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Bücher-Studie: Beratung im Buchhandel immer weniger genutzt

Ganz wichtig: Laut Presseverordnung müssen Berichte über E-Books müssen immer mit einem Symbolbild versehen sein, bei dem ein total veraltetes Gerät aus einem Buchregal gezogen wird.

Ganz wichtig: Laut Presseverordnung müssen Berichte über E-Books immer mit einem Symbolbild versehen sein, bei dem ein total veraltetes Gerät aus einem Buchregal gezogen wird

Der Verband der Digitalbranche Bitkom hat seine jährliche Buch- und E-Book-Studie veröffentlicht. Jeder Vierte liest demnach Bücher auch in der Digitalform, was in etwa dem Vorjahreswert entspricht. Klar, dass sich ein Digitalverband wünscht, dass das mehr werden. Aber warum eigentlich?

Eine andere Zahl der Studie belegt, dass die individuell beratende Buchhändlerin immer mehr zu einer Legende wird. Weitaus mehr Menschen vertrauen lieber der automatisch generierten Empfehlung im Internet.

Nur 16% der Leser lassen sich im Buchhandel inspirieren

Auf der einen Seite die anonyme und »kalte« Empfehlung durch die Maschine, die sich auf Zahlen und Käuferprofile stützt und andererseits die nette freundliche Buchhändlerin, die ihre Kundin persönlich kennt und immer das passende Buch aus dem Regal zieht und großartige Tipps hat. Letzteres scheint immer mehr zum Wunschdenken des Buchhandels und zur Legende zu werden. Tatsächlich setzen laut der Bitkom-Bücherstudie 2016 [1] nur noch 16 Prozent der befragten Buchleser auf den persönlichen Tipp des Fachpersonals. Vor drei Jahren waren es mit 29 Prozent fast doppelt so viele gewesen. 38 Prozent der Buchleser lassen sich hingegen aktuell von automatisch generierten Vorschlägen in den Online-Shops zum Buchkauf animieren (»Kunden, die x kauften, kauften auch y«). Selbst vor drei Jahren folgten bereits 27 Prozent der Computerstimme. Die Stimme der Buchhändlerin verliert deutlich an Wert.

55% erhalten Kauf- und Lektüretipps im Internet

Ganz allgemein steht das »Stöbern im Internet« mittlerweile ganz oben auf der Inspirationsskala für den Buchkauf. 55 Prozent der Leser erhalten so ihre Lese- und Kaufimpulse. 18 Prozent finden Vorschläge über die sozialen Netzwerke.

Da Mehrfachnennungen möglich waren, steht mit 74 Prozent immer noch die Lektüreempfehlung von Freunden oder der Familie an erster Stelle. Inwieweit sich diese persönliche Empfehlung mit den 18 Prozent via Facebook & Co überschneidet, geht aus den vom Bitkom genannten Zahlen nicht hervor.

Insgesamt wurden 2.171 Personen ab 14 Jahren zu ihrem Buchkauf- und Leseverhalten befragt. Darunter waren 511 E-Book-Leser, auf die sich die Bitkom-Zahlen zum elektronischen Leseverhalten stützen. Mit einem Anteil von rund einem Viertel blieb dieser Anteil gegenüber dem Vorjahr gleich, das elektronische Buch konnte also aktuell keinen Zuwachs an Lesern verzeichnen.

Was ist überhaupt ein E-Book?

Leider erwähnt der Bitkom in seinen Meldungen nie, wie von ihm der Begriff »E-Book« definiert wird und mit welchem Wortlaut die Befragten angesprochen werden. Daher ist der Anteil der Leser, die auf Desktop-Computern oder Notebooks lesen, immer relativ hoch, da anscheinend viele auch PDF-Dateien als E-Book ansehen. Im letzten Jahr lag der Anteil der »Computerleser« bei 41 Prozent. In diesem Jahr liegen mit 56 Prozent tatsächlich die E-Reader vorn, also die reinen Lesegeräte wie Kindle Paperwhite und Tolino [3]. 41 Prozent lesen E-Books auf dem Smartphone und 24 Prozent auf einem Tablet-Computer. Hier waren natürlich Mehrfachnennungen möglich. 23 Prozent der E-Book-Nutzer lesen ihre Texte auf mehreren Geräten.

Kunden fordern weniger Steuern auf Bücher, Steuerberater hingegen mehr

85 Prozent der E-Book-Leser sind scheinbar in Steuerfragen sehr bewandert und fordern eine Reduzierung bzw. Anpassung des E-Book-Steuersatzes von derzeit 19% an den ermäßigten Satz der Papierbücher von 7%. Erstaunlicherweise forderte der Verband der Steuerberater vor wenigen Tagen gerade Gegenteiliges: Um den Arbeitsalltag der Steuerfachkräfte zu erleichtern, solle der ermäßigte Mehrwertsteuersatz für Bücher ganz abgeschafft werden [4].

Bei den 85 Prozent der E-Book-Leser, die eine Reduzierung fordern, schwingt offenbar die naive Hoffnung mit, die Digitalbücher wären dann günstiger zu haben. Sollte es zur Anpassung kommen, dürfte klar sein, dass die 12 Prozentpunkte Unterschied von den Verlagen einbehalten werden.

»Nach Einschätzung des Bitkom braucht der Markt für E-Books neue Impulse. Die Verlage haben schon viel für die Verbreitung digitaler Bücher getan. Trotzdem ist die Schwelle für viele Leser immer noch groß, dieses Medium auszuprobieren«, sagt der Bitkom-Verband [1] und fordert, dass die Verlage für den Fall des Falles die 12 Prozentpunkte eben nicht für sich einstreichen, sondern den Preisvorteil an die Käufer weitergeben.

Seltsamerweise fordert der Bitkom am Schluss seiner Meldung, dass die Verlage das, was man E-Book nennt, besser ganz abschaffen sollte, um diese durch Apps und Websites zu ersetzen. »Wenn am Ende kein einfaches E-Book, sondern eine benutzerfreundliche, interaktive App oder Webanwendung steht, werden sich dafür erst Recht Käufer finden.«

Eine kühne These, so als wären interaktive Apps, Kinofilme oder Videospiele [5] nicht schon längst erfunden worden.

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