Buchmesse: Wie viele Tote sind erlaubt?

Buchmessedirekor Jürgen Boos auf der Pressekonferenz zur Buchmesse 2007Anlässlich der Vorgänge in Tibet gerät auch die Gastland-Präsentation Chinas bei der Frankfurter Buchmesse wieder in die Diskussion. 2009 soll sich das asiatische Land auf der Bücherschau darstellen. Darf die Kultur- und Wirtschaftsmesse die Plattform für die Präsentation eines diktatorischen Landes sein, das Andersdenkende blutig niederknüppelt, 1989 beim Tian’anmen-Massaker und aktuell in Tibet?

Bereits im Herbst des letzten Jahres haben wir Buchmessedirektor Jürgen Boos die Frage hinsichtlich der Zensur in China gestellt. »Mit Gästen spricht man durchaus auch über unangenehme Themen«, so Boos damals.

Uwe Wittstock stellt in seinem Kommentar in der WELT die Frage, wie weit dieser Dialog gehen soll. Wittstock: Aber bis zu welcher Grenze, bis zu welcher Zahl von Toten gilt dieses Argument? Werden sich beim Ehrengastauftritt Chinas tatsächlich nicht pekingtreue Tibeter präsentieren dürfen? Oder wird die Buchmesse 2009 eine prächtige Bühne sein für Diktatoren, die bei der Niederschlagung von Regimegegnern vor kaum etwas zurückschrecken?

Die Fragen bleiben einstweilen offen. Vielleicht sind ja bis 2009 die Vorfälle in Tibet auch wieder vergessen.

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2 Kommentare zu diesem Beitrag lesen

  1. Dr. Ernst Woll schrieb am 27. März 2008 um 18:37 Uhr

    Es sind keine Toten erlaubt, aber eine Beendigung von Gesprächen trägt auch nicht zur Beseitigung von Konflikten bei. Über die wirklichen Ursachen des Aufstandes in Tibet und von welcher Seite zuerst die Gewalt eskaltierte, fühle ich mich von den Medien einseitig informiert. Wahrscheinlich nutzten die Mönche die bevorstehenden Olympischen Spiele um im besonderen Maße wirkungsvoller auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Ich denke an die Proteste zum G 8 Gipfel 2007 und andere Demonstrationen in allen westlichen Ländern, da gehen die Polizeikräfte auch nicht immer zimperlich vor und man kann oft vom Glück reden, wenn sich die Verletzten in Grenzen halten. Das Einzige, das ich der chinesischen Führung vorwerfe, ist die geringe Gesprächsbereitschaft; ob alle Maßnahen zur Wiederherstellung der Ordnung verhältnismäßig sind können Außenstehende nur schwer beurteilen, auf alle Fälle sind sie notwendig.

  2. christine matha schrieb am 29. März 2008 um 10:10 Uhr

    Ich glaube, dass man mit Boykott gegen Chinas Regierung sehr wolh erreichen würde, dass Tibet zu einer Autonomie kommt. Die Chinesen wollen eine Weltmacht werden und für die chinesische Mentalität ist es immer noch das Wichtigste nicht “das Gesicht zu verlieren”. Ohne Druck von aussen wird sich in China nichts verändern und es sollte nicht immer nur um das Geld gehen, besonders Europa könnte sich für die Menschenrechte mehr einsetzen und auch mehr Einigkeit zeigen, sonst ist die EU wirklich eine einzige Enttäuschung…
    Christine Matha aus Brixen ( Südtirol)

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